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Mit dem richtigen Etikett ist Kompost für Dresden bares Geld wert

Finanzen Mit dem richtigen Etikett ist Kompost für Dresden bares Geld wert

Die Stadt Dresden macht sich ihre Gedanken über Kompost und daraus vielleicht sogar einen Haufen Geld. Nach der Sternstunde kommunal-parlamentarischer Arbeit ist der Weg dafür bereitet. 66 beteiligte Stadträte stimmte einhellig für den Beitritt zur Gütegemeinschaft – ohne Gegenstimme, ohne Enthaltung und ohne ein einziges Wort darüber zu verlieren.

Die Stadt Dresden macht sich ihre Gedanken über Kompost und daraus vielleicht sogar einen Haufen Geld.

Quelle: dpa

Dresden. Kürzlich hatten die Stadträte eine fundamentale Entscheidung zu treffen. „Der Rat beschließt den Beitritt der Landeshauptstadt Dresden, Regiebetrieb Zentrale Technische Dienstleistungen (ZTD), zur Gütegemeinschaft Kompost Sachsen-Thüringen e. V.“, stand auf der Tagesordnung. Es ist nicht bekannt, ob jedem Beteiligten die Tragweite seines Tuns vollumfänglich bewusst war.

Vielleicht ist dafür ja die spezielle Kenntnis von Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil hilfreich. Die beiden legendären Wortakrobaten habe sich schon vor 40 Jahren bleibende Verdienste um die gebührende Anerkennung von Grünabfällen erworben. „Jeder gute Gärtner macht irgendwo in seinem Garten einen Haufen“, schrie Hans-Joachim Preil dem scheinbar nervig-begriffsstutzigen Herricht auf der Bühne an. Für den kommt Post nur im Briefkasten an. „Ich weiß ja nicht, was sie für Leute kennen, aber mein Garten bleibt sauber“, brachte er Preil zur Weißglut.

Die Stadt macht sich auch ihre Gedanken über Kompost und daraus vielleicht sogar einen Haufen Geld. Nach der Sternstunde kommunal-parlamentarischer Arbeit ist der Weg dafür bereitet. 66 beteiligte Stadträte stimmte einhellig für den Beitritt zur Gütegemeinschaft – ohne Gegenstimme, ohne Enthaltung und ohne ein einziges Wort darüber zu verlieren

Gut, es ging auch nicht um das Anpflanzen eines neuen Schuppens, die Umgänglichkeit der Nachbarfamilie Hesperis oder die Sprengkraft von Granatäpfeln. Der Wert der Stadtratsentscheidung spielt sich eher unter der Grasnarbe ab. Die Stadträte verpflichteten nämlich die Ämter der Stadt dazu, mehr Komposterden und Erdgemische vorrangig vom Kompostplatz des städtischen Regiebetriebs zu verwenden. Der ist nicht in „irgendeiner Ecke“ (Preil) der Stadt, sondern auf der Gompitzer Straße und darf bis zu 3000 Tonnen Grün- und Laubabfälle pro Jahr verarbeiten. Grasschnitt, Laub, Reisig, Erde und Häcksel rotten dort nicht nur einfach vor sich hin. Sie werden im Kern auf mindestens 80 Grad erhitzt, das mache 70-80 Prozent der Unkräuter den Garaus. Komposterde gemischt mit Sand könnte zur Geländemodellierung eingesetzt werden, hieß es in der Vorlage aus dem Bereich von Finanzbürgermeister (!) Hartmut Vorjohann. Ja, sie eigne sich sogar „hervorragend zur Bodenverbesserung in Pflanzflächen“.

Doch bis in das letzte Erde verarbeitende Amt der Stadt hat sich das wohl noch nicht rumgesprochen. Bisher seien nur 30 Prozent der Erden aus der Kompostierung von städtischen Interessenten abgenommen worden. Und hier kommt endlich die Gütegemeinschaft ins Spiel, denn die Zurückhaltung liegt am bislang fehlenden Siegel. Vor allem auf Schulhöfen, Spielplätzen oder in Kitas darf nur zertifiziertes Material verwendet werden. Dieses Etikett wird künftig die Gütegemeinschaft auf Dresdner Erden hinterlassen.

Die Stadt kann damit die Kompostanlage ordentlich auslasten sowie Geld für teure Erdbewegungen von außerhalb sowie die Grünabfallentsorgung bei „Dritten“ sparen: 120 000 Euro macht das unter dem Strich, hat der bodenständige Kassenhüter Vorjohann ausrechnen lassen. Damit hätte sich die halbe Kürzung bei der Philharmonie vermeiden lassen. Hans-Joachim Preil wollte mit der Gartenarbeit nur die Müdigkeit bei Rolf Herricht bekämpfen.

Von Ingolf Pleil

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