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Lokales Mit Pinsel und Farbe in der Dresdner Heide
Dresden Lokales Mit Pinsel und Farbe in der Dresdner Heide
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08:58 11.05.2017
Rund 80 verschiedene historische Heide-Wegzeichen sind bekannt. Einige davon muten wie alte Runen an und sind über 100 Jahre alt Quelle: Bernd Lichtenberger

Hämmerchen, Kannenhenkel, Kuhschwanz – Besucher der Dresdner Heide kennen die eigenartigen roten Zeichen und Buchstaben auf weißem Grund. Auch wenn sie diese manchmal erst nach einem Blick in die Wanderkarte richtig deuten können. Danach kann man sich an ihnen getrost orientieren. Wie in alten Zeiten. Dass diese historischen Wegezeichen erhalten blieben, ist nicht zuletzt dem 2015 verstorbenen Dresdner Manfred Ruttkowski zu verdanken – und dem Arbeitskreis Dresdner Heide, der über fast drei Jahrzehnte unter Ruttkowskis Anleitung und gemeinsam mit ihm für die Bewahrung dieses Kulturgutes gearbeitet und nun sein Erbe angetreten hat.

Der Arbeitskreis Dresdner Heide, hervorgegangen aus der Anfang der 1980er Jahre von Dresdnern gebildeten Interessengemeinschaft Dresdner Heide, ist seit vielen Jahren unter dem Dach des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz aktiv. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, kulturgeschichtlich Wertvolles in der Dresdner Heide zu erhalten. „Und dazu gehören auf jeden Fall die historischen Wegezeichen“, erklärt Michael Thieme. Er ist zwar von Hause aus Chemiker, leitet aber schon seit Jahren den Arbeitskreis.

Fachsimpeln am Hämmerchen: Michael Thieme (r.) im Gespräch mit Tilo Schubert. Quelle: Bernd Lichtenberger

Mit dem Erhalt der alten Wegezeichen ist allerdings eine nicht endende Arbeit verbunden. Denn die 80 verschiedenen Buchstaben und Symbole gibt es insgesamt in der Dresdner Heide reichlich tausend Mal, weiß Tilo Schubert. Dem Cottaer Arbeitskreis-Mitglied haben es diese Zeichen ganz besonders angetan, seit er sie vor Jahren bei einem Heide-Besuch zum ersten Mal sah. Die meisten dieser in ihrer Gestalt manchmal richtig mystisch anmutenden Wegezeichen sind an Baumstämmen zu finden. So wie sie einst in rund oder oval entrindete Baumstämme geschnitten und dann ausgemalt worden sind. Einige solcher alten Zeichen gibt es noch, weiß Schubert. Vermutlich wurden sie um 1890 geschnitten. Heute machen es sich die Mitglieder des Arbeitskreises etwas einfacher. Sie glätten die Rinde der Bäume, bevor sie das etwa zehn Zentimeter hohe weiße Rechteck aufmalen, auf dem dann das rote Zeichen mittels Schablone aufgepinselt wird. „Und das immer parallel zum Wegeverlauf “, betont Annelies Vos, ebenfalls ein Mitglied des Arbeitskreises.

Trotzdem brauchen diese drei Arbeitsgänge Zeit. Und während an der einen Stelle ein Zeichen neu entsteht, wartet an einer benachbarten Stelle ein durch das Grün der Algen unleserlich gewordenes oder durch das Baumwachstum verzerrtes Zeichen schon wieder auf Bearbeitung. „Deshalb müssen wir diese Zeichen spätestens aller zehn Jahre erneuern“, erläutert Thieme. Da ist es schon eine beträchtliche Hilfe, wenn auch Bühlauer Sportler einmal im Jahr zum Pinsel greifen und Wegezeichen malen. Die dafür notwendigen Vorarbeiten bleiben den Arbeitskreis-Mitgliedern aber immer noch. Vor allem Peter Rößler sei da sehr aktiv und unverzichtbar, freut sich Thieme. Auch ein guter Draht zum Forstbezirk ist dabei unerlässlich. Und den gebe es, versichert Thieme.

Insgesamt hat der Arbeitskreis gegenwärtig zwölf Mitglieder. „Das Gros hat längst das Rentenalter erricht“, sagt Michael Thieme. Das älteste aktive Mitglied ist Walter Wittig, Jahrgang 1929. Der mit Abstand Jüngste wurde 1970 geboren. „So freuen wir uns über jeden, der bei uns mitmachen möchte“, fügt der Chef der Truppe hinzu. Denn seine Leute kümmern sich längst nicht nur um die historischen Wegezeichen. Zwischen 1998 und 2004 nahmen sie in akribischer Kleinarbeit alle Heidebrücken und Durchlässe unter die Lupe, dokumentierten deren Zustand und Maße, recherchierten über ihre Entstehung, ermittelten eventuellen Reparaturbedarf und ermittelten die Belastbarkeit, was heute vor allem für Forstarbeiten wichtig ist. Immerhin kamen dabei zirka 260 Brücken und Durchlässe zusammen, die zwar nur zum geringsten Teil unter den Denkmalschutz fallen, aber vom Arbeitskreis doch zum Kulturgut in der Heide gezählt werden, soweit es sich nicht um einfache Rohrdurchlässe handelt. Denn die meisten stammen aus früheren Jahrhunderten.

Auch an der Gestaltung eines 4,5 Kilometer langen Lehrpfades durch den Albertpark ist der Arbeitskreis in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft maßgeblich beteiligt. Die Arbeitskreis-Mitglieder erarbeiteten dafür vor allem die kurzen Tafeltexte zu kulturhistorischen und natürlichen Besonderheiten in diesem Gebiet. Die letzten der dafür vorgesehenen Tafeln sollen in diesem Jahr aufgestellt und der Lehrpfad dann offiziell eröffnet werden.

Außerdem macht der Arbeitskreis neuerdings im Internet Wandervorschläge für die Dresdner Heide. Es sind 28 Rundwandervorschläge, die mit Ausnahme des Heidemühlen-Parkplatzes alle von Punkten am Rande der Heide beginnen und enden. Allesamt sind sie mit dem Auto oder dem öffentlichen Personennahverkehr gut zu erreichen. Zu jedem Vorschlag gehören die Angabe zur Streckenlänge, der entsprechende Kartenausschnitt, eine kleine Bildergalerie und eine detaillierter Routenbeschreibung. „Zu finden sind sie unter www.saechsischer-heimatschutz.de/tipp-rundwanderungen.html, und sind selbst für Leute geeignet, die sich mit einem Garmin oder ähnlichem Gerät im Gelände bewegen wollen“, erklärt Michael Thieme nicht ohne Stolz.

(Kontakt über michael.thieme1@web.de)

BU quer: Fachsimpeln am Hämmerchen. Michael Thieme (r.) im Gespräch mit Tilo Schubert. Foto: Bernd Lichtenberger

BU hoch: Auch die aus dem 18. Jahrhundert stammende Brücke über den Gutebornbach im Albertpark wurde von den Mitgliedern des Arbeitskreises untersucht. Über diese Brücke führt der Pillnitz-Moritzburger Weg. Foto: Bernd Lichtenberger

Von Bernd Lichtenberger

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