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Lokales Mister Matthew: Modetipps von zu Hause raus in die Welt
Dresden Lokales Mister Matthew: Modetipps von zu Hause raus in die Welt
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09:31 08.01.2018
Mr. Matthew Modeblogger
Dresden

Mit einem freundlichen „Hallo! Schön, dass ihr da seid“ ruft uns Matthias Limmer, besser bekannt als Mister Matthew, zu sich hoch ins Haus. Den Treppenaufgang bewältigt, erwartet uns ein stilvoll gekleideter junger Mann und frisch aufgebrühter Kaffee. Matthias Limmer ist Blogger, genauer gesagt Modeblogger, und das ziemlich erfolgreich. Wenn er nicht gerade in London, Frankfurt, Mailand oder Berlin unterwegs ist oder bei seinem Freund in dessen Wohnung an der Frauenkirche verweilt, genießt er das Zusammenleben mit seiner Mutter in Dresden-Klotzsche. Und das seit über zehn Jahren. Bevor die Eltern hier das Haus bauten, lebte die Familie in der Radeberger Vorstadt. Aber das Viertel vermisst Matthias nicht. „Ich liebe Klotzsche! Und mit meiner Mum lässt es sich wunderbar zusammenleben, wir ergänzen uns sehr gut“, erzählt er bei Kaffee, Stollen und Spekulatius. Klar, könnte man nun denken, dass eine eigene Wohnung mit 21 Jahren längst überfällig sei. Doch der junge Modeblogger hat einen einfachen Grund, warum er noch bei der Mutter wohnt: „Ich bin einfach zu viel unterwegs. Hätte ich meine eigenen vier Wände, wäre ich kaum dort“.

Heute sind wir zu Gast bei Matthias Limmer, der sich online Mister Matthew nennt und auf seinem Blog vor allem über die Mode berichtet.

Minimalismus trifft auf Lady Gaga

Dennoch sieht Matthias dem Ende seiner Zeit in Dresden entgegen. Denn zumindest beruflich habe er hier alles erreicht. Ein Blick auf seinen Blog zeigt, dass es mit einem Text allein nicht getan ist. Zahlreiche Bilder von Mister Matthew vor unterschiedlichsten Kulissen prägen die Webseite. Dafür braucht es spannende und vor allem ständig neue Locations. „Und die habe ich hier in der Region nun fast alle durch. Es wird Zeit für etwas neues. In Dresden kann ich mich nicht weiterentwickeln“, erklärt Matthias. Und er weiß auch schon ziemlich genau, wo es hingehen soll: London. „Meine absolute Traumstadt“, schwärmt er mit leuchtenden Augen. Im vergangenen September durfte er sogar auf dem Catwalk der Londoner Fashionweek laufen.

Eigentlich war er nur als Besucher vor Ort. „Die Designer Akvile und Halina North entdeckten mich und wollten, dass ich auf ihrer Show laufe. Die Chance habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen“, erinnert sich der 1,73 Meter große Blogger. Wo wir auch schon beim Thema Größe wären. Denn unter 1,80 Meter läuft eigentlich kein männliches Model über die Laufstege der Welt – Mister Matthew hat es trotzdem geschafft und ist dankbar für diese Erfahrung. Trotzdem möchte er das Bloggen nicht gegen einen Job als Fashionmodel eintauschen. „Es ist nicht so glamourös, wie man sich das vorstellt“, gibt er zu.

Matthias schenkt die zweite Runde Kaffee aus und wir sind immer noch nicht vom Esstisch weggekommen. Wollen wir aber auch nicht so recht, zu interessant sind die Geschichten, die Modeblogger Matthew zu erzählen hat. So auch seine Erinnerungen an die Teilnahme an der ZDF-Dokumentation „Diktator“. „Ich unterschrieb einen Vertrag, in dem stand, dass ich unter ungewissen Umständen eine unbestimmte Zeit an einem ungewissen Ort verbringen werde. Das war schon sehr skurril“, erinnert er sich. Letztendlich wurden sieben Tage daraus, in denen er sich gemeinsam mit anderen jungen Menschen einer Diktatur unterwerfen musste – im Big-Brother-Format. Zu sehen ist das Experiment in der Mediathek des ZDF.

Oder auch die Geschichte über sein Selbstexperiment, als er sich eine Burka überwarf und die Reaktionen der Dresdner Bürger testete. Unpolitisch ist Mister Matthew mit seinem Blog keineswegs. „Ich will nicht nur die glamouröse Seite der Mode zeigen. Auch die kritische und politische gehört dazu“, erklärt er. So schrieb er kurz vor der Bundestagswahl darüber, warum er die FDP wähle – und welche gelben Pullover in der Männermode angesagt sind. Oder sammelte mit „Fashion für Flüchtlinge“ jede Menge Kleiderspenden. Außergewöhnliche Brücken schlagen kann er.

Doch nun wird es wirklich höchste Zeit für einen genaueren Einblick in die heimischen vier Wände von Matthias. Um dahin zu gelangen, müssen zuallererst zwei Etagen erklommen werden. Kräftig orangene Wände ummanteln eine helle Holztreppe ohne viel Schnickschnack. Minimalismus zeigt sich auch im ersten Zimmer. Schaut man hinein, sieht man lediglich das Bett in der Ecke, daneben einen Nachttisch aus gestapelten Vogue-Magazinen, ein großer Bildband von Lady Gaga reiht sich ein, in doppelter Ausführung. „Eines habe ich mir selbst gekauft, das andere war ein Geschenk. Aber diese Frau ist so eine große Inspiration für mich, von ihr kann ich nicht genug haben“, schwärmt Matthias von dem Weltstar. Ein Poster über dem Bett erweitert die Lady Gaga-Sammlung.

Blickt man um die Ecke, wird es dann schon weniger minimalistisch. Ein riesiger Kleiderschrank baut sich vor unseren Augen auf, kräftig bestückt mit, natürlich, jeder Menge Klamotten. Aber auch mit persönlichen Erinnerungen und einer recht großen Parfüm-Sammlung. „Viele Produkte bekomme ich als Blogger von den Firmen zugeschickt. Oftmals auch, ohne mich vorher zu fragen“, erklärt er. Letzteres findet er allerdings weniger gut, denn oftmals erwarten die Unternehmen eine Werbung ohne Absprache. Überhaupt ist es ein häufiges Diskussionsthema in sozialen Medien, dass Blogger, Influencer und wie sie alle heißen förmlich mit Produkten überschüttet werden und nicht selten schwingt dabei eine ordentliche Portion Neid mit. Matthias kann die Sache allerdings etwas entzaubern, indem er zu bedenken gibt, dass diese zugeschickten „Geschenke“ allesamt versteuert werden müssen. Darauf muss man als Nicht-Influencer erst einmal kommen.

Neben dem riesigen Kleiderschrank, der nebenbei bemerkt nicht der einzige im Hause Matthew ist, reiht sich noch der Schreibtisch ein. Wenn Matthias nicht gerade auf Reisen ist – und danach sei er (verständlicherweise) süchtig: „Wäre ich nicht Blogger, würde ich als Flugbegleiter durch die Welt jetten“ – entstehen oft hier seine Texte für den Blog. Weiter geht es im Zimmer nebenan und siehe da: noch mehr Kleiderschränke. Doch nicht nur Mäntel, extravagante Schuhe und andere interessante Kleidungsstücke teilen sich hier den Platz, auch ein riesiger Helm mischt sich unters Repertoire. Blutverschmiert. „Das ist ein Teil meines Halloweenkostüms und ein Hinweis auf eine große Sache im Jahr 2018“, löst er das Geheimnis auf.

Eine große Sache ist gut: Mister Matthew will ins Weltall. Das Unternehmen „Virgin Galactic“ bietet Weltraumtrips für Jedermann an. Kosten: 250 000 US-Dollar, also rund 209 000 Euro. Einen Sponsor hat Matthias schon in Aussicht: „Ich habe in London einen Finanzmakler kennengelernt, mit ihm bin ich derzeit im Gespräch“. Wenn alles klappt, soll es schon 2018 hoch hinaus gehen. Aber davon redet das Unternehmen wohl schon seit etlichen Jahren. Im Mai vermeldete es zwar einen erfolgreichen Test eines Raumflugzeuges, es gab aber auch schon verheerende Zwischenfälle. 2014 verunglückte ein ähnliches Modell, als Grund wurde damals ein Pilotenfehler angegeben. Matthias schreckt das nicht ab, er könne genauso gut mit dem Flugzeug abstürzen, meint er entspannt.

Gegenüber der Kleiderschränke steht ein Tisch, vollgepackt mit allerlei Produkten. „Für das Prada Parfüm shoote ich nächste Woche mit Flaconi und für die Londoner Fashion Awards habe ich das weiße Sakko zur Verfügung gestellt bekommen“, erzählt der 21-Jährige und zeigt auf das eingepackte Kleidungsstück, welches vor dem Fenster hängt. Neben all den Klamotten und PR-Samples finden sich auch Bücher. Thriller, Biografien und Krimis liest Matthias, neben Modezeitschriften, am liebsten. Die Pferdebücher gegenüber gehören allerdings seiner älteren Schwester. Auch Zeitungen und Magazine reihen sich ein. Alles Exemplare, in denen bereits über ihn berichtet wurde, erklärt er stolz.

Die Liebe zur Aufmerksamkeit

Nun geht es aber ans Fotografieren, und da ist Mister Matthew ganz in seinem Element. Zeitdruck hat er nicht, wir können also in aller Ruhe unterschiedliche Fotomotive ausprobieren. Auf die Frage, wie denn ein Alltag im Leben eines Matthias Limmer aussieht, hat er keine Antwort. Denn er habe keinen. „Ich stehe morgens auf und mache das, worauf ich Lust habe“, erzählt er. Fotoshootings, Mails beantworten, Texte schreiben, eben das, was ein Blogger so macht. Und davon kann er nach eigener Aussage gut leben. Seit nunmehr dreieinhalb Jahren hat er seine eigene Adresse für Modetipps und Geschichten aus dem Leben. Vorher war Mister Matthew ausschließlich in sozialen Medien zu finden. „Mein Freund überzeugte mich dann, eine eigene Website zu erstellen und dafür bin ich sehr dankbar. Hier bin ich mein eigener Chef und keine Vorschriften klauen mir die Klicks“, sagt er. Die meisten Zugriffe auf seinen Blog erhält er über Google und über die direkte Eingabe in die Browserzeile.

Erstaunlich, denn oftmals kommen Zugriffe dann doch über soziale Medien. Mister Matthew hat sich also einen Namen gemacht, mit gerade mal 21 Jahren. Trotzdem ruht er sich darauf nicht aus. Via Fernstudium studiert er nebenbei Medienmanagement. „Ich habe zwei Monate in Mittweida studiert. Aber das ließ sich mit dem Bloggen nicht vereinbaren, deshalb bin ich aufs Fernstudium umgestiegen“, erzählt er. Und wenn er nicht gerade über Seminarunterlagen brütet oder an seinem Blog schreibt, steht er draußen vor der Kamera und posiert, was das Zeug hält. Gerne auch mal mitten in der Fußgängerzone. Aber ist das nicht unangenehm? „Ich wurde in der Mittelschule extrem gemobbt und stand quasi dauerhaft negativ im Mittelpunkt. Zu viele weibliche Freunde, zu schwul, das leider Übliche eben“, erinnert sich Matthias und so genieße er es mittlerweile umso mehr, positiv im Mittelpunkt zu stehen und stört sich nicht an Blicken von Passanten. Eher im Gegenteil: „Ich liebe die Aufmerksamkeit und die Kameras.“

am 16. November 1996 in Hof an der Saale (Bayern) geboren

2003–2007 Grundschule

2007–2013 Mittelschule

2013–2016 Abitur

seit 2017 Fernstudium

2014 Blog ins Leben gerufen

April 2017 Auftritt in der ZDF-Serie „Der Diktator“

September 2017 Model auf der Londoner Fashionweek

2017 Bloggertreffen in Dresden veranstaltet

Von Lisa-Marie Leuteritz

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