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Lokales „Mint Engineering“ bestückt Bürohäuser und Wohnungswände mit Algen
Dresden Lokales „Mint Engineering“ bestückt Bürohäuser und Wohnungswände mit Algen
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08:10 24.09.2017
Eine der ersten größeren Algen-Anlagen hat Mint an einer Gebäudefassade am EUREF-Campus in Berlin installiert.  Quelle: Mint Engineering
Dresden

 Wenn es nach Gunnar Mühlstädt geht, saugen wir Stadtmenschen unsere Mahlzeiten in Zukunft von der Küchenwand. „Das wäre doch prima, den Morgen-Smoothie selbst zu züchten und zum Frühstück von den eigenen vier Wänden zu zapfen“, visioniert der Maschinenbauer und Firmengründer aus Dresden.

Von solchen Ideen getrieben, kündigte Mühlstädt seinen Job bei einem großen Konzern und gründete im Jahr 2016 sein eigenes Unternehmen: „Mint Engineering“. Das residiert in Dresden an der irgendwie passenden Adresse „Am Torfmoor“. Dort züchten Mühlstädt und seine sechs Mitarbeiter den ganzen Tag Mikroalgen, die sie dann mittels eines transparenten Röhrensystems an Bürohaus-Fassaden und Wohnungswänden platzieren. Die Röhren sind durchsichtig, um Sonnenlicht einfangen zu können, und haben etwa sechs Zentimeter Durchmesser. Mit den grün wuchernden Algen in ihrem Innern verleihen den Fassaden einen ungewöhnlichen „Öko“-Look. Zudem wärmen sie die Häuser, erwirtschaften damit Einnahmen für den Betreiber und sparen Heizenergie.

So sehen die Algenrohre aus der Nähe aus Quelle: Mint Engineering

Vor allem aber setzen die mikroskopisch kleinen Baumeister aus Sonnenlicht, Kohlendioxid, Luft und Wasser unermüdlich Eiweiße, Kohlenhydrate und Omega-3-Fettsäuren zusammen. Sie produzieren so tonnenweise Algenpulver. Das wiederum lässt sich in der Lebensmittel- und Kosmetik-Industrie absetzen. „Die machen daraus dann zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel oder nutzen die Lipide, um Cremes herzustellen“, erzählt der Mint-Chef.

Die Dresdner haben bereits Häuser und Gewächshäuser in Berlin und Niedersachsen mit diesen vertikalen Algen-Fabriken bestückt. Demnächst entsteht ein weiteres Pilotprojekt in Pirna: Auf 2500 Quadratmetern wollen die Mint-Leute dort ein Gewächshaus mit den Algenröhren bestücken. „Wir rechnen dort mit einer Ausbeute von etwa 20 Tonnen pro Jahr“, sagt Mühlstädt. Größere Anlagen sollen zehnmal soviel Algenpulver jährlich ausspucken.

Schon während seines Maschinenbau-Studiums an der TU Dresden habe er sich für Biologie interessiert, erzählt Mühlstädt. „Für mich als Nicht-Biologen war es faszinierend zu sehen, was Algen können, welches Riesenpotenzial sie haben.“ Denn richtig und massenhaft gezüchtet, könnten die Algen helfen, die Hungernden dieser Welt zu nähren und die Kohlendioxid-Belastung in der Stadtluft zu mindern. Und weil die Dresdner Algenfarmen vertikal wie horizontal, außen wie innen installiert werden können, bietet sie die Chance, Essen dort herzustellen, wo es vor allem gebraucht wird: in den Städten mit riesigen Fassadenflächen. Auch Mühlstädt ist ein Fan dieses „Urban Gardening“ genannten Trends: „Wo viele Menschen sind, da sollten auch Lebensmittel gleich vor Ort produziert werden.“

Von Heiko Weckbrodt

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