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Minister verspricht mehr Gefängnispersonal

Jörn Goeckenjan neuer Leiter der Justizvollzugsanstalt Dresden Minister verspricht mehr Gefängnispersonal

Fünf Krankenhausbewachungen in einer Woche, das heißt für den Leiter der Justizvollzugsanstalt Dresden: Er muss Personal von regulären Diensten abziehen. „Wir haben keine Reserven“,.sagt Jörn Goeckenjan, der jetzt in sein Amt eingeführt wurde.

Der neue Anstaltsleiter Jörn Goeckenjan.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Drei Dienstbesprechungen gebe es in der Justizvollzugsanstalt pro Woche, erklärte am Montag Anstaltsleiter Jörn Goeckenjan. In jeder Besprechung sei es bisher um die Frage des Personaleinsatzes im Allgemeinen Vollzugsdienst gegangen. „Wir hatten allein in der vergangenen Woche fünf Krankenhaus-Bewachungen. Für solche unvorhersehbaren Fälle fehlen die personellen Reserven.“

Für die Bewachung islamistischer Gefährder auch. Für diesen Gefangenenkreis, der sich durch eine hohe Eigen- und Fremdgefährdung auszeichne, gebe es gegenwärtig Sitzwachen rund um die Uhr. „Das ist eine erhebliche Belastung für die Bediensteten und die Gefangenen.“ Im Moment werde der Bau speziell gesicherter Hafträume in dem Gefängnis am Hammerweg umgesetzt. Zu jedem islamistischen Gefährder gebe es regelmäßige Fallbesprechungen mit Landeskriminalamt, dem Landesamt für Verfassungsschutz und der Staatsanwaltschaft. Würden stabile Prognosen vorliegen, könnte die Sonderbewachung gelockert werden.

Goeckenjan ist neuer Anstaltsleiter in Dresden und wurde jetzt von Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) in sein Amt eingeführt. Ulrich Schwarzer, der das Gefängnis seit 2005 geleitet hat, ist in den Ruhestand getreten. Goeckenjan löst Schwarzer zum zweiten Mal ab, er übernahm schon 2005 die Justizvollzugsanstalt Chemnitz, als sein Vorgänger nach Dresden ging. „Jetzt bin ich gewissermaßen der Doppelnachfolger“, so Goeckenjan. Und damit Leiter des größten sächsischen Gefängnisses mit 805 Haftplätzen, von denen im Moment 774 belegt sind.

Goeckenjan ist auch Vorgesetzter von 379 Bediensteten, darunter 301 im Allgemeinen Vollzugsdienst. Gemkow erklärte, das Ministerium habe das personelle Problem in Sachsens Gefängnissen erkannt und wolle den Allgemeinen Vollzugsdienst aufstocken. „Die Personalsituation ist extrem angespannt, die Sicherheitssituation hat sich weiter verschlechtert.“ Er werde alles für Verbesserungen tun, versprach der Minister.

Der Ausländeranteil in den Gefängnissen des Freistaats sei innerhalb weniger Jahre von 14 auf 27,8 Prozent gestiegen. Dabei handele es sich teilweise um eine Klientel, die sehr rücksichtslos gegenüber sich selbst und den Bediensteten sei, so Gemkow. Ein weiteres Problem sei die nie dagewesene hohe Zahl von Gefangenen, die mit einer psychischen Erkrankung ins Gefängnis komme. Ursächlich dafür sei der Missbrauch von Drogen, der sich regelmäßig in der Haftanstalt fortsetze. Kleinstmengen an Crystal würden eingeschmuggelt, es habe schon Versuche gegeben, Konsumeinheiten unter einer Briefmarke ins Gefängnis zu bringen, weiß der Minister.

Die Herausforderung sei es, Personal für den Allgemeinen Vollzugsdienst auszubilden. „Es gibt keinen Markt dafür. Wir müssen unsere Mitarbeiter selbst qualifizieren und für eine spürbare Entlastung sorgen“, so Gemkow. Diese Diskussion müsse mit der Aufstellung des neuen Landeshaushalts geführt werden.

Goeckenjan hört diese Worte gern. Drei festangestellte Dolmetscher soll das Gefängnis am Hammerweg in Bälde erhalten, zwei für Arabisch und einen für Russisch/Georgisch. Wieviele zusätzliche Mitarbeiter er sich für den Allgemeinen Vollzugsdienst wünscht, könne er noch nicht konkret beziffern. „Aber wir brauchen eine Redundanz beim Personalbedarf, damit wir die regulären Dienstposten absichern können.“

Der Anstaltsleiter verweist auf Fortschritte bei der Resozialisierung der Gefangenen wie die Familienorientierung einer Station mit einer Vätergefangenengruppe und unüberwachten Langzeit-Familienbesuchen. Gegenwärtig plant die Anstalt gemeinsam mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Bau- und Immobilienmanagement den Neubau eines therapeutischen Zentrums auf einer Brachfläche hinter den Anstaltsmauern. Es könnte in zwei bis drei Jahren eröffnet werden – und neben einer personellen Aufstockung dazu führen, dass sich die Situation hinter den Mauern am Hammerweg deutlich verbessert.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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