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Lokales Noch immer viel zu tun für den Mieterverein in Dresden
Dresden Lokales Noch immer viel zu tun für den Mieterverein in Dresden
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19:18 05.12.2018
Eine Maklerin spricht mit Interessenten bei einer Wohungsbesichtigung. Quelle: Tobias Hase/dpa
Dresden

Steigende Mietpreise, sinkender Leerstand, ein insgesamt angespannter Wohnungsmarkt – der Mieterverein Dresden und Umgebung e.V. kann sich über mangelnde Arbeit nun wirklich nicht beklagen, vertritt er doch die Interessen der Mieter in der Landeshauptstadt. Und das nun schon eine ganze Weile: Seit nunmehr 150 Jahren setzt sich der Verein für bezahlbares Wohnen und ein gerechtes Mietrecht ein – eine Aufgabe, die aktueller kaum sein könnte. Am Mittwoch feierte der älteste aller deutschen Mieter-Zusammenschlüsse im Rahmen einer Festveranstaltung seinen runden Geburtstag.

„150 Jahre Mieterverein Dresden heißt 150 Jahre Beratung und Beistand für Mieterinnen und Mieter“, sagte der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Franz-Georg Rips. „Wer, wenn nicht der Mieterverein soll für mehr Sozialwohnungen streiten – und dafür sorgen, dass sich Mieter und Vermieter auf Augenhöhe begegnen können?“

Beratung für rund 15 500 Haushalte

Am 5. Dezember 1868 wurde der Mieterverein Dresden gegründet. Gegen bestehende Missstände wollte man damals antreten, gegen die Macht grundbesitzender Kommunalpolitiker und einer einflussreichen Hausbesitzer-Organisation. „Auch wenn die damalige Situation der Mieter nicht mit der heutigen vergleichbar ist, viele der Forderungen der Mietervertreter sind immer noch aktuell“, erklärte Rips. „Auch unsere zentralen Forderungen lauten: Bezahlbares Wohnen schaffen und den Anstieg der Mieten begrenzen.“

Dresden ist eine Mieterstadt. Über 80 Prozent der Einwohner leben in einer der knapp 300 000 Mietwohnungen. Von den Beratungsangeboten des Mietervereins Dresden profitieren rund 15 500 Haushalte, die Mitglied im Verein sind. Seit 1990 hat der Verein mehr als 300 000 Beratungsgespräche geführt, derzeit nehmen sich elf Festangestellte den Problemen an. Um auch einkommensschwachen Menschen eine Beratung zu ermöglichen, kooperiert der Mieterverein mit der Landeshauptstadt. „Mit dem Mieterverein steht uns ein kompetenter Partner zur Seite, wenn es darum geht, Einwohnerinnen und Einwohner in mietrechtlichen Fragen zu beraten und wirksam zu unterstützen“, so Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke).

Verein fordert veränderten Mietspiegel

In Deutschland fehlen rund eine Million Wohnungen. Folge davon sind stark steigende Mieten, insbesondere in den Großstädten. Auch für das Klientel des Mietervereins sieht es zur Zeit nicht rosig aus. Zwar erstellt die Stadt seit 2015 aller zwei Jahre einen Mietspiegel, der Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete gibt und so Transparenz schafft. Dennoch stiegen die Wohnkosten in Dresden laut Vereinsangaben in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent.

Laut Mietspiegel 2019 liegt die ortsübliche Miete bei nunmehr 6,48 Euro pro Quadratmeter. „Kapitalgesellschaften wie die Vonovia nutzen jede Gelegenheit, um die Mietpreise weiter zu erhöhen. Dass Bürger die Hälfte ihres Gehalts für die Miete zahlen müssen, ist nicht unüblich. Die Bürger verlieren dadurch ihre Kaufkraft – und das wirkt sich auf die Stabilität unserer Stadt negativ aus“, sagte der Vereinsvorsitzende, Peter Bartels.

Auch wenn die Mietpreise in Sachsen noch unter dem Bundes-Durchschnitt liegen, will der Mieterverein den Wohnkostenanstieg bremsen. Bartels fordert daher einen längeren Betrachtungszeitraum für den Mietspiegel. Künftig solle er Auskunft über Veränderungen der vergangenen zehn Jahre geben, bisher werden nur vier Jahre betrachtet. Der Verein erhofft sich dadurch einen Rückgang der ortsüblichen Mieten von drei bis fünf Prozent.

Mieterbund-Präsident Rips fordert zudem eine Gesetzesänderung, nach der Mieter, die zu hohe Wohnkosten verlangen, bestraft werden. Bisher sei das vor Gericht nur schwer nachweisbar. „Letztlich muss gelten: Wer eine Miete verlangt, die mehr als 15 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss sanktioniert werden“, so Rips.

Von Junes Semmoudi

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