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Lokales Melitta Bentz bringt den krümelfreien Kaffeegenuss
Dresden Lokales Melitta Bentz bringt den krümelfreien Kaffeegenuss
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11:46 13.03.2019
Dieser Frau – Melitta Bentz – ist es zu verdanken, dass der Kaffee im Mund nicht mehr krümelt. Quelle: Unbekannt/gemeinfrei
Dresden

Brodelndes Wasser auf dem Herd, der Kessel pfeift, in der Kanne ist das Kaffeemehl schon vorbereitet. Doch statt der Vorfreude auf den verführerischen Duft frisch gebrühten Kaffees und dem wohligen Gefühl beim Genuss des anregenden Getränks, stellt sich bei Melitta Bentz nur die Vorahnung einer bereits bekannten Enttäuschung ein: Wie oft hat sie sich nicht schon geärgert, weil sie, statt pures Wohlgefühl zu empfinden, Kaffeesatz zwischen den Zähnen spürte?

Was heute in einer Welt voller Kaffeevollautomaten, die auf Knopfdruck krümelfreien Latte macchiato, Cappuccino oder Caffè mocha zaubern, seltsam anmutet, war für die Erfinderin Realität. Doch damit wollte sie sich nicht abfinden: Eine einfache Hausfrau, geboren in Dresden am 31. Januar 1873 als Amalie Auguste Melitta Liebscher, die tagein, tagaus Kaffee zubereitet, stellt sich der Herausforderung und revolutioniert die Methoden der Zubereitung des geliebten Heißgetränks.

Geistesblitz beim Blick in die Schulhefte ihrer Kinder

„Wie lange Melitta über das Problem gegrübelt hat, lässt sich leider nicht sagen“, erklärt Gästeführerin Maria Hardtmann. Doch irgendwann hat Melitta Bentz beim Blick auf die Löschpapierblätter in den Schulheften ihrer Kinder einen Gedankenblitz. Sie greift nach einem Messingbecher und schon geht es los. Mit Hammer und Nägeln schlägt sie Löcher in den Behälter, zieht Löschpapier aus den Heften, schneidet es passend zu, legt es in den Messingbecher – et voilà: Der Kaffeefilter ist geboren.

Melitta ist so überzeugt von ihrer Idee, dass sie im Sommer 1908 ihre Erfindung schützen lässt und beim Kaiserlichen Patentamt zu Berlin ein Patent für ihren „Kaffeefilter mit nach unten gewölbtem, mit einem Abflussloch versehenen Boden und lose einliegendem Siebe“ anmeldet. Sie gedenkt nicht, es dabei zu belassen und ihr Patent einfach nur abzuheften: Melitta Bentz will andere an ihrer Erfindung teilhaben lassen und durchaus auch an ihrer Idee verdienen.

Ihr Mann und die beiden Söhne sind die ersten Mitarbeiter

Erfreut über die steigende Nachfrage, entschließt sie sich im Dezember zum nächsten Schritt und gründet mit einem Eigenkapital von 73 Reichspfennigen das Familienunternehmen mit dem Namen „Melitta“. Ihr Mann Emil Hugo und die beiden Söhne sind ihre ersten Mitarbeiter. Nach den anfänglichen wirtschaftlichen Erfolgen kann sie 1910 schon die ersten Auszeichnungen einheimsen: Auf der Internationalen Hygieneausstellung in Dresden bekommt sie die goldene Medaille verliehen.

Das Unternehmen wächst und das Ehepaar teilt sich die anstehenden Aufgaben, bis der Erste Weltkrieg auch auf den Familienbetrieb düstere Schatten wirft. Doch mit Ende des Kriegs 1918 beginnt ihr Geschäft wieder zu florieren – so sehr, dass Melitta Bentz in ihren Produktionshallen langsam Platzprobleme bekommt. Da trifft es sich gut, dass sie und ihr Mann bei einer Reise nach Minden die Gebäude einer stillgelegten Schokoladenfabrik entdecken. Hier ist Platz genug, Minden gefällt dem Ehepaar, die Entscheidung für eine Umsiedlung ist schnell getroffen: 1929 zieht Melitta Bentz mit Sack und Pack um.

Kein anderes Produkt darf sich als Filtertüte bezeichnen

Das war, wie sich zeigen wird, die richtige Entscheidung – der Umsatz steigt, die Filter werden weiterentwickelt. 1936 dann ein weiterer Meilenstein in der Firmengeschichte: Der nach unten spitz zulaufende Filterkörper und die dazu passenden Filtertüten kommen auf den Markt. Auch hier ist Melitta auf der Hut und lässt sich den Begriff „Filtertüte“ als Markenbezeichnung schützen. „Deshalb gibt es heute auch nur Filtertüten von Melitta. Kein anderes Produkt darf sich als Filtertüte bezeichnen“, erläutert die Gästeführerin.

„Auch wenn sie ihre letzten Lebensjahre nicht mehr in Dresden verbracht hat, so legte sie hier doch den Grundstein für ihr Unternehmen und führte es auch lange Zeit sehr erfolgreich“, resümiert die Dresdnerin. Melittas Tod im Jahr 1950 löst große Trauer in der Stadt aus.

Von Melanie Kunze

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