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Lokales Meisterfeier 2018 in der Messe Dresden
Dresden Lokales Meisterfeier 2018 in der Messe Dresden
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11:23 25.11.2018
Philosoph Richard David Precht bei der Meisterfeier 2018 Quelle: Andre Wirsig/PR
Dresden

Die Neuen sind da. 320 Meister aus dem Beritt der Handwerkskammer Dresden (HWK) haben am Sonnabend bei einer großen Party in der Messe Dresden ihre Meisterbriefe entgegengenommen. Sie haben ihre Abschlüsse in 26 verschiedenen Handwerksberufen gemacht – allein 67 der 41 Frauen und 279 Männer sind nun offiziell Kraftfahrzeugtechnikermeister. Installateur- und Heizungsbauer (25), Orthopädieschuhmacher (23), Bäcker (22) und Elektrotechniker (19) folgen in etwa gleichauf. Nur ein bis zweimal vertreten sind Uhrmacher, Schilder- und Lichtreklamehersteller sowie Steinmetze. Der jüngste Meister des Jahrgangs 2018 ist 20, die älteste Absolventin 55.

Wir wünschen uns das Azubi-Ticket

Unter den rund 2300 Gästen waren neben Landräten aus ganz Sachsen und Kammerchefs aus ganz Deutschland auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und dessen Vize, Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Vor diesen beiden baute sich HWK-Präsident Jörg Dittrich während der Begrüßung auf und sprach: „Wir wünschen uns was. Das Azubiticket.“ Tosender Beifall im prall gefüllten Saal. Doch dem Vorschlag, die Freistaat-Lenker mögen sich im Nebenraum einschließen, bis weißer Rauch aufsteigt, um das „Habemus Azubi-Ticket“ zu verkünden, folgten die beiden nicht.

Bombenalarm? Rufen sie einen Installateur

Immerhin: Dittrich hatte eines der aktuell drängenden Probleme platziert. In seiner Rede nahm er auch die überbordende Bürokratie aufs Korn, warnte vor der Zerstörung des Geschäftsmodells kleiner Betriebe durch den gesetzlich verordneten Mindestlohn, warb mit Blick auf jene Dresdner Bombe, die sich vor vier Wochen als „Rohr mit Muffe“ entpuppt hatte, für den Beruf des Installateurs und appellierte an die neuen Meister, sich einzumischen, ihre Zukunft in die Hand zu nehmen.

Umfrage zur Berufsschulnetzplanung

Regierungschef Kretschmer gab den neuen Meistern sein Wort, dass die Bürokratie weiter abgebaut wird, lobte den seit 2016 vom Freistaat vergebenen Meisterbonus in Höhe von 1000 Euro (Die Kammer hält inzwischen 2000 Euro für angemessen) und ließ sowohl den millionenschweren Breitbandausbau im ländlichen Raum nicht unerwähnt wie auch die im neuen Haushalt eingestellten 1,7 Milliarden Euro für die Bildung. Für die Berufsschulnetzplanung des Landes versprach Kretschmer eine Umfrage, bei in zwölf Monaten Handwerksbetriebe, Ausbilder und Azubis kundtun dürfen, wo sie sich welche Berufsbildung wünschen.

Handwerk ist einer der drei Sieger der digitalen Revolution

Gastredner Richard David Precht hob auf die digitale Revolution und die damit einhergehenden Folgen für die Bildung ab. Doch anders als sonst warnte er nicht nur vor der Vernichtung zigtausender Jobs, sondern machte dem Handwerk Mut. Es gebe, so der Philosoph, drei Sieger der bevorstehenden Umwälzungen durch die künstliche Intelligenz. Erstens: die IT-Branche, die Spitzenanalytiker hervorbringen müsse, um die Daten richtig zu deuten. Zweitens: die Empathieberufe – also mit zum Beispiel Hausärzten oder Pflegern oder Kinderbetreuern all jene Bereiche, in denen Menschen schwerlich Roboter akzeptieren werden. Und drittens „ohne jeden Zweifel“, so Precht: das Handwerk. „Künstliche Intelligenz hat gute Augen und Ohren und kann gut rechnen. Aber mit den Händen ist sie unglaublich schlecht“, erklärte er. Die Menschen würden also weiter all jene benötigen, „die etwas richtig können“. Früher seien Handwerkerkinder Bankkaufleute geworden – aus Statusgründen. Heute, so glaubt der Philosoph, sind sie gut beraten, wenn sie sich Handwerksberufe suchen.

Meisterfeier der Dresdner Handwerkskammer 2018

Schule in Deutschland neu erfinden

Damit aber künftig auch genug junge Menschen den neuen Anforderungen gewachsen sind, forderte Precht einmal mehr, dass Deutschland sein Bildungssystem radikal umbauen muss. Kinder sollten nicht lernen, vorgegebene Tätigkeiten zu erledigen, sondern individueller gefördert werden. „Würden wir erst heute die Schule erfinden: Es käme etwas ganz anderes dabei heraus, als das, was wir heute haben. Weniger Dienst nach Vorschrift, mehr Selbstbefähigung“. Es gelte, die künstliche Trennung zwischen Schule und Leben zu überwinden. Bei dieser Transformation müsse die Politik die Schulen unterstützen.

Von Barbara Stock

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