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Lokales Mehr als die Hälfte der Dresdner Krebspatienten können geheilt werden
Dresden Lokales Mehr als die Hälfte der Dresdner Krebspatienten können geheilt werden
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07:29 10.10.2018
NCT-Direktor Hanno Glimm und Laborleiterin Claudia Ball im Labor für Translationale Medizinische Onkologie am NCT in Dresden. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Zuerst die gute Nachricht: „Mehr als die Hälfte der Krebskranken in Dresden können mittlerweile geheilt werden“. Das er­klärt Hanno Glimm, Geschäftsführender Direktor am Nationalen Centrum für Tu­morerkrankungen (NCT) Dresden, der seit mehr als einem halben Jahr im Amt ist. Fakt ist aber auch: Es erkranken im­mer mehr Men­schen an Krebs. Denn je äl­ter wir wer­den, desto wahrscheinlicher ist es, im Alter einen Tumor zu entwickeln.

Unter dem Dach des NCT arbeiten in Dresden rund 750 Ärzte, Forscher und Mitarbeiter aus der Dresdner Hochschulmedizin, dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und dem Deutschen Krebsforschungszentrum zusammen. Sie behandeln Krebspatienten und forschen gleichzeitig an neuen diagnostischen Ver­fahren und Therapien. „Translationale Krebsmedizin“ lautet der Begriff, der über allem schwebt. Dahinter verbirgt sich das Ziel, Forschung direkt ans Krankenbett zu bringen und andersherum aus den individuellen Krebserkrankungen neue Forschungsfragen zu entwickeln, um Krebs effektiv zu bekämpfen.

8000 einzelne Krebsschicksale im Jahr

„Früher dachten die Forscher, Krebserkrankungen einzelner Organe, wie Lungenkrebs, wären jeweils eine einzige Krankheit. Heute wissen wir, Krebs ist ex­trem individuell“, berichtet Glimm. Konkret bedeutet das: Auch wenn es mehr Krebserkrankungen gibt, wird es schwieriger, sie in Studien zu untersuchen, weil sich einzelne Krebserkrankungen immer genauer unterscheiden lassen.

Zum Beispiel zeigen neue Erkenntnisse, auch die der Dresdner Wissenschaftler, dass das Erbgut jedes Tumors einzigartig ist. Die Tumor-DNA gibt Hinweise da­rauf, warum der Krebs entsteht und wächst, aber auch, wie man ihn am besten bekämpfen kann. Das heißt, mit je­dem neuen Patienten, der sich im NCT Dresden vorstellt, ergibt sich für die Forscher eine neue Fragestellung. Am zum NCT gehörendem Universitäts-Krebs-Centrum (UCC) werden pro Jahr etwa 8000 Tumorpatienten behandelt – also po­tenziell ebenso viele individuelle Krebserkrankungen, die eine maßgeschneiderte Therapie verlangen und gleichzeitig eine breite Forschungsgrundlage für die Wissenschaftler bieten.

Neues Gebäude im Bau

Tür an Tür sollen Labors, Behandlungsstühle für die Chemotherapie und Räume für Patientenstudien stehen, da­mit die Idee von der individuellen Krebstherapie für jeden Patienten Wirklichkeit werden kann. Noch ist dieses Vorhaben im Bau, denn das Gebäude, in dem das NCT zukünftig arbeiten soll, wird erst in den nächsten zwei Jahren fertiggestellt. Das Modell, im NCT Wissenschaftler und Ärzte verschiedener Fachrichtungen in ei­nem Gebäude zusammenzubringen, soll den Austausch fördern und zu neuen Ideen anregen. Auch zum jetzigen Zeitpunkt noch ohne eigenes Gebäude, sei das NCT schon gut ausgelastet, erklärt Glimm, der zuvor am NCT-Standort in Heidelberg gearbeitet hat.

Gemeinsame Konferenzen verschiedener Spezialisten, sogenannte Tumorboards, sollen Krebspatienten aus Dresden und dem Umland im NCT zu einer maßgeschneiderten Therapie verhelfen und die Heilungschancen verbessern. Stellt ein Onkologe die Diagnose Krebs, wird der Patient am zum NCT gehörendem UCC aufgenommen. Im Tumorboard kommen täglich Strahlentherapeuten, Or­­ganspezialisten, Chirurgen und andere Experten zu bestimmten Themenschwerpunkten, etwa Magen- und Darmtumoren oder Brustkrebs zusammen. Röntgen- und CT-Bilder der jeweiligen Patienten werden an die Wand geworfen, einzelne Patientendiagnosen besprochen und neue Fragestellungen für die Forschung übermittelt. Gemeinsam entwickeln die Ärzte dann einen Therapieplan für den Pa­tienten, der häufig in eine wissenschaftliche, klinische Studie eingebunden wird. „Ziel muss sein, dass jeder Krebspatient aus einer Studie heraus behandelt wird“, sagt der NCT-Direktor.

Die Dresdner Krebsforscher haben derweil schon Meilensteine gesetzt. „War schwarzer Hautkrebs mit Metastasen-Bildung früher fast immer tödlich, können die Patienten damit heute meist lange und gut le­ben“, erklärt Glimm. Viel Po­tenzial liegt nach Meinung der Krebsforscher aktuell auf sogenannten immunologischen Me­thoden. Dabei wird versucht, mit Medikamenten das Immunsystem zu aktivieren, damit die körpereigenen Ab­wehrzellen gegen die mutierten Krebszellen vorgehen.

Schwierige Förderung

An den Grundlagen für diese und an­dere Methoden forschen in Deutschland vor allem außeruniversitäre Großforschungseinrichtungen, die vorrangig vom Bund gefördert werden. Klinische Studien, die sich mit individuellen Fragestellungen im Kampf gegen Krebs befassen, finden allerdings meist in den Unikliniken und den Hochschulen angeschlossenen Zentren statt. Hier ist die Finanzierung Ländersache. Genau das soll das NCT als gemeinsame Einrichtung von Uni­klinik, TU und Helmholtz-Zentren überbrücken. Denn „diese Trennung hemmt Forschungserfolge“, sagt Glimm mit Blick über den Atlantik.

In den USA werde sehr viel staatliches Geld in zentrale Krebsforschungsprogramme investiert, die Grundlagen- und spezifische Forschung nah am Patienten voranbringen. In Deutschland übernehme diese Funktion nicht staatliches Geld, sondern eine Menge „Charity-Money“, beispielsweise von der Deutschen Krebshilfe, erklärt der 51-Jährige.

Ein „Venedig der Krebsforschung“

Wenn der Aufbau des NCT in Dresden abgeschlossen und der Neubau 2020 in Betrieb geht, erhält das Zentrum die volle jährliche Förderung von 15 Millionen Eu­ro. 90 Prozent finanziert der Bund, die restlichen zehn Prozent übernimmt der Freistaat. Die NCT-Standorte in Dresden und Heidelberg mit ihren zahlreichen Partnern sollen in Deutschland Brücken bauen. Ein kleines Venedig der Krebsforschung: Brücken zwischen verschiedenen Forschern, Brücken zwischen Ärzten und Forschern und Brücken zwischen For­schern und Patienten. Gelingen soll das mit dem 22 Millionen-Neubau des NCT auf dem Gelände der Uniklinik. Dann sollen dort Ärzte, Forscher und Patienten unter einem Dach gemeinsam ge­gen den Krebs kämpfen.

Für die oberste Etage, die Technik und IT-Labor beherbergen soll und zum fächerübergreifendem Austausch von Ärzten und Forschern dienen soll, sucht das NCT noch Spenden. Mehr Infos unter www.nct-dresden.de/spende

Von Tomke Giedigkeit

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