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Mehr Fachkräfte aus dem Ausland kommen nach Dresden

Mehr Fachkräfte aus dem Ausland kommen nach Dresden

"Ich wollte in Europa bleiben und Deutschland war eine gute Option", erklärt Ricardo Duyos Mateo in flüssigem Englisch. Seit neun Monaten arbeitet der 29-jährige Chemie-Ingenieur bei Globalfoundries, wohnt in der Dresdner Altstadt und paukt Deutsch.

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Der Spanier Ricardo Duyos Mateo arbeitet seit wenigen Monaten als Chemie-Ingenieur bei Globalfoundries in Dresden. Immer mehr qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland sehen in Deutschland ihre Zukunft.

Quelle: Marion Doering

Nach dem Studium in seiner spanischen Heimat Valladolid und einem Aufenthalt in den USA hatte Duyos Mateo zuletzt zwei Jahre lang in Japan gearbeitet. Im rezessionsgeplagten Spanien hat es seine Generation - gut ausgebildet und hoch motiviert - unheimlich schwer, einen Job zu finden. Über die Hälfte der jungen Menschen ist arbeitslos. "Die Situation ist dort schlimm", sagt Duyos Mateo, "darum werden mehr Leute aus Spanien nach Deutschland kommen".

Zulauf aus Westeuropa

Von rund 3600 Mitarbeitern in der Chip-Fabrik Globalfoundries kommen etwa 360 aus dem Ausland. "Wir haben 54 Nationen an Bord", sagt Unternehmenssprecherin Karin Raths. Das Werk, das allein im vergangenen Jahr 500 Neueinstellungen hatte, ist auf Fachpersonal angewiesen. Man merke den demografischen Wandel in Deutschland, so Raths. Es fehle an jungen Leuten für die anspruchsvollen Ausbildungsberufe und naturwissenschaftlichen Studiengänge.

Auf der anderen Seite scheint der Standort Deutschland für ausländische Fachkräfte interessanter geworden zu sein. "Wir beobachten die Tendenz, dass sich mehr qualifizierte Wissenschaftler bei uns bewerben", sagt Roland Sauerbrey, Wissenschaftlicher Direktor am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Das sei früher durchaus anders gewesen. Insbesondere war es laut Sauerbrey schwieriger, Wissenschaftler aus Westeuropa, Skandinavien oder den USA nach Dresden zu locken. Dass das heute anders ist, liege an den Investitionen in die deutsche Wissenschaft, wodurch sich etwa die Arbeitsbedingungen und die Laborausstattung verbessert haben. Etwa ein Viertel der 450 Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum kommt aus dem Ausland.

Auch die Meldestelle der Stadt Dresden verzeichnet einen wachsenden Zulauf aus aller Welt. Die Zahl der sogenannten Ersteinreisen und Wiederzuzüge aus dem Ausland ist deutlich angestiegen. Gab es im Jahr 2010 noch 3746 Neu-Dresdner, so kletterte die Zahl von 4302 im Jahr 2011 auf 5131 Neu-Dresdner im Jahr 2012. Eine aktuelle Studie von Herbert Brücker im Auftrag der Bertelsmannstiftung belegt, dass sich die Struktur der Zuwanderung in Deutschland verändert hat. Überwogen vor zehn Jahren noch die gering qualifizierten Einwanderer, so bilden jetzt hochqualifizierte Immigranten die Mehrheit. Zuwanderer liegen also keineswegs - wie gern behauptet wird - dem Staat auf der Tasche, sondern im Gegenteil profitieren Wirtschaft und Gesellschaft von ihnen, auch vor dem Hintergrund, dass die Zahl der deutschen Erwerbstätigen sinkt.

Das alles bewirkt ein Umdenken in den Job-Centern und Agenturen. Sie gingen sensibler mit Arbeitssuchenden mit internationalen Berufsabschlüssen um, vermittelten nicht mehr stur nach dem Abschluss auf dem Papier, sondern gingen auch auf die Fähigkeiten der Personen ein, beobachtet Kay Tröger, Koordinator des Netzwerks IQ Sachsen. Die dem Netzwerk angegliederte Informations- und Beratungsstelle Anerkennung Sachsen an der Weißeritzstraße 3 hilft seit anderthalb Jahren Ausländern, die auf dem Arbeitsmarkt integriert werden wollen. "Wir haben sehr viele Akademiker, an erster Stelle Lehrer, gefolgt von Ärzten und Erziehern", sagt Tröger. Viele Ratsuchende stammen aus Osteuropa, wie Polen, Ungarn oder Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Zunehmend kommen aber auch Spanier. Die Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse ziehen sich immer noch je nach Beruf über ein paar Monate bis zu mehreren Jahren hin.

Lange Anerkennungsverfahren

Für Globalfoundries spielte der spanische Uni-Abschluss von Ricardo Duyos Mateo eine untergeordnete Rolle. Was zählte, war seine Berufserfahrung. Und Ricardo Duyos Mateo hat sich schnell in Dresden eingelebt, bolzt in einer lokalen Fußballmannschaft, wandert gern mal durch die Sächsische Schweiz oder erkundet mit seinem Motorrad die Gegend. "Dresden is a good city", sagt er. Er treffe viele Ausländer von der Uni und aus anderen Unternehmen. Und mit einem Zwei-Stunden-Flug sei ja Spanien nun wirklich nicht weit weg.

iInformations- und Beratungsstelle Anerkennung Sachsen (IBAS), Weißeritzstr. 3 (Yenidze), Tel: 03 51/ 43 70 70 40

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.05.2013

Madeleine Arndt

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