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Lokales Mediziner Gerhard Ehninger in Dresden mit Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet
Dresden Lokales Mediziner Gerhard Ehninger in Dresden mit Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet
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10:04 23.10.2017
Mahnende Worte hatte Gerhard Ehninger in seiner Rede zur Preisverleihung parat.  Quelle: Anja Schneider
Dresden

 Er sei betrübt, bekannte am Sonntag Medizin-Professor Gerhard Ehninger in seiner Rede zur Verleihung des Erich-Kästner-Preises, mit dem der Dresdner Presseclub ihn auszeichnete. Betrübt, dass der Raum zu klein sei – und es handelte sich immerhin um den Festsaal im Schloss Albrechtsberg. „Zu klein für die vielen zehntausend Menschen, die sich in Dresden und Sachsen um unsere Willkommenkultur verdient gemacht haben.“ Er selbst sei nur ein kleiner Teil dieser viele tausend Köpfe umfassenden Bewegung.

Das sei zivilgesellschaftliches Engagement in Reinkultur, und er vermute, „dass die Politik, insbesondere die Landesregierung noch gar nicht wahrgenommen hat, welcher gesellschaftliche Schatz hier in Sachsen entstanden ist“. Anstatt auf die Forderungen von Pegida und Co zu hören, auf sie einzugehen und sich mit Vertretern extrem rechter Parteien zu treffen, „wäre es zukunftsfähiger, sich dieser zivilgesellschaftlichen Bewegung zuzuwenden, von ihr zu lernen und diese Kraft für die weitere gesellschaftliche Entwicklung des Freistaats zu nutzen“. An dieser Stelle seiner Rede gab es zum ersten Mal Applaus.

Ehninger wandte sich dann direkt an einen Gast, den designierten Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Es reiche nicht, die innere Sicherheit zu stärken, mehr Polizisten einzustellen, die Grenzen zu schließen, mehr Ärzte aufs Land zu schicken, um die Dinge in Sachsen ins Lot zu bringen. Jahrelang habe die Politik Rechtspopulismus, Ausländerfeindlichkeit, Rassismus verharmlost. AfD und Pegida hätten diese Themen nicht erfunden, sagte Ehninger. „Sie haben sich nur in den Sattel geschwungen, das Pferd stand schon im Stall.“ Wer das Ergebnis der AfD bei der Wahl am 24. September als Protest abzuwerten versuche, verschließe die Augen vor einem zentralen Problem unserer Gesellschaft.

Als Laudator für den Preisträger hatte vorher Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel gesprochen – und natürlich gesungen. Auch er verwies auf Fehler, die in Sachsen gemacht worden seien, man sei auf dem rechten Auge blind gewesen. Den selbst ernannten rechten Patrioten, sagte er, müsse man entgegenhalten, „dass wir auch Patrioten sind“. Im Grundgesetz heiße es schließlich „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, nicht nur die Würde des Deutschen. Und wenn Ehninger solche Dinge anspreche, dann sei er kein Nestbeschmutzer, sondern „einer, der weiß, dass man Probleme nicht kleinreden oder verschweigen darf“.

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Sich immer wieder kritisch mit den Verhältnissen auseinanderzusetzen, sei nichts anderes als ein Ausdruck von Heimatliebe, betonte auch Ehninger. „Wenn ich irgendwann den Mund halte, dann sind mir die Zustände hier gleichgültig. Ich aber habe diese Stadt und die Region in mein Herz geschlossen. Für meine Familie und mich ist hier Heimat.“

Der Erich-Kästner-Preis wurde in diesem Jahr zum 22. Mal verliehen. Er ist dotiert mit 10 000 Euro, die der Empfänger spendet. In diesem Jahr geht das Geld zu gleichen Teilen an die Cellex-Stiftung, die sich für Toleranz und Weltoffenheit sowie für Wissenschaft und Forschung engagiert, und die von Ehninger mit ins Leben gerufene Stiftung „Dresden – place to be“ für die Ausrichtung des „Gastmahls 2018“ und von Stadtteilfesten.

Von Bernd Hempelmann

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