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Lokales „Maßschneider müssen sich durchbeißen“
Dresden Lokales „Maßschneider müssen sich durchbeißen“
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16:43 14.03.2018
: Vom Stoffballen zum Kleid: Maßschneiderin Cornelia Donath schneidet Einzelteile zu, aus denen später ein Kleid wird. Im Hintergrund repariert Lehrling Muriel Beyer eine Jacke. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Glatt, kühl und weich fühlt sich der Stoff an, der auf einen Ballen gewickelt ist. Ob es sich dabei um Polyester oder Seide handelt, ist für Ungeübte kaum zu sehen und zu spüren. „Die Menschen können Kunstfaser nicht mehr von Seide unterscheiden“, sagt Cornelia Donath.

Das Maßschneideratelier Donath mit dem Motto „Maßgeschneidertes für Unangepasste“ in Bühlau feiert im März das 25-jährige Jubiläum. Es gibt sie noch in der Landeshauptstadt: Schneider, die aus einem Ballen Stoff ein Kleid fertigen. Vom handgezeichneten Entwurf über die Konstruktion des Schnittmusters bis zum Zusammennähen der Einzelteile. Doch viele sind es nicht mehr. „Die jetzt noch da sind, sind Durchbeißer“, sagt die 49-Jährige.

Kleider für besondere Anlässe, wie den Semperopernball

Doch sie will nicht klagen. Auch wenn die Stundensätze im Vergleich zu anderen Handwerksberufen noch sehr niedrig seien, wächst die Bereitschaft, faire Preise zu bezahlen, berichtet Donath. „ Kunden kommen meist in das Atelier, wenn ein besonderer Anlass ansteht, zum Beispiel eine Hochzeit oder der Semperopernball.

Der Vorteil des maßgeschneiderten Kleides? Es wird an die Körperform angepasst. „Kleidung von der Stange ist sehr standardisiert“, sagt Donath. Wer zum Beispiel etwas mehr oder weniger Busen hat, findet schwierig passende Kleidung.

Mehr als Fingerfertigkeit mit Nadel und Faden

Maßscheidern ist Handwerk, aber es braucht mehr als Fingerfertigkeit mit Nadel und Faden. „Ich muss schnell erkennen, was für ein Mensch meine Kundin ist“, sagt Donath. „Rock oder Hose?“ ist meist die erste Frage, wenn es um den Entwurf eines Outfits für einen feierlichen Anlass geht. Manche kommen auch mit einer eigenen Zeichnung vom Wunschkleid. „Ich habe sehr kreative Kunden“, berichtet die Maßschneiderin.

Für ein Konfirmationskleid fallen rund 15 Stunden Arbeit an, für ein Hochzeitskleid können es auch schon um die 40 Stunden werden. Ein maßgeschneidertes, klassisches Etuikleid kostet je nach Aufwand rund 400 Euro, ein Brautkleid zwischen 900 und 1300 Euro. Hinzu kommt der Stoff, den die Kundinnen auch selber mitbringen können.

„Es gibt einen großen Run auf die Lehrstellen“

Über den Nachwuchs muss sich Donath keine Sorgen machen. „Es gibt einen großen Run auf die Lehrstellen“, berichtet sie. Schon 14 Lehrlinge hat die Maßschneiderin ausgebildet. Wichtig ist ein gutes Vorstellungsvermögen und Logikverständnis. „Manche Bewerber sind überrascht, dass ich Wert auf die Mathezensuren lege“, erzählt Donath.

Auf jeden Ausbildungsplatz ihres Ateliers kommen im Schnitt zehn gute Bewerbungen. Viele mit Abitur, die ein Handwerk erlernen möchten, statt zu studieren. „Ich muss aus der Bewerbung herauslesen können, dass derjenige dafür brennt“, sagt Donath. Die Zahlen zeigen, der Beruf erscheint jungen Menschen wieder attraktiv.

Aktuell lernt unter anderem Muriel Beyer bei der Maßschneiderin. Die 23-Jährige möchte nach der Ausbildung Modedesign studieren. Doch auch sie fasziniert das Handwerk „Ich mache besonders gerne aufwendige Handarbeiten, wie Kunststopfen“, berichtet sie. Mit einem blauen Hosenanzug schaffte es eine Bannewitzer Auszubildende zum Titel von Sachsens bester Nachwuchs-Maßschneiderin

Handwerk hat in der DDR Regimekritische aufgefangen

Für Donath selbst war das Handwerk zu Beginn eine Möglichkeit trotz ihrer nicht regimetreuen Einstellung zur Politik der DDR einen Beruf zu erlernen. „Das Handwerk hat Regimekritische aufgefangen“, erzählt sie. Die nötige Geduld für das Schneiderhandwerk musste sie erst lernen. Die Begeisterung für den Beruf weckte schließlich das befriedigende Gefühl, einen Stapel Stoff in ein Kleid zu verwandeln.

Es gibt nur eines, was die Maßschneiderin auch von der Stange kauft

Blusen, Röcke, Kleider, und Hosen – es gibt nur eins, was auch die Maßschneiderin fertig kauft: Jeans. Denn um die typische Blue Jeans herzustellen, bedarf es aufwendiger chemischer Behandlungen des Stoffes.

Maßatelier Donath, Bautzner Landstraße 24, www.massatelier-donath.de

Von Tomke Giedigkeit

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