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Marion Jagst gestaltet als Ein-Frau-Firma Kinderzimmer - Spielträume vom Profi

Marion Jagst gestaltet als Ein-Frau-Firma Kinderzimmer - Spielträume vom Profi

Vor drei Jahren verlor Marion Jagst ihren Angestellten-Job. Doch statt die Hände in den Schoß zu legen, machte sich die Arbeitslose mit ihrem ungewöhnlichen Hobby selbstständig: Sie wurde zur professionellen Kinderzimmer-Gestalterin.

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Und wieder wartet ein Kind auf seine ganz besondere Spielkiste - Marion Jagst zeichnet auf dem Holz vor, was später an bunten Bildern zu sehen ist.

Quelle: Dietrich Flechtner

Ihre Unternehmung firmiert als "Spielzimmertraum" und der Name ist Programm. "Ich richte auch Spielecken zum Beispiel in Arztpraxen ein, vor allem aber Kinderzimmer für Familien", sagt sie. Heute reicht ihr Klientenkreis bis nach Eisenach und Hamburg.

Von Heiko Weckbrodt

In Toms* Kinderzimmer ist alles versammelt, was Rang und Namen in Vorschulkreisen hat: Der kleine Maulwurf buddelt an der Wand, sein stachliger Freund, der Igel, hat es sich auf einer Spielzeugkiste bequem gemacht und der ängstliche Hase äugt um die Ecke. Der Clou ist das Bett: Tom legt sich Abend für Abend in einem kunterbunt angemalten Traktor schlafen.

Auch die anderen Kinderzimmer und Spielecken, die Marion Jagst einrichtet, verraten intuitives Gespür für das, was Kindern Spaß macht und gefällt. Für ein Mittelalter-Restaurant zum Beispiel hat sie transportable Spielzeugkisten mit alten Motiven bemalt, und mit Spielsachen bestückt, die die Zeit der Ritter und Prinzessinnen zurückholen. Für eine kleine Tierfreundin verwandelte sie ein Kinderzimmer in einen Dschungel voll Löwen, Elefanten und Kängurus. Und die elfjährige Hedwig*, die als Eiskunstläuferin Kostüme liebt, bekam ein Zimmer mit kleinen Models, die bunte Kleider tragen. "Anfangs hat das Mädchen nur zugeguckt und stand im Weg rum", erinnert sich Jagst an diesen Auftrag. "Da hab ich sie gefragt, ob sie nicht mitmachen will. Wir haben dann gemeinsam fotografiert, Schmuck und Motive ausgesucht. Das hat ihr gut gefallen."

Kinderwünsche beizeiten erfragen

Überhaupt steht und fällt ihr Geschäftsmodell damit, Eltern und Kinder früh und intensiv in ihre innenarchitektonischen Planungen einzubeziehen. Bekommt die Spielspezialistin von einer Familie den Auftrag, ein Kinderzimmer zu verschönern, setzt sie sich mit den Eltern zusammen, fragt Mutter und Vater, was die sich vorstellen, welche Möbel gewünscht sind, ob das neue Design den Kinderlein als Überraschung - etwa nach der Rückkehr aus dem Urlaub - präsentiert wird, oder ob Sohn oder Tochter mitmachen wollen und sollen.

"Dann unterhalte ich mich mit den Kindern, frage sie nach ihren Lieblingsfarben und Lieblingsspielen, schlage ihnen Themen vor", erzählt Jagst. Werden Konzept und Kostenschätzung abgesegnet, beginnt das große Basteln und Malern. Dann setzt sich Jagst daheim in ihre Werkstatt, sägt Kisten zurecht, bemalt mit Acrylfarben das Holz mit den gewünschten Motiven, bestellt bei größeren Arbeiten auch schon mal einen Maler oder Tischler dazu. Nach ein, zwei Wochen ist das Werk in der Regel getan und sorgt für leuchtende Kinderaugen. "Die Resonanz auf meine Arbeit war immer sehr gut", sagt die Spielzimmerträumerin.

Die Honorare hängen vom Aufwand ab. Für eine gestaltete Wand sind die Eltern schon mal mit 80 Euro dabei, sind es ganze Zimmer, schwanken die Preise zwischen 300 und 3000 Euro - je nachdem, ob zum Beispiel statt Ikea-Möbeln auch mal Sonderanfertigungen für Schränke oder Tische nötig werden.

Am Geld soll's nicht scheitern

"Ich weise aber keine Eltern ab, nur weil sie wenig Geld haben", betont Jagst. Für einen behinderten Jungen in Kamenz etwa, der sich ein Meereszimmer wünschte, dessen Eltern aber sehr knapp bei Kasse waren, habe sie auch eine Lösung gefunden: "Da hab ich das eben für den Betrag gemacht, den die Eltern zusammensparen konnten", erinnert sie sich. "Dafür hat eben die Mutter mitgeholfen."

Viele Aufträge kämen freilich von Familien, in denen die Eltern wegen ihrer Arbeit wenig Zeit haben, ein Kinderzimmer von A bis Z zu gestalten, sagt die Unternehmerin. "Oft sind es auch Familien, die etwas Besonderes für ihre Kinder haben wollen, etwas, das nicht jeder hinbekommt."

Es begann mit Kaugummi-Bildern

Dass sie dafür ein Händchen hat, erkannte die heute 48-Jährige schon als Schülerin. "In der vierten Klasse habe ich angefangen, Kaugummi-Bilder im Großformat zu zeichnen", erinnert sie sich. "Noch zu DDR-Zeiten habe ich angefangen, erst für meine eigenen Kinder und dann für Freunde Kinderzimmer zu bemalen und zu gestalten."

Beruflich führte sie ihr Weg zunächst in ganz andere Richtungen: In die Datenverarbeitung und später in kaufmännische Jobs. Im Herbst 2009 begründete sie den "Spielzimmertraum". "Im Moment kann ich zwar noch nicht ganz davon leben und mache deshalb noch nebenher Büroauftragsarbeiten", sagt Jagst. "Aber die Einnahmen steigen und ich glaube, dass da noch Potenzial drin steckt: Innenarchitekten gibt es viele, aber kaum jemanden, der das auch für Kinder macht."

spielzimmertraum.de

*Namen geändert

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.12.2011

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