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Lokales Magier Dan Sperry im Interview: „Es gibt keinen Wettstreit zwischen mir und dem Zuschauer“
Dresden Lokales Magier Dan Sperry im Interview: „Es gibt keinen Wettstreit zwischen mir und dem Zuschauer“
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14:20 11.04.2018
Der amerikanische Zauberkünstler Dan Sperry tritt in Dresden auf. Quelle: Andre Kempner
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Dresden

 Seit 2002 steht der amerikanische Magier Dan Sperry auf der Bühne. Seine Markenzeichen: gruseliges Outfit, makabrer Humor und schockierende Tricks, bei denen Messer, Rasierklingen und Blut zum Einsatz kommen. In der RTL-Show „Das Supertalent“ belegte er 2012 den dritten Platz, beim amerikanischen Original „America’s got Talent“ schaffte er es 2010 sogar bis ins Finale. Im Frühjahr tourt er erstmals durch Deutschland.

Bevorzugen Sie die Bezeichnung Magier oder Illusionist?

Das ist egal, für mich bedeuten beide dasselbe. Wenn die Leute mich fragen, ob ich Magie oder Illusionen vorführe, dann sage ich immer: Ich mache Zaubertricks. Ich denke, dieses Wort erinnert die meisten an jenen Moment in ihrer Kindheit, als sie das erste Mal einen Zauberkünstler gesehen haben. Dieses Gefühl des Staunens möchte ich wieder in ihnen auslösen, wenn sie meine Show sehen – auch wenn darin Rasierklingen und Blut vorkommen.

Eine andere, selbstgewählte Bezeichnung lautet „Anti-Conjurer“, also Anti-Zauberkünstler.

Das war ein Titel, den ich für mich selbst geschaffen habe, um nicht die gängigen Bezeichnungen nutzen zu müssen. Als ich angefangen habe, in Clubs und auf Gothic-Partys gemeinsam mit Bands und DJs aufzutreten, dachte ich: Wenn die Leute die Flyer sehen und sich über die Musiker freuen, dann aber lesen „Dan Sperry, der Magier“, sind sie gelangweilt. Stattdessen habe ich einen Begriff gewählt, der neugierig macht. Und das hat auch meist funktioniert.

Wann haben Sie entschieden, professioneller Zauberkünstler zu werden?

Das ist einfach so passiert, ich hatte keinen großen Durchbruch bei einer Schul-Talentshow oder ähnliches. Das erste Mal, dass ich für meine Arbeit bezahlt wurde, da war ich zwölf Jahre alt. Damals bin ich vier Stunden bei einem großen Picknick in einem Park herumgelaufen, habe den Familien kleine Tricks vorgeführt und bekam dafür 20 Dollar. Ich dachte, ich wäre reich und sagte ich mir: Wow, ich habe Geld fürs Zaubern bekommen – und es hat mir Spaß gemacht. Vielleicht ist das etwas, an dem ich dranbleiben sollte.

Shows in Kirchenklamotten

Was war zuerst da: Der schaurige Look oder die schaurigen Tricks?

Mit zwölf hatte ich natürlich noch nicht diesen Look, weil ich mir noch keinen eigenen Klamotten gekauft habe. Allerdings habe ich heimlich bei meiner Oma und Mutter Kleidungsstücke geklaut, sie zerschnitten, wieder zusammengeklebt und mir damit verrückte Outfits gebastelt. So hat es angefangen. Später begann ich, mich für Punkrock, für Monster- und Horrorfilme zu interessieren. Mit 17, 18 Jahren habe ich diese Einflüsse dann für die Bühne übernommen. Als ich in jungen Jahren Shows für Kinder gemacht habe, ging das natürlich noch nicht. Da habe ich immer meine Kirchenklamotten getragen um möglichst anständig auszusehen. Aber als ich älter wurde, fand ich auf der Bühne immer mehr zu mir selbst und musste mich nicht mehr verstellen.

Welche Künstler haben Ihren Stil am stärksten beeinflusst?

Was Magie angeht, wurde ich am ehesten durch David Copperfield geprägt. Aber auch durch sehr alte Magier der 1940er und 50er mit ihren Hüten, Anzügen und ihrer klassischen Magie. Auch Regisseure wie Quentin Tarantino, Alfred Hitchcock oder Guy Ritchie waren Inspirationen. Sogar Disney. Und natürlich Bands wie die Ramones, Iggy Pop, Jim Morrison and The Doors.

Jeder kann kreativ werden

Wovon sind die Leute am meisten fasziniert, wenn Sie Ihre Shows sehen?

Ich denke, es beginnt damit, wie die Show und ich auf den ersten Blick wirken: düster, gruselig und vereinnahmend. Und dann werden sie davon überrascht, dass die Show nicht gänzlich angsteinflößend oder blutig ist, sondern dass es auch humorvolle Momente gibt. Außerdem sitzen die Leute nicht nur da und sehen zu. Stattdessen gehe ich ins Publikum hinein, hole Leute auf die Bühne. Es gibt keine Barriere zwischen Bühne und Zuschauern wie beim Film oder im Theater. Die Zuschauer sind Teil der Show.

Muss man heute schockieren, um im Show-Geschäft Erfolg zu haben?

Ich denke nicht, besonders nicht in Zeiten des Internets. Da gibt es keine Formeln oder Regeln. Manche Film- und TV-Darsteller haben heute eine genau so großere Fanbasis wie jemand, der auf YouTube Videos über Essen oder animierte Kurzfilme macht. Jetzt kann jeder kreativ werden und findet dafür immer ein dankbares Publikum.

Sind Plattformen wie YouTube eher gut oder eher schlecht für Ihre Art der Unterhaltung?

Eindeutig gut, denn wenn ich für mich oder meine Shows werben möchten, dann ist der erste Ort, an den ich denke, das Internet. Die Leute schauen zwar immer noch TV, doch auf Facebook und Instagram können die Menschen das, was sie sehen, kommentieren und teilen und damit andere darauf aufmerksam machen. Das ist wichtig für uns Künstler.

Schnittwunden, Prellungen, Verbrennungen

Aber bestimmt geben sich die Menschen im Netz viel Mühe, die Tricks hinter Ihren Illusionen aufzudecken. Wie schwierig ist es für Sie, Ihre Geheimnisse zu bewahren und weiterhin zu beeindrucken?

Ich weiß, dass so etwas anderen Magiern passiert, ich bin davon aber bisher verschont geblieben. Das liegt wohl an meiner Art der Präsentation. Ich lasse nicht einfach Dinge hinter einem Vorhang verschwinden, sondern will in erster Linie für Unterhaltung und Spaß sorgen. Es gibt keinen „Wettstreit“ zwischen mir und dem Zuschauer. Wir hängen da beide gemeinsam drin und haben eine gute Zeit.

Sie arbeiten oft mit gefährlichen Objekten wie Messern oder Rasierklingen. Wie häufig verletzen Sie sich beim Üben?

Recht häufig, gelegentlich auch auf der Bühne. Wenn ich mit Rasierklingen arbeite, halte ich immer eine Flasche alkoholischer Mundspülung bereit, für den Fall, dass ich mir die Mundhöhle aufschneide.

Klingt sehr schmerzhaft...

Es fühlt sich auch alles andere als gut an, aber immerhin verheilt die Mundhöhle ziemlich schnell. Ansonsten ziehe ich mir regelmäßig kleinere Verbrennungen, Schnittwunden, Verstauchungen oder Prellungen zu. Ich versuche aber alles, so sicher wie möglich zu halten und habe daher immer einen Plan B und einen Plan C auf Lager, falls etwas schief gehen sollte.

Stehen Sie unter Druck, stets neue, aufregende Illusionen zu erfinden?

Manchmal. Wenn man sich einen Film oder eine Band erneut ansieht, dann haben die Leute meist eine Lieblingsszene oder einen -song, auf den sie sich stets freuen. Bei uns Magiern, aber auch bei Komikern, ist das anders. Tricks und Witze verlieren beim zweiten Mal ihre Einschlagskraft. Deshalb versuche ich immer, eine Wendung einbauen, sodass selbst dann, wenn die Leute schon mal etwas ähnliches gesehen haben oder ahnen, wohin es geht, überrascht werden.

Vor mehr als zehn Jahren sind Sie einmal für Johnny Depps Kinder aufgetreten. Wie war das?

Sehr professionell. Ich bin gemeinsam mit einem Komiker und einem Jongleur aufgetreten. Da waren rund 75 Personen anwesend, was für eine Promi-Party wirklich wenig ist. Wir durften nicht mit den Kindern interagieren, haben einfach die Show durchgezogen und das war’s. Da habe ich auch das erste Mal meinen Lifesaver-Trick vorgeführt. [Sperry verschluckt ein Bonbon und schneidet es mittels Zahnseide vermeintlich aus seinem Hals heraus.] Und obwohl die Kinder höchstens neun Jahre alt waren, hat es ihnen wirklich gefallen.

Glauben Sie, dass sich Johnny Depp für Filme wie „Sweeney Todd“ oder „Dark Shadows“ ein wenig an Ihrem Stil bedient hat?

Das kann ich nicht mit Sicherheit für mich reklamieren. Aber wenn das tatsächlich der Fall sein sollte, muss er noch an sich arbeiten. Ich sehe deutlich besser aus.

Was können die Leute erwarten, wenn Sie zu Ihrer Show kommen?

Wie gesagt: Es gibt keine Barrieren und keinen Wettstreit. Ich arbeite gern mit dem Publikum, hole Leute auf die Bühne. Vielleicht haben sie schon ein paar kleine Tricks von mir im Internet oder im Fernsehen gesehen. Jetzt hebe ich das ganze auf eine andere Ebene. Das wird das erste Mal sein, dass ich meine Tricks bei einer großen Tour auf die große Bühne bringe. Das heißt, es wird auch deutlich größere Nummern geben.

„The Strange Magic Tour“ von Dan Sperry am Dienstag, dem 17. April 2018, 20 Uhr, im Alten Schlachthof. Kein Zutritt für Kinder bis 12 Jahre, Jugendliche bis 17 Jahre nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten.

Von Christian Neffe

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