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Lokales „Männerschutzwohnung Dresden“ zieht Bilanz
Dresden Lokales „Männerschutzwohnung Dresden“ zieht Bilanz
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15:13 04.11.2018
Presseveranstaltung zum Thema "Zwei Jahre Männerschutzwohnung Dresden" in der Zentrale des "Männernetzwerk Dresden e.V." V.l.n.r. Sascha Möckel, Enrico Damme, Prof. Dr. Hans-Joachim Lenz, Torsten Siegemund Quelle: Peter Burkhardt
Dresden

Das Pilotprojekt „Männerschutzwohnung Dresden“ läuft seit Ende 2016 und kann rückblickend auf die letzten zwei Jahre ein durchweg positives Fazit ziehen. Der Verein „Männernetzwerk Dresden e.V.“ hat einen Frauenhäusern gleichenden Ort für schutzsuchende Männer geschaffen, um diesen für eine gewisse Zeit Hilfe und ein sicheres Umfeld zu bieten. Die Zahlen belegen, dass dieser Zufluchtsort starken Anklang bei Betroffenen findet.

Von der Einweihung der Wohnung im April 2017 bis Dezember desselben Jahres lag die Belegungsrate der Vier-Raum-Wohnung, die Platz für drei Männer und jeweils ein Kind bietet, bei 60,73 %. Schon im darauffolgenden Jahr erreichte die Auslastung einen Wert von 84,69 %.

In den letzten zwei Jahren beherbergte sie insgesamt 15 Männer und acht Kinder, die gemeinsam mit ihren Vätern einzogen. Im Durchschnitt sind die Bewohner drei Monate in der Wohnung untergebracht. In dieser Zeit wolle man den Menschen einen Ort der Ruhe bieten und mit ihnen Folgeschritte für die Zukunft besprechen, so Sascha Möckel vom Männernetzwerk. Ob jemand allerdings aufgenommen werde, entscheiden die Mitarbeiter des Vereins erst nach einem klärenden Gespräch. Denn oftmals helfe es den Betroffenen bereits, sich zu öffnen und über Gewalterfahrungen zu sprechen.

70 Männer berichten von häuslicher Gewalt

Seitdem das Projekt ins Leben gerufen wurde, kontaktierten 70 Männer das „Männernetzwerk Dresden e.V.“ und berichteten von verschiedensten Formen häuslicher Gewalt. Denn insbesondere in den eigenen vier Wänden kommt es häufiger als in anderen Lebensbereichen zu Gewaltausschreitungen. Diese reichen von körperlicher, psychischer, sexualisierter bis hin zu sozialer und ökonomischer Gewalt. “Soziale Schichten spielen selten eine Rolle“, erzählt der Sozialarbeiter Möckel. „Es gab schon den Fall, dass eine Zahnärztin ihren Mann geschlagen hat. Vor kurzem kam zudem ein bekannter Geschäftsführer zu uns, weil er zuhause tagtäglich schikaniert wird und nicht weiß, wie er damit umgehen kann.“

Oft befinden sich die Männer bereits in extremen Verzweiflungssituationen, bevor sie sich an Institutionen wie das „Männernetzwerk Dresden e.V.“ wenden. Der Männerforscher Prof. Dr. Hans-Joachim Lenz sieht das Problem darin begründet, dass die traditionellen Rollenbilder in unserer Gesellschaft starr und tiefverwurzelt seien. „Wenn ein Mann Gewalt zum Opfer fällt, dann wird darüber nicht ohne weiteres gesprochen. Die Männlichkeit müsse um jeden Preis gewahrt bleiben, Schmerz wird ertragen und die Gewaltspirale nimmt ihren Lauf“, ergänzt Lenz.

Wohnung wurde staatlich gefördert

Sachsen nimmt in Bezug auf die Aufklärungsarbeit zum Thema Gewalt gegen Männer einen besonderen Platz ein, berichtet der Sozialwissenschaftler Lenz. Die Männerschutzwohnung beispielsweise wurde staatlich gefördert und Politiker und Bürger in Sachsen gehen im Allgemeinen offener mit der Problematik um als in anderen Bundesländern. Denn nach wie vor stößt das Thema auf erheblichen Widerstand und Missverständnis oder wird stillschweigend hingenommen. Deshalb initiierte die „LAG Jungen und Männerarbeit Sachsen e.V.“ unter anderem die landesweite Kampagne „Gib dich nicht geschlagen“. Diese Aufklärungsarbeit ist sehr wichtig, damit wir Menschen im Umgang mit Gewalt gegen Männer sensibilisieren können, meint Enrico Damme, Veranstaltungskoordinator der „Landesfachstelle für Männerarbeit“.

Wer Hilfe oder Beratung vom „Männernetzwerk Dresden e.V.“ braucht, der kann sich per Mail an maennerschutzwohnung@mnw-dd.de oder telefonisch an 0351/32345422 wenden.

Von Martika Haugk

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