Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -4 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Machbarkeitsstudie zum Dresdner Fernsehturm: Naturschutz ist Interpretationssache

Ist das allgemeine Interesse groß genug? Machbarkeitsstudie zum Dresdner Fernsehturm: Naturschutz ist Interpretationssache

Die Machbarkeitsstudie zum Fernsehturm spricht eine deutliche Sprache: die Seilbahn und das Wissenschaftszentrum sind offensichtlich vom Tisch, der Eingriff in die Natur wäre zu groß.

Für Seilbahn und Wissenschaftszentrum am Dresdner Fernsehturm müsste man durch Biotope, Landschafts- und Vogelschutzgebiete und Überschwemmungszonen bauen.
 

Quelle: Sebastian Kahnert/dpa

Dresden.  Die Machbarkeitsstudie zum Fernsehturm spricht eine deutliche Sprache: die Seilbahn und das Wissenschaftszentrum sind offensichtlich vom Tisch, der Eingriff in die Natur wäre zu groß. Immerhin müsste man durch Biotope, diverse Landschafts- und Vogelschutzgebiete und Überschwemmungszonen bauen. An anderen Stellen ist das aber durchaus möglich und auch schon so geschehen.

Warum der Umweltschutz gerade im Fall des Fernsehturms unumstößlich scheint, kommt in der Studie zunächst nicht zum Vorscheinen. Ganz im Gegenteil: In der den DNN vorliegenden ersten Version vom 28. Februar heißt es noch, dass eine große Variante – trotz aller Risiken – am erfolgreichsten werden kann. Zwar wird hier auf die großen Risikopotenziale im Bereich Umweltschutz hingewiesen, doch ein Ausschlusskriterium ist es nicht.

Ganz anders die nun veröffentlichte Studie. Hier heißt es auf einmal, Seilbahn und Zentrum seien aufgrund gesetzlicher Einschränkungen im Bereich Umweltschutz auszuschließen. Das kuriose: Die aktuelle Studie stimmt auf allen 43 Seiten nahezu identisch mit der Version vom Februar überein. Lediglich ein Satz wurde hinzugefügt, der für das negative Fazit eine Erklärung gibt: „Nach behördlicher Einschätzung dürfte der alleinige touristische Nutzen einer Seilbahnerschließung wesentliche Eingriffe in Natur und Landschaft nicht aufwiegen“, heißt es. Aus welcher Behörde diese Einschätzung kommt und warum man diese Entscheidung nicht der Politik und den Bürgern überlässt, wollte die Stadt auf Anfrage am Donnerstag nicht mitteilen.

Laut dem Professor und Geoökologen Karl Mannsfeld, ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident Sachsens und umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, gibt es durchaus Spielraum für Gedanken rund um den Fernsehturm. Zwar hält auch er eine Variante mit Wissenschaftszentrum und Seilbahn für kaum machbar, doch Grundlagen für ein derartiges Projekt würde es geben. So ist beispielsweise in mehreren Naturschutzgesetzen festgeschrieben, dass im Sinne der Allgemeinheit Ausnahmeregeln getroffen werden können. „Das geht natürlich nur mit Kompensations- und Ausgleichsprojekten einher“, so Mannsfeld. Dennoch sei die Politik laut dem 78-Jährigen durchaus in der Lage, für bestimmte Anliegen die bestehenden Regelungen und Gesetze zu „interpretieren“. „Das geht aber nur, wenn die absolute Bereitschaft von allen Seiten da ist und wenn es sehr viele positive Faktoren und gute Grunde dafür gibt.“ Generell teile der ehemalige Politiker aber die Ansätze der Studie. So sieht er keine hinreichenden Gründe, um in einer derartigen Größenordnung in die Umwelt einzugreifen.

Gleichzeitig warnte er davor, ähnlich wie bei der Waldschlößchenbrücke, den Naturschutz zum Buhmann zu machen, falls das Projekt in Wahrheit an anderen Stellen auf Probleme stößt. Alle beteiligten sollten deshalb nun zügig und eindeutig ihre Positionen beziehen.

Von Sebastian Burkhardt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.