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Lokales Lukaskirche Dresden: Wiederaufbau der Haube parallel zur Sanierung möglich
Dresden Lokales Lukaskirche Dresden: Wiederaufbau der Haube parallel zur Sanierung möglich
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11:51 27.12.2016
Vom Stumpf zum optischen Stadtbildbestimmer: So wie in der Visualisierung könnte die Lukaskirche nach Vorstellung des Fördervereins einmal mit vollständigem Turm aussehen.  Quelle: Förderverein Lukaskirche/Foto: Archiv/A. Schneider
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Dresden

 Vorerst ist es die Vision der Mitglieder eines Fördervereins: Der Hauptturm der 113 Jahre alten evangelischen Lukaskirche in der Dresdner Südvorstadt soll wieder genau so aussehen wie vor seiner Zerstörung im Februar 1945 - doppelt so hoch wie jetzt, gekrönt von einer Turmhaube.

Technisch wäre das realisierbar, belegen sie jetzt mit einer Studie. Dringender für die Kirchgemeinde jedoch ist: Sie muss erst einmal den Hauptturm sichern und dann das Innere der Kirche sanieren. Fachleute haben festgestellt: Sowohl das Mauerwerk des Turmes als auch der Untergrund halten das größere Gesamtgewicht aus, wenn die Turmhaube oben drauf kommt. In ihrer Studie kommen sie zu dem Ergebnis: „Zusammenfassend kann festgestellt werden, das Projekt ‚Wiedererrichtung des Turmhelmes der Lukaskirche Dresden’ ist aus tragwerksplanerischer Sicht möglich.“

Damit wären aus Sicht von Jens Christian Giese, Vorsitzender des Fördervereins, nun alle sachlichen Bedenken gegen eine Wiedererrichtung der Turmhaube ausgeräumt. Unter den 80 Mitgliedern des Vereins, davon etwa 20 aktive, sind außer evangelischen auch römisch-katholische Christen und Konfessionslose. Damit bündelt er verschiedene Motive, wie Giese sagt. Für Christen zeigt der Turm die Richtung nach oben, in den Himmel, für einige würde er den Stadtteil aufwerten. Andere führen ästhetische Gründe ins Feld. Vereinsmitglied Dörte Döring hat in ihrem Druckerpatronengeschäft unweit des Sakralbaus immer wieder die Frage gehört: „Warum ist die Kirche so hässlich?“

Die Lukaskirche

Errichtet: 1898 bis 1903 nach Plänen des Leipziger Architekten Georg Weidenbach aus Lausitzer Granit und Postelwitzer Sandstein; 54 Meter lange, 35 Meter breite Hallenkirche

Stil: außen historistischer Stil der deutschen Renaissance, im Inneren bis zum Umbau Jugendstil

Besonderheit: wegen des ansteigenden Geländes Kirche mit Altar nicht nach Osten ausgerichtet, sondern in Nord-Süd-Richtung

Umbau: im Inneren 1959 bis 1972 zum Tonstudio für Orchesterproben und Schallplattenaufnahmen; im vereinfachten Stil durch Herbert Burckhardt; dabei ging Jugendstilausmalung von Otto Gußmann verloren

Turm: ursprünglich 83 Meter hoch; im Februar 1945 am stärksten beschädigt; wieder aufzubauende Turmspitze rund 40 Meter hoch

Glocken: vier Stahlgussglocken aus Lauchhammer von 1921, Stimmung b, des’, f’, g’

Gemeinde: 1889 ausgegründet aus der auf 90 000 Mitglieder gewachsenen evangelisch-lutherischen Kreuzkirchgemeinde; heute mit rund 3500 Mitgliedern eine der größten Gemeinden

Spenden: Förderverein Lukaskirche hat mehr als 187.460 Euro für Wiederaufbau gesammelt

Verein: Förderverein Lukaskirche, 2002 gegründet u.a. von den beiden damaligen Lukaskirchen-Pfarrern Frank Seickel und Rainer Petzold; Tel. 0351 / 4723156

Internet: lukaskirchturm-in-dresden.de

Die Kosten für die Turmhaube schätzen die Fachleute in ihrer Studie auf rund eine Million Euro - abhängig vom Bauablauf. Müsste für die Turmhaube ein extra Gerüst aufgebaut werden, würde es am teuersten: ungefähr 270.000 Euro über der Eine-Million Marke. Mit mehreren Zehntausend darunter bleiben würden die Initiatoren, wenn sie sich mit der Kirchgemeinde abstimmen. Dann könnten sie ein Gerüst nutzen, das ohnehin errichtet werden muss, um den Turm zu reparieren. „Auch uns ist völlig klar, dass man die Haube nicht einem unsanierten Turm aufsetzen kann“, betont Vasco Paul Kolmorgen vom Förderverein. Und Jens Christian Giese fügt hinzu: „Wir stehen damit nicht in Konkurrenz zur Kirchgemeinde, sondern sind eine Art Additiv.“

Während der Sanierung zu ebener Erde neben der Kirche könnte man die Turmhaube bauen lassen und sie anschließend mit einem Kran draufheben, empfehlen die Experten in der Studie als wirtschaftlichste Variante. Und wenn die Haube erst einmal unten Gestalt annimmt, könnte dies weitere Spender begeistern, malt sich Jens Christian Giese aus.

Doch die Kirchgemeinde setzt die Prioritäten anders. Am dringendsten muss sie zunächst den Turm reparieren lassen, wie Steffen Schuster, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, sagt. Noch verhindert ein Netz oben, dass lockere Steine auf den Gehweg runterfallen. Doch die Genehmigung für diese Notlösung läuft demnächst aus. Im kommenden Jahr wollen sie das nötige Geld bei Landeskirche und Fördermittelgebern beantragen. „Wenn uns Anfang 2018 der Baustart gelänge, wären wir glücklich“, sagt Schuster. Die Kosten könnten sich zwischen einer halben und einer Million Euro bewegen.

Als nächstes wäre das Innere der Kirche zu erneuern: die Räume auf der Ostseite. Die waren vor 1972 eingerichtet worden, inklusive heute nicht mehr gebrauchter Technik für das Tonstudio. „Die sind Künstlern von Weltrang nicht mehr zumutbar“, sagt Schuster. Auch für Gruppen der Kirchgemeinde, also Kinder, Jugendliche, Chöre, Instrumentalensemble, werden die Räume dringend gebraucht. Dann müssten Schritt für Schritt die Räume an der Westseite und im südlichen Teil folgen, als letztes soll der Kirchenraum neu gestaltet werden. Jetzt sind die Wände mit dunklem Holz verkleidet. Ein Entwurf sieht vor, die Säulen und Emporenbögen an der Seite wieder freizulegen. Tonstudio und Konzertsaal soll die Lukaskirche weiterhin bleiben. Die Gemeinde werde für all das mindestens zehn Jahre brauchen, sagt Schuster.

Was in all diesen Plänen der Gemeinde nicht vorkommt: die Turmhaube, die der Förderverein am liebsten während der ersten Etappe, der Turmsanierung errichtet sähe. Auch die Gemeinde wünsche sich die Turmspitze, betont Schuster. Nur eben erst nach der weit dringenderen Sanierung, als eines der letzten Ziele. „Sie könnte einmal der krönende Abschluss sein.“ Jetzt damit zu beginnen, halte der Kirchenvorstand für das falsche Signal. „Christen kommen wegen des Gemeindelebens, Besucher wegen der Musik - nicht wegen einer wiederhergestellten Kirchturmspitze.“

Das sieht Dörte Döring vom Förderverein anders: „Ein attraktiveres Gebäude würde auch die Angebote der Gemeinde attraktiver machen.“

Von Tomas Gärtner

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