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Lokales Lotterie bei Schüleranmeldungen macht Schulen zur „Los-Bude“
Dresden Lokales Lotterie bei Schüleranmeldungen macht Schulen zur „Los-Bude“
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12:01 25.05.2018
Quelle: dpa
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Dresden

Für hunderte Dresdner Kinder ist die Entscheidung über die künftige Schule wieder zum Glücksspiel geworden. An sieben Gymnasien und acht Oberschulen in Dresden gab es mehr Anmeldungen als Plätze. In den meisten Fällen dürfte die Entscheidung im Losverfahren gefallen sein.

Bis Anfang März mussten die Eltern von Viertklässlern ihre Kinder an der weiterführenden Schule ihrer Wahl anmelden. Sie konnten dabei auch Zweit- und Drittwünsche als Alternative angeben. 1725 Kinder wurden für Oberschulen angemeldet und 2323 Kinder für das Gymnasium. Darunter waren 163 Kinder, die keine Bildungsempfehlung für den Weg zum Abitur erhalten hatten.

Kapazitäten und Gerichte setzen den Rahmen

Dann begann das Warten, klar war schon damals, dass nicht alle Kinder an ihrer Wunschschule aufgenommen werden können, weil das ganz einfach an Schulen mit besonders hohen Anmeldezahlen die Kapazitäten sprengen würde.

So kam es, wie es kommen musste, viele Plätze an den Schulen müssen verlost werden. Für die Auswahl unter den Bewerbern gibt es ansonsten kaum Kriterien, die einer gerichtlichen Überprüfung standhalten würden.

Nach den Angaben des Landesamtes für Schule und Bildung wurden an 15 Dresdner Schulen exakt 365 Schüler an andere Einrichtungen „umgelenkt“. Wie die Behörde, die bis vor Kurzem noch Bildungsagentur hieß, mitteilte, konnte das Marie-Curie-Gymnasium die meisten Bewerber nicht unterbringen. Von ursprünglich 186 Anmeldungen war letztlich für 68 Interessenten kein Platz. Am Gymnasium Bürgerwiese waren es 35 und am Gymnasium Dresden-Bühlau 25.

Bei den Oberschulen ragten bei der Zahl der „Umlenkungen“ die 66. Oberschule in Leuben (58 Umlenkungen), die Oberschule Pieschen (42) und die 36. Oberschule in Löbtau (37) heraus.

Die Landesbehörde machte jedoch keine Angaben, an welcher Schule wie die Auswahl erfolgte. Lasub-Sprecherin Petra Nikolov erklärte, „für die Ausgestaltung des Auswahlverfahrens sind die jeweiligen Schulleiter verantwortlich, sie legen auch die Auswahlkriterien fest, die das Landesamt nicht erfasst“. So stehe es im Gesetz, die Realität sei jedoch eine andere, ist bei Schulleitern zu hören. Das Land gebe klar vor, wie es läuft.

Eine Stichprobe unter den betroffenen Schulen ergab, dass beispielsweise an der 66. Oberschule 38 Plätze per Losentscheid vergeben wurden. Laut Schulleiter Peter Schmitt gab es letztlich 111 Anmeldungen. Zwei Klassen könne die Schule eröffnen. Bei Ausschöpfung der Klassenobergrenze von 28 Schülern und der Berücksichtigung von Integrationsschülern, für die mehr als ein Platz angerechnet werden kann, konnten 53 Kinder angenommen werden. Nach Abzug von Kindern, die die Klassenstufe wiederholen müssen, besonderen Förderbedarf oder bereits Geschwister an der Schule haben, blieben noch 38 Kinder, die einen Platz ergatterten, wenn sie aus dem Lostopf gezogen wurden. „Diskussionen gibt es dann natürlich immer, niemand ist erfreut, wenn er sich wie in der Losbude fühlt“, sagte Schulleiter Schmitt. Er habe aber gar keine andere Wahl, die Verlosung sei das einzige rechtlich zulässige Verfahren, um möglichst gerecht zu sein.

Trotz Bildungsempfehlung für Gymnasium an die Oberschule

Auch an der Oberschule in Pieschen wurde gelost und an der 32. Oberschule, die seit Februar auf dem Campus in Tolkewitz angesiedelt ist, auch. Bei 106 Kindern, die in vier fünften Klassen aufgenommen werden können und 122 Anmeldungen kam für 16 Kinder per Losentscheid das Aus. Einzige Sonderregelung, die sich Schulleiter Andreas Neubert „leistete“, drei Kinder aus der unmittelbar neben der 32. Oberschule liegenden 200 Meter langen Schlömilchstraße galten für ihn als gesetzt. Laut Neubert sind sich die meisten Eltern bei der Anmeldung bereits bewusst, dass es schließlich in der Verlosung gipfeln könnte. An der 32. habe es einige Fälle gegeben, in denen Kinder mit Bildungsempfehlung fürs Gymnasium angemeldet wurden, weil die Eltern zunächst auf einen Realschulabschluss wert legten.

Gelost werden musste auch an der Oberschule Boxdorf. Die „Kurfürst-Moritz-Schule“ ist auch bei Dresdnern sehr beliebt und brachte es in diesem Jahr auf 120 Anmeldungen, Platz war aber nur für 81 Kinder in drei Klassen. Laut Schulleiter Heiko Vogel kommen zunächst die Kinder aus der Trägergemeinde Moritzburg zum Zug, dann Geschwisterkinder, Kinder aus Radebeul-Wahnsdorf und schließlich alle übrigen. Von den Wahnsdorfern schafften es vier per Losverfahren noch in die Schule, für alle übrigen Bewerber gab es keine Chance mehr. Laut Vogel hatte ein Drittel der angemeldeten Kinder eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium. Der Öffentlichkeit bleibe dieser Effekt meist verborgen, weil die Zahlen nicht erfasst werden, im Gegensatz zu den Kindern, die ohne Bildungsempfehlung ans Gymnasium wollen und spezielle Prüfprozesse durchlaufen.

Lose gab es auch am Hans-Erlwein-Gymnasium an der Junghansstraße. 109 Plätze wurden vergeben, vier Kinder mussten „umgelenkt“ werden.

Am Gymnasium Bürgerwiese (Altstadt) gab es 195 Bewerber für 160 Plätze in sechs fünften Klassen. Fast zwei Klassen seien allein schon durch Geschwisterkinder gefüllt worden, erläutert Schulleiter Jens Reichel gegenüber DNN. 128 Plätze wurden verlost. Reichel bedauert die nun schon seit Jahren übliche Verfahrensweise. Er habe aber keinerlei Gestaltungsmöglichkeit. Lediglich ein kurzer Schulweg sei noch ein anerkanntes Vergabekriterium. Er bedauert, dass der Noten-Durchschnitt beispielsweise überhaupt keine Rolle spielt. An anderen Stellen wie dem Studium werde auch auf den Numerus clausus (NC) gesetzt. Aber auf dem Weg dahin könne es sein, das jemand, der keine Bildungsempfehlung für das Gymnasium hat, durch das Losverfahren zum Zug kommt, jemand mit einem Noten-Durchschnitt von 1,0 an der Grundschule aber möglicherweise nicht an seiner Wahlschule weiterlernen darf.

Von Ingolf Pleil

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