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Lokales Linke-Politiker Wirtz: Altmarktumbau? Brauchen wir nicht!
Dresden Lokales Linke-Politiker Wirtz: Altmarktumbau? Brauchen wir nicht!
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07:49 28.11.2018
2008 waren die Umbauarbeiten auf dem Altmarkt in vollem Gang. Zu sehen ist das Dach der Tiefgarage, auf der wegen ihrer geringen Neigung nun offenbar Staunässe ein Problem ist. 2020 soll der Platz deswegen erneut aufgegraben werden. Quelle: Archiv
Dresden

Der ganze Altmarkt ist eine Baugrube. Wo sonst gebummelt und flaniert wird, lärmen Baumaschinen und verlegen Bauleute neue Elektronleitungen, Drainage und Kies. So sah es auf dem erstem Platz Dresdens zwischen 2007 und 2009 aus und so soll es dort nach den Vorstellungen des Straßen- und Tiefbauamts ab 2020 wieder aussehen. Kostenpunkt: 7,3 Millionen Euro. Für Linke-Stadtrat Tilo Wirtz ein Unding. „Seitdem man im Rathaus merkt, dass Geld da ist, gibt es dort Tendenzen, es aus dem Fenster rauszuwerfen“, sagt er über die Sanierungspläne. Für die gab es allerdings schon viel Kritik – auch von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Bisher hieß es dazu allerdings, dass die erneute Sanierung dringend nötig und deshalb nicht zu umgehen sei. „Das bezweifle ich“, sagt nun Wirtz. Er plädiert für einen schlankeren und billigeren Eingriff.

Hauptargument für die Baustelle: Die Entwässerung

Zwar erkennt der Linke-Politiker an, dass es auf dem Platz Probleme mit der Stromversorgung gebe. Vor zehn Jahren wurden dort zu wenig Entnahmestellen geplant. Die Stadt will deshalb von 21 auf 50 Entnahmestellen und die Kapazitäten der Stromversorgung von 1000 auf 1800 Kilowatt erhöhen. Hinzu kommt, dass es wegen schlecht funktionierender Drainage immer wieder mal Kurzschlüsse im Altmarkt-Stromnetz gibt und deshalb eine externe Stromversorgung aufgebaut werden muss. Diese wiederum hat Kabelbrücken zur Folge, die bestenfalls Stolperfallen darstellen, schlimmstenfalls jedoch das Vorankommen von Rollstuhlfahrern und Gehbehinderten verhindern.

Kabelbrücken sollten eigentlich mit der letzten Altmarktsanierung der Vergangenheit angehören, da sich während der Sanierung jedoch das Striezelmarktkonzept geändert hat, liegen die Stromentnahmestellen nun meist weit von den Buden entfernt und damit an den falschen Stellen. Diese Probleme müsste man durchaus angehen, sagt Wirtz. „Man müsste eine neue Stromversorgung verlegen, die nicht störanfällig auf Staunässe reagiert“, sagt er. Und es dabei bewenden lassen. Die Kosten würden nur 3,2 Millionen Euro betragen.

Damit würde das Einbringen neuer Drainageschlaufen wegfallen. Die mangelnde Entwässerung des Altmarkts ist Hauptargument für ein komplettes Aufgraben des Platzes. Sie resultiere allerdings aus dem zu geringen Gefälle der unter dem Altmarkt liegenden Tiefgarage, wie Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz und Wirtz übereinstimmend sagen. Die Planung hatte vorgesehen, dass Wasser durch die ein Meter dicke Bodenschicht über der Tiefgarage rinnt und dort dann abläuft. Weil das Gefälle jedoch nur etwa ein Prozent beträgt, staut sich das Wasser und macht die unterste Tragschicht des Platzes instabil. Amtsleiter Koettnitz meint daher, dass die Standfestigkeit des Platzes in den nächsten Jahren durchaus gefährdet sein kann, besonders wenn schweres Gerät zum Einsatz kommt – etwa ein Kran beim Aufstellen des Striezelmarktbaums.

Bauausschuss berät am Mittwoch

Wirtz sieht in der Tragfähigkeit kein Problem. Das verteile sich auf der großen Fläche. „Wo soll denn der nasse Kies in der untersten Schicht auch hin?“, fragt er. Solange die Tiefgarage dicht sei, brächte das Verlegen zusätzlicher Drainage nichts außer dem Risiko, sich dort auch noch eine undichte Stelle zu holen. „Am Fehler, dass das Gefälle zu gering ist, ändert sich ja durch eine neue Drainage nichts. Ich sehe die Gefahr, dass dann in zehn Jahren wieder saniert werden muss – für noch einmal viel Geld“, sagt Wirtz.

Stattdessen schlägt er geringere Grabungen vor. Schächte über insgesamt 4000 Quadratmeter müssten es zwar immer noch sein, der Aufwand sei gegenüber den geplanten 11 500 Quadratmetern auf gesamter Fläche jedoch deutlich geringer. Das würde auch die Bauzeit verkürzen und könnte bei einer Aufteilung in kleine Baulose die Beauftragung hiesiger Firmen ermöglichen, die sich mit dem Altmarktpflaster auskennen. Mit diesem Vorschlag hofft Wirtz den Einwand von Amtsleiter Koettnitz zu entkräften, dass sich die Pflasterfläche nie wieder so einheitlich schließen lassen könne, wenn sie einmal von Gräben durchzogen war. Am Mittwoch wird Wirtz nun im Bauausschuss seine Überlegungen vortragen. Endgültig entscheiden muss der Stadtrat.

Von Uwe Hofmann

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