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Lokales Linie 10: Die Kurze
Dresden Lokales Linie 10: Die Kurze
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11:29 04.08.2017
Eine ruhige Linie: „Man fährt quer durch die Stadt, aber hat keine Verkehrsknoten, an denen man lange stehen muss“, findet Straßenbahnfahrer Sven Zschocke. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

„In Zeiten des abnehmenden Lichts.“ Die sind an diesem sonnigen Julitag definitiv noch nicht gekommen, auch wenn uns das ein Filmplakat am Programmkino Ost vielleicht weismachen möchte. Hier, an der Haltestelle Altenberger Straße, beginnt unsere Fahrt mit der Linie 10. Es ist die kürzeste Linie in ganz Dresden, auf 11,2 Kilometern und in 35 Minuten bringt sie ihre Fahrgäste von Striesen bis zum Messegelände.

Die „10“ verbindet auf nur 11,2 Kilometern und in 35 Minuten Striesen und das Messegelände

Rund ein Dutzend Passagiere gehen mit uns auf die Reise. Gemischtes Publikum. So fährt zum Beispiel Madeleine Naas aus Pirna mit, die sich in der Stadt nach Dekoartikeln für ihre bevorstehende Hochzeit umsehen möchte. Mit dabei ist auch Heidi Kemper, die die „10“ oft nutzt, schon immer ist sie mit ihrer Monatskarte mit den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) unterwegs. Als zufriedene Kundin, wie sie sagt. „Aber die Ferien machen sich bemerkbar, momentan muss ich länger auf meine Anschlussbahnen warten.“  Rentnerin Rita Hojer hingegen ist auf dem Weg ins Krankenhaus St. Joseph-Stift.

Zunächst passieren wir jedoch den Pohlandplatz, die Bahn füllt sich merklich. Wir werden auf ein junges Duo aufmerksam, das ebenfalls das Gespräch mit Fahrgästen sucht. Sind wir etwa nicht alleine auf unserer „Auf-Linie“-Mission? Die Sorgen sind unbegründet. Fabian Möbius und Katharina Mehner aus Nossen sind Teilnehmer eines Sommerworkshops beim Magazin „Spiesser“. Gerade machen sie eine Umfrage, um zu erfahren, was junge Leute interessiert. In der Bahn sind sie eher zufällig gelandet, oder eher dank Köpfchen. „Wir haben es zunächst auf der Straße versucht, dann aber unsere Taktik geändert. In der Bahn sind einfach mehr Leute“, berichtet Fabian.

Steckbrief Linie 10

Linienverlauf: Striesen – Ludwig-Hartmann-Straße – Straßburger Platz – Hauptbahnhof – Bahnhof Mitte – Friedrichstadt – Messe Dresden

Linienlänge: 11,2 Kilometer

Fahrzeit: 35 Minuten

Haltestellen: 25

Fahrgastzahlen: 22 800 Fahrgäste pro Werktag (2016)

Quelle: DVB

Daran besteht kein Zweifel. Es geht vorbei am Fetscherplatz – wildes Kommen und Gehen – und am St. Joseph-Stift – Sitzplätze Mangelware. Erst an der Gläsernen Manufaktur wird es übersichtlicher. Beim Aussteigen gibt uns eine ältere Dame ihre Eindrücke mit auf den Weg: „Die Schwerbehindertenplätze sind immer besetzt – meistens von jungen Leuten.“ Glück gehabt. Wir haben es uns auf den praktischen Klappsitzen direkt an einem der Eingänge bequem gemacht. Zumindest noch. Denn am Lennéplatz steigt eine Mutter mit Kinderwagen ein. Wir räumen gerne. Das kleine Mädchen aus dem Buggy hat ohnehin mehr Spaß auf dem Sitz und bekundet lauthals lachend gute Laune. Ob es am Dynamo-Stadion liegt, das gerade an uns vorbeizieht?

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Währenddessen erfahren wir mehr über die Besitzverhältnisse einer Jugendlichen in Sachen Nagellack: „Keine Ahnung, woher ich den habe. Der war auf einmal da“, erzählt sie ihrer Freundin. Manchmal läuft es eben einfach. Vermutlich auch eine Information, die die „Spiesser“-Fragebogen-Ausfüller gerne gehabt hätten. Mehr Einblicke aus der Welt der Jugend bekommen wir nicht, am Hauptbahnhof endet die Fahrt der Mädels. Wie für viele andere auch. Die Bahn leert sich fast komplett, voll wird sie nicht mehr. Zustiege gibt es an der Budapester Straße, die Mitbringsel deuten auf die nahe gelegene Agentur für Arbeit – Papiere, Formulare, Ausweise.

Beliebte Accessoires bei fast allen Fahrgästen: Kopfhörer, Handy, Sonnenbrille. Gut vor UV-Licht geschützt geht es also weiter, vorbei am World Trade Center, dem Kraftwerk Mitte, dem Bahnhof Mitte. Eine junge Frau erzählt ihrem Handyfreund – und, weil ein Smartphone am Ohr offenbar kompletter Unsinn ist, auch der gesamten Bahn –, dass ihr Traum echt gruselig war. Worum es darin ging? Keine Ahnung. Wahrscheinlich hatte er irgendetwas mit Normal-Telefonierern zu tun.

Drei Reihen vor uns sitzt eine Dame mit bekannter Uniform. Eine Straßenbahnfahrerin kurz vor Dienstantritt? „Ich bin nicht auf dem Weg zum Dienst, ich bin im Dienst.“ Die Frau ist Servicebegleiterin, wie sie erzählt. DVB-Kunden können dieses Angebot buchen, wenn sie nicht mehr mobil genug oder eingeschränkt sind und Hilfe beim Bahnfahren benötigen. Momentan sei sie auf dem Weg ins Friedrichstädter Krankenhaus. Dort wird sie einen sehbehinderten Mann abholen, um ihn dann sicher nach Hause zu begleiten. „Das könnten wir mit viel mehr Leuten machen, aber dafür bräuchte es mehr Personal“, sagt sie.

Am Krankenhaus Friedrichstadt angekommen, lichten sich die Reihen deutlich. Nur drei Fahrgäste – junge Halbstarke – begleiten uns auf dem Weg zur Endhaltestelle an der Messe Dresden. An der Gleisschleife angekommen, wartet Sven Zschocke bereits in einer parat stehenden Bahn, um den Rückweg anzutreten. Die Linie 10 sei seine Lieblingslinie, berichtet er. Warum? „Auf dieser Strecke ist es ganz entspannt. Man fährt quer durch die Stadt, aber hat keine Verkehrsknoten, an denen man lange stehen muss. Es ist eine ruhige Linie.“ Recht hat er.

Die Messelinie

Mit der Linie 10 zur Messe. Das war nicht immer so. Erst im Mai 2011 eröffneten die Dresdner Verkehrsbetriebe die neue Streckenführung. Seit sechs Jahren also erreichen Besucher den Veranstaltungsort bequem per Bahn. In der messefreien Zeit freilich herrscht auf dem Areal tote Hose. Ein anderes Bild wird hier aber zum Beispiel am 2. und 3. September vorherrschen. Gleichzeitig finden dann die Mineralientage Dresden, die 2. Pflegemesse Dresden und die Messe Bauen, Kaufen, Wohnen 2017 statt.

Christin Grödel

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