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Lingnerschloss Dresden: Sanierung kostet 20 Millionen Euro

Bauarbeiten gehen weiter Lingnerschloss Dresden: Sanierung kostet 20 Millionen Euro

Auf etwa 20 Millionen Euro beziffert Peter Lenk, Chef des Fördervereins Lingnerschloss, die Gesamtkosten für die Sanierung des Elbschlosses. Er geht davon aus, dass das Obergeschoss Ende des Jahres fertig wird. Das neue Ausschankgebäude soll schon am 10. September, dem Tag des offenen Denkmals, eröffnen.

Blick auf das Lingnerschloss

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Karl August Lingner hätte seine Freude, könnte er zuschauen, wie sein Schloss am Elbhang peu à peu seine alte Schönheit zurückbekommt. Nun gut: Vielleicht würde der Erfinder des Odol-Mundwassers und mehrfache Millionär hin und wieder auf die Uhr blicken und die eine oder andere Million herüberwachsen lassen, damit alles ein bisschen schneller vorangeht.

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Im Dresdner Lingnerschloss wird fleißig weitergebaut. Die DNN waren mit der Kamera dabei.

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Immerhin 15 Jahre sind vergangen, seit der Förderverein Lingnerschloss das damals reichlich desolate Anwesen erwarb und die Sanierung in Angriff nahm. „Erst jetzt, nachdem die historische Fensterfront und die beiden großen Kastenfenster aus Eichenholz im Festsaal aufgearbeitet sind, können wir sagen, dass das Schloss äußerlich dem Bauzustand von 1853 entspricht“, erklärt Peter Lenk, Vorsitzender des Fördervereins. Wenn im Dezember das Obergeschoss saniert ist, werden seinen Angaben zufolge knapp 17 Millionen Euro ins Lingnerschloss geflossen sein. Bisher sind u.a. der Haupteingang an der Nordseite, die Dachplattform, der Kinosaal, der Lingnersalon im Erdgeschoss, das Haupttreppenhaus und der Nordbalkon mit der historischen Deckenmalerei fertig geworden. Der Festsaal im Erdgeschoss fehlt noch. „Am Ende werden wir wohl 18,5 Millionen Euro erreichen“, schätzt Lenk. Da sei allerdings die Seilbahn vom Elbradweg hinauf zum Schloss noch nicht dabei. „Die dürfte dann noch einmal anderthalb Millionen kosten.“ Als der Verein 2003 den Erbbaupachtvertrag mit der Stadt geschlossen hat, waren Experten davon ausgegangen, dass zehn Millionen Euro gebraucht werden, um das Schloss und die vier Nebengebäude – Torhaus, Schweizerhaus, Lingnersches Mausoleum und Bergstation der ehemaligen Seilbahn – zu sanieren bzw. zu restaurieren.

Momentan sind die Bauleute dabei, den Vorplatz am Schlosseingang mit Granit zu pflastern. Bis zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, wollen sie fertig sein. „Vor fünf Jahren haben wir einen großen Löschwasserbehälter mit 200 Kubikmeter Fassungsvermögen für die Feuerwehr unter die Erde setzen lassen“, entsinnt sich Lenk. Damals sei die ohnehin kaputte Pflasterung verschwunden. „Fürs Familienfoto vorm Schloss stehen die Hochzeitsgäste nun bei Hitze im Staub, und bei Regen müssen sie die Gummistiefel anziehen“, übertreibt er ein bisschen. Peter Lenk kann sich vorstellen, dass durchaus auch mal ein Orchester oder ein Chor vom Balkon aus ein Open-Air-Konzert gibt, wenn der Schlossvorplatz inklusive Rondellmauer für die Zuschauer erst fertig ist.

Derweil gehen drinnen die Bauarbeiten im Obergeschoss weiter. Die drei elbseitigen Salons für bis zu 200 Gäste – der Bankettsaal, das ehemalige Kaminzimmer des Dresdner Klubs und die Bibliothek – sind inzwischen rohbaufertig. Sie bekommen bis Jahresende Stuckdecken, Parkett und ihre Kirschholztüren restauriert zurück. Kostenpunkt: 500 000 Euro. „Wir haben extra die Türdurchbrüche vergrößert, damit wir auch mal einen Flügel hin- und herschieben können“, erklärt Lenk. In der Pause sollen die Gäste von Banketten, Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen mit einem Glas Wein auf den bereits sanierten Südbalkon treten können, der einen schönen Blick auf die Elbe bietet. Die 1901 von Bruno Naumann, den zweiten Schlossbesitzer, an dieser Stelle errichtete Glasveranda ist inzwischen Geschichte.

„Lingner hatte ja im Obergeschoss seine Arbeits- und Schlafräume und im Erdgeschoss den Orgelsaal“, berichtet Lenk. Der Multimillionär habe mit seinem vielen Geld von 1906 bis ’08 die frühere Villa Stockhausen aus einem Einfamilienhaus in ein repräsentatives Haus mit großen Räumen umbauen lassen. „Inventar aus dieser Zeit existiert allerdings nicht mehr, die teuren Holzeinbauten sind mitten in der Weltwirtschaftskrise für ’n Appel und ’n Ei versteigert worden“, weiß Lenk. Der Rest, darunter der Stuck, sei 1955 für den damaligen Dresdner Klub entfernt worden. „Wir rücken jetzt für viel Geld die Geschichte wieder gerade“, meint er.

Weiteres Vorhaben bis September: der Neubau des Ausschankgebäudes. „Das hölzerne Provisorium steht seit 2008 hier, es wird Zeit, dass es endlich verschwindet“, gibt Lenk zu. Das Dach sei fertig, jetzt sei die Fassade dran. Sechs bis acht Wochen werde es bis zur Eröffnung wohl noch brauchen. 300  000 Euro investiert der Förderverein in den neuen Ausschank.

2018 kommt dann der Festsaal im Erdgeschoss an die Reihe. Ende 2019 will ihn Lenk saniert haben. „Es ist wichtig, dass wir mit der Vermietung des Bankettsaals bereits Geld verdienen, damit wir den Festsaal tatsächlich in Angriff nehmen können“, erklärt er. Denn für die 1,4 Millionen Euro teure Sanierung fehlt es noch an Geld. 220 Plätze soll der Festsaal mit dem Orgelsaal, den beiden Loungeräumen und dem Wintergarten einmal bieten. „Hier drin können wir dann große Konferenzen, aber auch Kammermusik und Liederabende bestreiten – und das zu einem günstigeren Preis als im Schloss Albrechtsberg“, sagt der Fördervereinschef. Die Größe des Saals entspreche dem des Spiegelsaals in dem benachbarten Schloss. „Wir waren immer das Mauerblümchen unter den drei Elbschlössern, das ändern wir jetzt gerade“, resümiert Lenk. Auch das würde dem alten Lingner mit Sicherheit gefallen – ebenso wie die Tatsache, dass das Lingnerschloss ein Schloss für alle werden soll, so wie er es in seinem Testament festgeschrieben hat.

Von Katrin Richter

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