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Lokales Letzte Chance für Dresdner Schloss Übigau
Dresden Lokales Letzte Chance für Dresdner Schloss Übigau
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15:40 13.11.2017
Hat mit dem aktuellen Verkauf des Schlosses Übigau in der Werftstraße das lange Warten auf die Sanierung des wertvollen Kulturdenkmals ein Ende?  Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 Hat mit dem aktuellen Verkauf des Schlosses Übigau in der Werftstraße (DNN berichteten) das lange Warten auf die Sanierung des wertvollen Kulturdenkmals ein Ende? Ist nach vielen interimistischen Versuchen endlich ein tragfähiges Nutzungskonzept in Sicht? Noch stehen die Fragezeichen im Raum, aber zugleich macht sich ein begründeter Optimismus breit. „Wir wollen so schnell wie möglich beginnen“, sagte Frank Wießner auf Nachfrage dieser Zeitung. Der Geschäftsführer der bekannten einheimischen Firma Max Wießner Baugeschäft GmbH ist einer von drei Dresdnern, die die Immobilie von der Heidelberger Unternehmerin Ingrid Schinz erworben haben. Die beiden anderen Investoren wollen ungenannt bleiben. Auch eine Kaufsumme wird nicht genannt.

Hat mit dem aktuellen Verkauf des Schlosses Übigau das lange Warten auf die Sanierung des wertvollen Kulturdenkmals ein Ende? Ist nach vielen interimistischen Versuchen endlich ein tragfähiges Nutzungskonzept in Sicht? Noch stehen die Fragezeichen im Raum.

„Wir wollen erst unsere Arbeit machen und dann an die Öffentlichkeit gehen“, erklärte Wießner als Sprecher des Trios. Das bedeute, in Absprache mit den städtischen Behörden die Zukunft des Terrains zu planen. Mit der Denkmalpflege sei man bereits im Gespräch. Die Gesamtfläche von rund 8000 Quadratmetern gliedert sich in das Schloss und einen Garten zur Elbe (beides ist denkmalgeschützt) sowie diverse Nebengebäude. Dafür gäbe es von Gewerbe bis Wohnen viele Ideen, „auch eine teilweise öffentliche Nutzung ist vorstellbar“, so Wießner. Wie diese aussehen kann, sei aber noch offen. Trotz des erklärten Willens, baldmöglichst Nägel mit Köpfen zu machen, soll sorgfältig geplant werden. „Das Schloss ist nicht akut gefährdet“, zerstreute der Bauingenieur eventuelle Bedenken. Er habe sich im Objekt genau umgesehen und auch mit früheren Plänen beschäftigt. Aus denen war bis auf sporadische Veranstaltungen und Teilnutzungen jedoch nie etwas geworden.

Seit 1991 steht das barocke Lustschloss, als welches es 1724-26 errichtet worden war, leer. Der Verfall hatte zwischenzeitlich bedrohliche Ausmaße angenommen, sodass die Stadt Sicherungsmaßnahmen anordnen musste. Jetzt sind zumindest die Dächer an den Gebäuden dicht, die Figurengruppe und das Wappen am Schloss gerettet. Ingrid Schinz hatte kleinere Reparaturen veranlasst. Jetzt ließ sie durch ihren beauftragten Architekten Karsten Linke verkünden, dass sie mit der Abgabe des Objektes an regionale Investoren einen zeitnahen Sanierungsbeginn fördern möchte. Frühere Verkaufsabsichten waren fehlgeschlagen. Schon 2005 hatte Ehemann Dieter Schinz, Zigarren- und Immobilienunternehmer in Heidelberg, Schloss Übigau im Internet angeboten.

Zuletzt wollte offenbar die Stadt Dresden die Notbremse ziehen und die Immobilie selbst erwerben, um sie zwecks Sanierung weiter zu veräußern. Die Rede war von einem Kaufpreis um 1,3 Millionen Euro, der aber so im Haushalt nicht eingestellt war. Umso mehr zeigt sich Thomas Löser, Fraktionsvorsitzender der Bündnisgrünen im Stadtrat nun erfreut, über die „sehr gute Nachricht, dass mit dem Verkauf der Dornröschenschlaf, in dem sich das Schloss seit Jahrzehnten befindet ein Ende hat.“ Seine Fraktion hoffe, dass der Verfall des herausragenden Barockgebäudes nun aufgehalten werde. Der SPD-Ortsverein Dresden-Pieschen sieht im Schloss Übigau auch ein wichtiges Dresdner Wahrzeichen. Die Stadt müsse jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um mit den Investoren zeitnah eine belastbare Sanierungsplanung und ein Nutzungskonzept zu entwickeln, so Ortsvereinsvorsitzender Stefan Engel. „Diese Chance darf nicht vertan werden.“

Die variantenreiche Geschichte des Schlosses - angefangen beim Bauherrn Jacob Heinrich von Flemming und dem ersten Besitzer August dem Starken - könnte ein neues Kapitel erhalten. Von Gaststätte, Maschinenbaufabrik, Wohnort bis zu Dampfkesselbau war hier schon vieles möglich. Nach der politischen Wende erfolgte der Verkauf in Privathand. Der erste Interessant zog sich 1997 auf Grund behördlicher Schwierigkeiten wieder zurück. 1999 erwarb die Familie Schinz das Objekt. Die Öffentlichkeit war durch das Engagement eines Bürgervereins einbezogen, den später ein Förderverein ablöste. Von 2008 bis 2016 öffnete im Garten eine Sommerwirtschaft und es fanden Open-Air-Veranstaltungen und einige wenige Events im Schloss statt.

Eine zumindest teilweise öffentliche Nutzung wünschen SPD und Grüne auch künftig. Mit Frank Wießner verbinden sich diesbezügliche Hoffnungen. Zeigt der Bauunternehmer doch auch mit seinem aktuellen Projekt „Hafen 01“ Offenheit gegenüber städtischen Belangen. Bekannt wurde er zudem mit seinem Engagement für das Narrenhäusel. Die Ausschreibung für den Wiederaufbau läuft noch bis zum 23. November. Wießner ist ein Bewerber.

Von Genia Bleier

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