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Leiterin der Bildungsagentur Dresden: Jeder zweite Lehrer unterrichtet schulartfremd

Leiterin der Bildungsagentur Dresden: Jeder zweite Lehrer unterrichtet schulartfremd

Die Weihnachtsferien stehen bevor. Ein reichliches Drittel des Schuljahres haben Schüler und Lehrer hinter sich gebracht. Die DNN fragten Anja Stephan, die Leiterin der Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden, wieviel Unterricht ausgefallen ist, ob alle Lehrerstellen besetzt sind und was sie vom verkürzten Referendariat hält.

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Die Leiterin der Bildungsagentur Dresden, Anja Stephan.

Quelle: Anja Schneider

Wie ist die Situation an Dresdens Schulen? Sind alle Lehrerstellen besetzt?

Das ist von Schulart zu Schulart unterschiedlich. Nach wie vor problematisch gestaltet sich die Situation an den Förderschulen. Seit Jahren können wir den Bedarf nur zu 96 Prozent abdecken. Wer an der Förderschule unterrichten will, sollte über eine sonderpädagogische Ausbildung verfügen. Wir haben trotz umfänglicher Werbung nicht genügend Bewerber in die Landeshauptstadt holen können. Das ist kein Stadt-Land-, sondern ein generelles Problem.

Wie sieht es an den Grund- und Oberschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulzentren (BSZ) aus?

Dort ist der Grundbereich abgedeckt.

Wieviele neue Lehrer haben denn eine Stelle angetreten?

Wir haben in der Stadt Dresden in diesem Kalenderjahr 182 junge Lehrer eingestellt, 36 von ihnen im Februar, die anderen im vergangenen Sommer. 67 Pädagogen sind es an den Grundschulen, 51 an den Gymnasien, 25 an den Oberschulen, 24 an den BSZ und 15 an den Förderschulen.

Wieviele Lehrer sind schulartfremd eingestellt worden, geben also beispielsweise als Gymnasiallehrer Unterricht an Grundschulen?

Eine ganze Menge. 18 sind es an den Grundschulen, 42 an den Oberschulen, 23 an den Förderschulen und 12 in den BSZ. Meist sind es tatsächlich Gymnasiallehrer, die schulartfremd unterrichten. Vereinzelt sind aber auch Berufsschullehrer an die Förderschule gegangen. Dass jeder zweite junge Lehrer nicht in seiner Schulart unterrichtet, spiegelt die schlechte Bewerberlage wider. Denn wir greifen natürlich nur auf diese Möglichkeit zurück, wenn sich nicht ausreichend Lehrer in der jeweiligen Schulart finden.

Wieviel Unterricht ist im neuen Schuljahr bislang ausgefallen?

Die aktuelle Statistik besagt, dass wir über alle Schularten hinweg etwa drei Prozent Unterrichtsausfall zu verzeichnen haben. Die Förderschulen liegen mit fünf Prozent etwas darüber. Insgesamt liegen wir etwas besser als im selben Zeitraum des Vorjahres. Doch machen wir uns nichts vor: Es fällt immer schwerer, externe Lehrer für das Programm Unterrichtsversorgung zu gewinnen, die im Krankheitsfall schnell einspringen können.

Welche Fächer betrifft das am meisten?

Deutsch, Ethik, Englisch und einige naturwissenschaftliche Fächer.

Wieviele Lehrer scheiden aus Alters- gründen am Ende dieses Schuljahres aus?

56 Lehrkräfte aus allen Schularten. Das hört sich zunächst wenig an. Erfahrungsgemäß verlassen aber dreimal so viele Pädagogen die Schule, weil sie beispielsweise nur einen befristeten Arbeitsvertrag haben oder weil sie krank geworden sind. Da gibt es mitunter tragische Schicksale.

Wieviele neue Lehrer werden gebraucht?

Mindestens so viele wie ausscheiden. Genaueres wissen wir im Frühjahr, wenn feststeht, wieviele Kinder an den einzelnen Schulen angemeldet und wieviele Klassen gebildet werden.

Bis Mitte November fand die alljährliche Befragung der Lehrer statt, ob sie in Teilzeit arbeiten wollen. Geht es dabei um Lehrer aller Schularten?

Nur die Lehrer an den Gymnasien und BSZ haben einen Brief von uns bekommen. Das wird letztmalig so sein. Generell können uns die Lehrkräfte jeweils bis 31. Januar mitteilen, ob sie den Beschäftigungsumfang ändern möchten.

Wieviele Lehrer arbeiten denn gegenwärtig in Teilzeit?

33,5 Prozent, also jeder dritte Lehrer. Dieser Prozentsatz ist über die Jahre relativ konstant geblieben. Da erwarte ich auch für das kommende Schuljahr keine einschneidenden Veränderungen.

Der Elternwille soll offenbar mehr Gewicht bekommen. "Jedes Kind und jeder junge Mensch soll zu jeder Zeit unabhängig von seiner Herkunft in seiner Entwicklung gefördert werden. Dabei ist für uns der Elternwille eine maßgebliche Richtschnur", heißt es im neuen Koalitionsvertrag von CDU und SPD. Könnte das dazu führen, dass die Bildungsempfehlung wegfällt, die ja einen Zensuren-Durchschnitt von 2,0 für den Besuch des Gymnasiums vorschreibt?

Nein, ich rechne nicht damit, dass die Bildungsempfehlung in Sachsen abgeschafft wird. Dass die Empfehlungen in der vierten Klasse im Großen und Ganzen zutreffend sind, sieht man daran, dass vergleichsweise wenige Schüler später die Schulart wechseln. In Dresden sind im vergangenen Schuljahr nur 1,8 Prozent der Jungen und 1,1 Prozent der Mädchen vom Gymnasium an die Oberschule gewechselt. Etwas angestiegen ist die Zahl der Oberschüler, die den Sprung ans Gymnasium gewagt haben. Es sind 0,5 Prozent der Jungs und 0,7 Prozent der Mädchen. Das ist ja auch gewollt so. Wir haben Hürden abgebaut, um die Durchlässigkeit zu erhöhen und beispielsweise auch an der Oberschule die zweite Fremdsprache flächendeckend schon ab Klasse 6 eingeführt. Um es klar zusagen: Ohne Bildungsempfehlung hätte ich Sorge um das Wohl des einen oder anderen Kindes. Es wäre ihm nämlich nicht geholfen, wenn überehrgeizige Eltern den Besuch des Gymnasiums durchdrücken könnten, wenn das Kind nicht die Voraussetzungen dafür mitbringt. Was zählt, ist die individuelle Leistung des Kindes.

Viele Referendare beklagen sich über die enorme Belastung, die die von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzte Referendarausbildung mit sich bringt. Wie lange sollte der Vorbereitungsdienst Ihrer Meinung nach dauern?

Seit einem Jahr gibt es das verkürzte Referendariat. Wir haben natürlich Gespräche geführt, haben die Leistungen verglichen. Jetzt schon ein Resümee ziehen zu wollen, erscheint mir trotzdem etwas voreilig. Wenn Sie meine persönliche Meinung wissen wollen: Ich finde anderthalb Jahre angemessener als nur ein Jahr. Was die Ausbildungsinhalte, die Prüfungen und das Einstellungsverfahren betrifft, haben wir im Moment ganz, ganz enge Zeitschienen, die nur schwer zu halten sind.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.12.2014

Gespräch: Katrin Richter

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