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Lokales Lehramtsabsolventin aus Dresden bekommt einen Job in Nünchritz
Dresden Lokales Lehramtsabsolventin aus Dresden bekommt einen Job in Nünchritz
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23:05 09.09.2015
Stammt aus Dresden, hat in Potsdam Lehramt Gymnasien studiert, in Hamm ihr Referendariat gemacht, fängt im September in Nünchritz an der Grundschule an und will zwei oder drei Jahre später an ein Gymnasium nach Dresden: Lehramtsabsolventin Julia Kohl. Quelle: Carola Fritzsche
Dresden

Eine davon hat die angehende Lehrerin Julia Kohl bekommen. Allerdings ist die 28-Jährige keine ausgebildete Grundschulpädagogin. Die Dresdnerin hat Lehramt Gymnasien studiert. Im Bereich der Regionalstelle Dresden der Bildungsagentur gehen bislang sieben angehende Gymnasiallehrer an die Grundschulen.

Frage: Was genau und wo haben Sie studiert?

Julia Kohl: Zunächst: Ich bin in Dresden aufgewachsen, habe am Gymnasium Cotta mein Abi gemacht. Ich habe an der Uni in Potsdam Lehramt Gymnasien für die Fächer Geografie und Englisch studiert. Ich hätte auch hier in Dresden an der Uni anfangen können, wollte aber erst mal weg. Erdkunde hat mich schon in der Grundschule fasziniert. Darüber, ob die beiden Fächer später einmal gefragt sein würden im Schuldienst oder nicht, habe ich mir damals keine Gedanken gemacht.

Warum haben Sie sich nicht fürs Lehramt Grundschule entschieden?

Ich wollte mich absichern. Ich dachte mir, wenn es mit dem Lehramt nicht klappen sollte, habe ich wenigstens ein Fach auf so hohem Niveau studiert, dass ich später auch noch andere Möglichkeiten habe. Mir hat das Lehramtsstudium dann aber so viel Spaß gemacht, dass für mich jetzt nichts anderes mehr in Frage kommt.

Wo haben Sie sich fürs Referendariat beworben?

Überall. Ich habe Bewerbungen für elf Bundesländer geschrieben. Das Studium selbst habe ich mit der Note 2,2 abgeschlossen. Geklappt hat es dann in Nordrhein-Westfalen (NRW), genauer an einem Gymnasium in Hamm am östlichsten Zipfel des Ruhrgebiets.

Welche Klassen haben Sie unterrichtet im Referendariat?

Alle von der 5. bis zur 12. Klasse sowohl in Englisch als auch in Geografie. In NRW sind wir angehalten worden, alle zwei Monate die Klasse zu wechseln, um einen Überblick zu bekommen. Zwei Jahre hat mein Referendariat gedauert.

Wo haben Sie sich anschließend für eine Lehrerstelle am Gymnasium beworben?

Nur in Thüringen und bei der Sächsischen Bildungsagentur in Dresden (SBAD). Mein Vater kommt aus Thüringen und ich habe dort auch noch Familie und ein paar Freunde. Mein Ziel war ja aber, nach Sachsen zurückzukehren. In NRW wäre mir eine Stelle sicher gewesen. Die suchen jetzt noch Gymnasiallehrer. Ich wollte mich aber nicht verbeamten lassen, weil man sich damit verpflichtet, fünf Jahre an einer Schule zu bleiben.

Weil in Sachsen am Gymnasium keine Stelle mehr frei war, haben Sie sich schließlich für die Grundschule entschieden. Richtig?

Genau. In der Bildungsagentur hat man mir gesagt, dass ich an der Grundschule die größeren Chancen hätte. Ich habe mir dann selbst gesagt, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, die Kleineren zu unterrichten und zu wissen, mit welchen Fähigkeiten sie zum Gymnasium kommen. In zwei, drei Jahren werden ja dann auch massiv Lehrer an den Gymnasien gesucht. Ende Juni hab ich die Zusage für die Grundschule in Nünchritz bekommen. Das liegt zwischen Riesa und Großenhain.

Haben Sie sich die Schule schon mal angeschaut?

Ja, ich war vorgestern dort. Es ist ein schön saniertes Gebäude, in dem sich auch die Mittelschule befindet. Ich glaube, die Kollegen dort sind froh, dass sie jetzt jemanden haben, der fest als Englischlehrer da ist. Und sie sind auch sehr hilfsbereit. Ich werde also die 3. und 4. Klassen unterrichten, decke damit den gesamten Englischunterricht an der Schule ab. Vor mir haben nur von anderen Schulen abgeordnete Lehrer dort Englisch gegeben.

Dennoch: Sie haben nicht gelernt, wie man Grundschülern die ersten Englischvokabeln beibringt.

In der SBAD hat man mir beim Einstellungsgespräch zugesichert, dass es Qualifizierungsmöglichkeiten geben wird. Auf der anderen Seite habe ich eine pädagogische Ausbildung, die ich auch bei den Kleinen anwenden kann. Ich habe ja gelernt, wie man eine Unterrichtsstunde plant. Natürlich wird es eine Umstellung. Trotzdem: Alles in allem bin ich entspannt und freue mich auf die Kinder.

Wie lange bleiben Sie jetzt an der Grundschule?

In zwei Gesprächen hat man mir ganz klar gesagt, dass ich schon zwei, maximal drei Jahre bleiben sollte und mir dann aber keine Steine in den Weg gelegt würden, wenn ich ans Gymnasium will. Eine Garantie im Arbeitsvertrag habe ich nicht.

Werden Sie als Gymnasiallehrer bezahlt?

Nein, als Grundschullehrer. Das dürften etwa 300 Euro weniger sein. Aber ich sehe auch die Vorteile. Ich bin Vollzeit unbefristet angestellt. Davon kann man in der Wirtschaft nur träumen.

Ziehen Sie jetzt nach Nünchritz?

Nein, ich bleibe in Dresden wohnen. Vom Hauptbahnhof brauche ich 40 Minuten bis hin. Ich bin ledig, ich bin ungebunden. Das ist alles kein Problem.Da nehmen andere viel längere Arbeitswege in Kauf. Als ich noch in Potsdam gewohnt habe und einen Studentenjob am Alex in Berlin hatte, bin ich täglich eine Stunde hin und eine zurück gefahren.

Gespräch: Katrin Richter

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