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Lokales Legendärer Fasching an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden
Dresden Lokales Legendärer Fasching an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden
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09:01 27.02.2017
Schon die Eintrittskarten für die Faschingsfeiern an der Kunsthochschule waren kleine Kunstwerke und hochgefragt.  Quelle: Feustel
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Dresden

 Gefeiert wurde und wird in Dresden viel – auch zur Faschingszeit, aber eine ausgesprochene Karnevalshochburg war die Stadt nie. Die Dresdner gelten eher als Faschingsmuffel, was zum Beispiel den DDR-Funktionären ganz lieb war. Selbstorganisierte Faschingsfeiern, viele Besucher und dann noch verkleidet – ein Alptraum. Was hätte unter dem Deckmantel der karnevalistischen Redefreiheit alles gesagt werden können und dann noch Big-Band statt Oktoberclub – um Himmelswillen.

Eine legendäres Faschingsereignis gab es allerdings - und das gerade zu DDR-Zeiten - in Dresden doch: der Künstlerfasching, der ab den 1960-er Jahren an der Hochschule für Bildende Künste gefeiert wurde und die Tradition der früheren Gauklerfeste ablöste. Abwechselnd ging es an der Güntzstraße und im alten Akademiegebäude auf der Brühlschen Terrasse hoch her. Die Feiern hatten Kultstatus. Jeder Dresdner über 16 hatte von ihnen gehört, die wenigsten haben sie erlebt. Karten waren knapp.

Klaus Peter Feustel mit seinem Buch „Bleib immer treu und rödlich“. Quelle: Monika Löffler

Das waren nicht einfach Faschingsveranstaltungen, dass waren Ereignisse. Da stimmte alles – Dekoration und Programm. Kein Wunder bei Kunststudenten, die hatten nicht nur die kreativen Köpfe,sondern auch die Mittel und Möglichkeiten. „Das Besondere waren die Ideen, Dekorationen und die gebotenen Programme“ erinnert sich Klaus Peter Feustel. Der 79-Jährige studierte Stadtmalerei und Bühnenbild und hat viele der Feiern erlebt und mitorganisiert. „Decken, Wände, alles war mit bemalten Leinwänden dekoriert. Schon lange vorher wurde mit den Vorbereitungen begonnen. Ich war damals am Theater, waren abgespielte Bühnenausstattungen noch tauglich, liehen wir sie den Studenten oder halfen beim Bau.“ So wurde zum Beispiel ein zwölf Meter langes „Seeungeheuer“ für „Nass in Loch Ness“ auf dem Landweg von den Werkstätten über den Theaterplatz zur Kunsthochschule eskortiert. Schon im Vorfeld ein Gaudi für alle.

Jede Fete stand unter einem bestimmten Motto, darauf waren nicht nur die Dekorationen, sondern auch die Programme abgestimmt und die waren oft kabarettistische Leckerbissen. Da machten sich einige Leute Luft. Natürlich als gelernter DDR-Bürger zwischen den Zeilen, aber trotzdem verständlich. Matz Griebel, später Chef des Dresdner Stadtmuseums, ist Klaus Peter Feustel da in besonderer Erinnerung. „Der war ja so talentiert. Es war herrlich, wenn er zu später Stunde seine fiktiven Stadtrundfahrten oder Führungen durch die Kunstausstellung zum Besten gab und die Arbeiter- und Bauernmacht ihr Fett wegbekam.“

Logisch, das so viel unkontrollierte Feierwut dazu noch unter dem Schutz der Redefreiheit beim Karneval der holden DDR-Obrigkeit ein Dorn im Auge war. Zwar wurde im Vorfeld vieles unter die Lupe genommen – aber live ist nun mal live. Und die Genossen mischten sich unters Feiervolk. „Da gab es oft Ärger, dann musste die FDJ-Leitung der Schule den Kopf hinhalten oder der nächste Fasching wurde gestrichen“, erzählt Feustel. 1965 hatte man mit „Nass in Loch Ness“ zu sehr über die Strenge geschlagen. „Ramsch im Safe musste im Jahr darauf ausfallen. Griebel bekam Hausverbot. Stasi und Partei hingen sich immer mehr rein und verordneten sozialistische Faschingsfreuden. Der Spaß war nur noch der Halbe.“

Aber nicht nur die Obrigkeit, auch manch brave Mutter war empört, wenn das Töchterchen zum Hochschulfasching wollte. Hinter vorgehaltener Hand wurde von Sündenbabel und ausschweifenden Orgien geflüstert. Ein bisschen Erotik gehört zum Fasching dazu, aber war das wirklich Sodom und Gomorra? „Nein“, sagt Feustel. „Aber am genauesten wissen es ja immer die, die nicht da waren. Da spielt wohl die Fantasie eine große Rolle. Wer mit solchen Erwartungen kam, war dann sicher enttäuscht.“

Irgendwann ging den kreativen Partys die Luft aus. Der Spaß an der Freude, den man früher schon bei den Vorbereitungen hatte, war nicht mehr da. „Für viele war das wohl zu anstrengend. Die Studenten änderten sich mit der Zeit, das Miteinander war nicht mehr dasselbe, der Trend ging immer mehr zum Einzelkämpfer“, meint Feustel. Schade!

Von Monika Löffler

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