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Lokales Laser lässt Fake-Ledertapete wieder schillern
Dresden Lokales Laser lässt Fake-Ledertapete wieder schillern
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07:39 05.07.2018
Lederimitattapete: unten der bereits gereinigte Bereich. Oben ist die Tapete noch von dem braunen Lack bedeckt. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

„Das hatten wir uns etwas einfacher vorgestellt“, sagt Ulrich Finger, der Chef der Messe Dresden GmbH. Diese trägt als Betreiber die Verantwortung für Schloss Albrechtsberg, das sich in Besitz der Stadt Dresden befindet.

Ulrich Finger lässt gerade – begleitet vom Denkmalschutz – das Arbeitszimmer des Prinzen sanieren und restaurieren. „Eigentlich wollten wir damit schon im Dezember 2016 fertig sein. Jetzt hoffen wir, dass wir die Arbeiten im Dezember 2018 abschließen können.“

Unliebsame Überraschungen

So richtig sicher ist er sich da aber nicht, denn die alte Bausubstanz hält immer wieder unliebsame Überraschungen parat. „Wir hatten gar nicht auf dem Schirm, dass die aufwändig geprägte und bemalte Tapete – ein Lederimitat aus Pappe – mit einer dunklen Farbe überlackiert worden ist.“ Diese galt es abzutragen.

Oliver Ander von der Restaurierungswerkstatt Schirmer und Ander reinigt mit einem transportablen Laser die Lederimitattapete. Quelle: Dietrich Flechtner

Aber wie? „Wir haben vieles probiert“, sagt Finger. Am Ende kam ein vom Fraunhofer Institut entwickelter Laser zum Einsatz, mit dessen Hilfe die oberste Lackschicht bildlich gesprochen pulverisiert wird. Jetzt schillern die mit Metallfarbe überzogenen Ornamente wieder.

Lederimitattapete: unten der bereits gereinigte Bereich. Oben ist die Tapete noch von dem braunen Lack bedeckt. Quelle: Dietrich Flechtner

Schwamm in der Außenwand

Im unteren Teil des Zimmers sind die Wände nackt. Denn „die abgebaute Wandvertäfelung wird derzeit restauriert“, erklärt der Hausherr. Bei dieser Gelegenheit kam auch Schwamm in der Außenwand zum Vorschein. „Er war zwar tot, aber entfernt werden musste er trotzdem.“

Diese Wendeltreppe – versteckt hinter einer Wandverkleidung – ist der Beginn eines Geheimganges vom Prinzen-Arbeitszimmer bis in den Keller. Ob der Geheimgang bis zur Elbe führt, ist noch nicht geklärt. Quelle: Dietrich Flechtner

Dritte Hürde war die Sanierung des Geheimganges. Vom Prinzenarbeitszimmer in der Beletage führt eine Wendeltreppe hinab bis in den Keller zu einer zugemauerten Stelle.

Wahrheit der Legende noch nicht geklärt

Ob die Legende stimmt, dass der Geheimgang bis zur Elbe reicht, ist noch nicht klar. Aber immerhin ist der Geheimgang im Haus jetzt klimatisiert, „damit keine Wärmebrücke entsteht“, nennt Ulrich Finger eine weitere erforderliche Baumaßnahme, mit der er nicht gerechnet hatte.

Die Kosten für die Sanierung des Prinzen-Arbeitszimmers summieren sich mittlerweile auf 450 000 Euro, sagt der Messechef. 70 Prozent der Kosten werden durch das Land Sachsen gefördert. „Trotzdem kommen wir mit den 30 Prozent, die wir aufbringen müssen, schon an die Grenze.“

Denn die Stadt schießt zwar pro Jahr 500 000 Euro brutto für das Schloss zu. „Abzüglich aller Kosten, zuzüglich der Einnahmen, die wir erzielen, können wir jährlich nur zwischen 100 000 und 200 000 Euro verbauen“, rechnet der Messechef vor.

Noch mehr prächtige Räume, die bislang nicht genutzt werden können

Dabei gibt es viel zu tun. Denn das Schloss hat in den beiden Seitenflügeln noch mehr prächtig ausgestaltete Räume, die dringend saniert werden müssen.

Die Südterrasse am Schloss Albrechtsberg ist jetzt mit Sandsteinen belegt. Quelle: Dietrich Flechtner

Nachdem nun die Bauarbeiten an der Südterrasse abgeschlossen sind, die Besucher auf Sandsteinplatten laufen und nicht mehr so viel Sand ins Schloss tragen, hat Ulrich Finger das Schlafzimmer der einstigen Dame des Hauses – Prinz Albrechts Gattin Rosalie – im Fokus. Hier will er das Parkett und die Heizkörper auswechseln lassen.

Der Blaue Salon ist eines der stark sanierungsbedürftigen Zimmer im Schloss. Quelle: Dietrich Flechtner

Prächtige Räume im Schloss Albrechtsberg

Gartensaal: Er befindet sich in der unteren Etage und führt auf die Südterrasse. Auf den Emporen zeigen Landschaftsmalereien die Lieblingsreiseziele von Prinz Albrecht: Kairo, Konstantinopel, Meran und Neapel.

Billardsaal mit Teezimmer: Sie grenzen an den Gartensaal an und ermöglichten den Durchgang zur ehemaligen Bibliothek des Hauses. Die Räume haben schöne Holzimitationen und eine besondere Deckengestaltung.

Herrschaftstreppe: Die frei tragende runde Treppe aus weißem Marmor und einem mit Blattgold verzierten Treppengeländer führt vom Foyer aus in die obere Etage. Auf dem Weg nach oben eröffnet sich dem Besucher eine prächtig ausgestaltete Kuppel. Diese zeigt die Bildnisse der Vorfahren Prinz Albrechts aus der Dynastie der Hohenzollern von Kurfürst Friedrich I. bis zu König Friedrich Wilhelm III., dem Vater des Hausherrn.

Kronensaal: Er ist der prunkvollste Raum des Schlosses – ein Meisterwerk des preußischen Spätklassizismus mit großen, goldgerahmten Spiegeln, Landschaftsmalereien, reich dekorierter Kassettendecke und Kronleuchter mit 80 Kerzen.

Roter Salon „Rosalie“/Roter Salon „Albrecht“: Die ehemaligen Empfangssalons erhielten ihre Namen aufgrund der purpurnen Tapeten. Mit ihnen beginnen die ehemaligen Wohnbereiche Prinz Albrechts und seiner Gattin Rosalie. Der Prinz bewohnte den westlichen, die Gräfin den östlichen Seitenflügel der Beletage.

Prinzensalon / Blauer Salon: Die ehemaligen Wohnzimmer des Prinzen und der Gräfin sind aufgrund ihrer Deckengestaltung bemerkenswert. Die Decke des Prinzensalons zieren Darstellungen von Tierkreiszeichen und den vier Jahreszeiten. Im Blauen Salon zieht eine literarisch gestaltete Kassettendecke mit dem Gott Apoll und seinen neun Musen den Blick des Betrachters an.

Lederzimmer: Ehemaliges Arbeitszimmer des Prinzen, dessen Wände mit einer lederimitierten Tapete ausgeschmückt sind. Der Blick in den Spiegel offenbart eine eindrucksvolle Sichtachse mit Blick durch alle Säle und Salons der Beletage.

Spiegelsaal: Das frühere Speisezimmer der Familie ist auf den ersten Blick vollständig in amerikanischer Eiche ausgeführt. Doch der Schein trügt. Nur der untere Wandbereich ist mit Echtholz verkleidet, die oberen Partien einschließlich der Decke werden von einer meisterlich ausgeführten Holzimitation dekoriert. Die kunstverglasten Fenster lassen auch tagsüber den Raum in ein nur mattes Licht eintauchen.

Türkisches Bad: Badezimmer des Schlosses. Das Marmor-Bassin ist von einem mit sechs Säulen gestützten Baldachin aus reich verziertem Stuck überdacht. Vermutlich haben die damalige Orientmode und seine zahlreichen Reisen Prinzen Albrecht zur Einrichtung eines solchen Kabinetts inspiriert.

Quelle: Schloss Albrechtsberg

Von Catrin Steinbach

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