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Lokales Lahmann-Sanatorium: Desolates Haupthaus wird für acht Millionen Euro saniert
Dresden Lokales Lahmann-Sanatorium: Desolates Haupthaus wird für acht Millionen Euro saniert
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20:39 31.03.2017
Quelle: Anja Schneider
Dresden

 Das von der Bautzner Landstraße her gut sichtbare sanierungsbedürftige Haupthaus des einstigen Lahmann-Sanatoriums auf dem Weißen Hirsch an der Ecke Stechgrundstraße hat die längste Zeit vor sich hin gegammelt. Ein Bauschild kündet vom baldigen Sanierungsbeginn des einst repräsentativen Eckhauses. Die Palais Weißer Hirsch GmbH hat das Gebäude Ende 2015 von der Baywobau gekauft. Dahinter verbergen sich die drei Investoren Rico Richert, Georg Hartmann und der Architekt Gunter Hildebrandt. „Wir haben das denkmalgeschützte Gebäude zwar in einem ruinösen Zustand vorgefunden, die Substanz ist jedoch unbedingt erhaltenswert“, berichtet Hartmann. Die Investoren gehen davon aus, dass es – abhängig vom Verkauf der Praxis- und Gewerbeeinheiten sowie der Wohnungen – noch im Frühjahr mit den Bauarbeiten losgehen kann. Die Investitionssumme liegt bei etwa acht Millionen Euro. Im Gartengeschoss, im Erd- und im ersten Obergeschoss sollen zehn Gewerbeeinheiten – diverse Arztpraxen, arztnahe Berufe und eine Apotheke – entstehen. Im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss sind sieben Wohnungen zwischen 78 und 156 Quadratmetern vorgesehen. Man könne aber auch Flächen bis zu 250-Quadratmeter-Wohnungen zusammenlegen. Die Wohnungen kosten Hartmann zufolge zwischen 3900 und 4100 Euro pro Quadratmeter, die Praxen zwischen 3650 und 3800 Euro pro Quadratmeter. „60 Prozent der Gewerbeeinheiten sind vertraglich gebunden, bei den Wohnungen verhandeln wir mit Eigennutzern und Kapitalanlegern“, berichtet Hartmann. Ende 2018 soll alles fertig saniert sein. „Wir wollen die Substanz weitestgehend erhalten und beispielsweise den Eingangsbereich mit seinen Wandvertäfelungen und Holztreppen, das alte Stahltreppenhaus, die Aufzugsanlage und den historischen Lesesaal mit dem gewölbten Glasdach restaurieren, der später Teil einer Praxis wird“, erklärt der Investor. Glasschwingtüren, hölzerne Wandschränke und Raumabtrennungen aus Holz und Glas sind Hartmann zufolge erhalten geblieben und können nach der Restaurierung wieder Verwendung finden und eingebaut werden. Die historische Klinkerfassade und auch die beiden Türme sollen ebenso wie die Pergola vorm Haus originalgetreu saniert werden. Die Pergola vorm Haus werde, soweit es städtebaulich möglich ist, erhalten, so Hartmann. Der Investor bedauert, dass das Haupthaus erst von der Baywobau und nicht schon 1991 gesichert wurde, als die Russen das Lahmann-Sanatorium verlassen hatten. „Damals war das Gebäude noch intakt.“

Was den eigentlichen Wohnpark anbelangt, gestaltet die Gartenbaufirma Thümer gerade den letzten Teil der Gartenanlage zwischen Wandelgang und Damenbad, Hirsch- und Doktorhaus denkmalsgerecht und beendet damit die Arbeiten auf dem Areal. „Ich bin schon stolz auf das, was hier entstanden ist“, sagt Baywobau-Chef Berndt Dietze mit Blick auf „sein“ Werk, die im Spätsommer abgeschlossene Sanierung des Heinrichshofs, des Herrenbades, des Doktor- und Hirschhauses sowie des Damenbades. Sehr viele zufriedene Menschen würden dort und in den 14 neugebauten Einfamilienhäusern und den drei Stadtvillen wohnen. Insgesamt 45 Millionen Euro investiert die Baywobau in die Sanierung des Areals. Andererseits bekümmert Dietze ein gutes Stück, die Wirtschaftlichkeit nicht erreicht zu haben, wie er sagt. Würde er sich noch mal die Mammutaufgabe zumuten und das marode Lahmann-Sanatorium sanieren, wenn er die Wahl hätte? „Ganz klar – ja“, antwortet er. „Ich würde allerdings manches anders machen“, fügt er hinzu, ohne konkreter werden zu wollen. Nur so viel sagt er: „Ein wirtschaftlich starkes Unternehmen wie die Baywobau kann die Kraft aufbringen, eine solche Herausforderung zu meistern und damit auch die Verantwortung gegenüber der Stadt zu übernehmen, das Begonnene vollständig zu beenden.“

Fertig saniert ist inzwischen nicht nur der Heinrichshof, in dem Lahmann selbst residierte, sondern auch das Doktor- und das Hirschhaus und das Herrenbad. Es werde jetzt Schritt für Schritt vermietet und sei zu 60 Prozent bezogen. „Eine Herausforderung war, den Wasserturm zu integrieren und Balkone, die es vorher nicht gab, so anzubringen, dass der Denkmalschutz zustimmen konnte“, erläutert Dietze. Und beim Anblick des restaurierten Nierenfensters im Herrenbad gerät er schon mal ins Schwärmen. „Dieses wunderschöne Jugendstilfenster ist was für die Ewigkeit.“

Verabschiedet hat sich die Baywobau wie gesagt von dem ursprünglichen Vorhaben, alle Gebäude selbst sanieren zu wollen. „Das hätten wir wirtschaftlich nicht hinbekommen“, stellt Dietze klar. Dafür brauche es Leute, die nicht auf die Uhr gucken. So wie Architektin Annien Rücker, die gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian das marode Gesellschaftshaus gekauft hat. „Es war in so desolatem Zustand, dass man die Ziegel mit der Hand herunternehmen konnte“, erklärt sie. Die Rückers bauen das denkmalgeschützte Gebäude jetzt aus. „Unser Architekturbüro soll hier drin Platz finden und auch das Glasstatik-Büro meines Mannes“, erklärt Annien Rücker. Zu Lahmanns Zeiten war das Gebäude eine Art Wandelhalle. Ein Umgang mit Sitzbänkchen säumte einst den erhöhten zentralen Raum, der früher als Lesesaal und Bibliothek gedient hatte. „In der Mitte standen Bistrotischchen, dort werden wir sicher unseren großen Besprechungstisch hinstellen“, überlegt Annien Rücker. Überhaupt sei das Gesellschaftshaus ein interessantes Gebäude gewesen. „Die Gäste gelangten über den Wandelgang hier hinein und dann weiter direkt in den Speisesaal. Apropos Speisesaal: Auch dieses baufällige Haus mit der wunderschönen Decke hat die Baywobau verkauft ebenso wie das einstige Heizhaus – das erste Gebäude, das man von der Bautzner Landstraße aus sieht, wenn man Richtung Bühlau hinaus fährt.

Von Katrin Richter

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