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Lokales Kulturwerkschule Pieschen will 2019 endlich starten
Dresden Lokales Kulturwerkschule Pieschen will 2019 endlich starten
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17:48 21.02.2019
Weil die Kulturwerkschule Pieschen erst gebaut werden soll, gibt es eine Interimslösung. Die Kinder werden im ersten Schuljahr (2019/20) in einem kleinen Schulhaus auf der Luboldtstraße am Weißen Hirsch unterrichtet. Quelle: bh
Dresden

Im August 2018 wollte in Pieschen die privat organisierte Kulturwerkschule Dresden mit einer Grund- und einer Oberschule starten. Alles war vorbereitet, dann kam das Aus vom sächsischen Landesamt für Schule und Bildung (Lasub). Nun nehmen Initiatoren neuen Anlauf. Mit einem der vier Gründer, Dr. Michael Hecht, haben wir gesprochen.

Was werden Sie diesmal bei den Anträgen anders machen?

Gute Frage, denn aus unserer Sicht hat da nichts gefehlt. Das Lasub hatte die Vorgaben vom Januar 2018 im Mai noch mal geändert – plötzlich mussten Fachlehrer auch für die Unterrichtsvertretung vorgehalten werden. Das haben wir geschafft, obwohl das schwer ist. Denn am Anfang gibt es ja nur wenige Klassen und also wenige Stunden, die bezahlt werden können.

Trotzdem kam die Ablehnung.

Gegen die Ablehnung speziell der Oberschule sind wir beim Lasub in Widerspruch gegangen. Der wurde als unzulässig zurückgewiesen. Echte inhaltliche Gründe kennen wir bis heute nicht. Das macht einen neuen Anlauf schwer. Deshalb klagen wir jetzt vor dem Verwaltungsgericht. Wir wollen prüfen lassen, was zur Ablehnung geführt hat. Dabei geht es auch um Schadenersatz.

Michael Hecht ist einer der Gründer der Kulturwerkschule in Pieschen. Nach der Niederlage 2018 soll in diesem Sommer nun alles klappen. Quelle: Anja Schneider

Und nun?

Parallel haben wir im November vorigen Jahres neue Anträge für die Kulturwerkschule gestellt. Wir suchen den Kontakt zu den Behörden, um die Kriterien festzuzurren, um alles zu liefern, was gebraucht wird, um unser Konzept plausibel zu machen.

War der Neustart nicht ein irrer Kraftakt?

Das kann man so sagen. Vieles war ja neben der Arbeit gelaufen, wir hatten uns ganz schön verausgabt. Und nun mussten wir die Leute versorgen, die bereits angefangen hatten. Die Mitarbeiter fürs Sekretariat haben wir aus eigener Tasche bezahlt, manche Lehrer sind woanders untergekommen. Wir haben uns lange in die Augen geschaut, aber eigentlich war klar: Wir machen das noch mal! Und zwar Grund -UND Oberschule!

Weit weg von Pieschen

Wie ist der Stand?

Im Januar gab es die ersten Bescheide vom Lasub, was alles fehlt. Wir hatten noch offene Punkte beim Objekt und beim Personal – aber das schaffen wir in der vorgegeben Frist. Alles in allem können wir bislang auf 15 Lehrer zugreifen, brauchen nur noch eine Fachkraft für Musik und für die Grundschule. Beim Objekt sind wir durch: Wir haben mit der Stadt einen Jahres-Mietvertrag für ein kleines schmuckes Schulgebäude am Weißen Hirsch abgeschlossen. Das ist im Obergeschoss sanierungsbedürftig, aber wir brauchen ja zunächst nur das Untergeschoss.

Der weiße Hirsch ist aber ein Stück weg von Pieschen...

Richtig, darüber lassen wir die Eltern, die uns ihre Kinder anvertrauen wollen, auch nicht im Unklaren. Die Alternative wäre in Pieschen eine Containerlösung für den Übergang. Aber wir können das Grundstück, das wir gegenüber dem Stadtteilhaus Rudi erworben haben, besser bebauen, wenn es leer ist.

Und wenn es doch die Container sein müssen?

Wenn wir nach Ablauf des ersten Jahres kein anderes Provisorium finden, kommen 2020 die Container. Das ist viel weniger furchtbar, als es sich anhört. Und mit der Baugenehmigung dafür sieht es derzeit gut aus.

Konzept mit den Schwerpunkten Kultur und Werken

Wie läuft es mit den Anmeldungen?

Wir wollen mit jeweils einer Klasse in der Grund- und in der Oberschule starten. Geplant sind jeweils 25 Schüler. Nach der ersten Runde im Januar waren nur noch 7 bzw. 8 Plätze frei. Ich denke, nach der zweiten Runde am 15. März brauchen wir keine dritte.

Was bieten Sie Eltern und Kindern?

Unser Konzept mit dem Schwerpunkt Kultur und Werken und von der vernetzten Schule in einem Stadtteil finden viele gut. Es ist ein solidarisches Konzept, weil es alle Schichten anspricht und das Leben in Pieschen widerspiegeln soll. Bei uns gibt es bis zur 9. Klasse keine Noten, langfristig streben wir altersübergreifenden Unterricht an. Wir berücksichtigen unterschiedliches Lerntempo durch individuelles Lernen, fördern aber auch gemeinsame Lernwege in der Gruppe, also die Kultur des Umgangs miteinander.

Wann soll das eigentliche Schulgebäude fertig sein, und wer bezahlt das?

Es soll in fünf Jahren stehen. Aufbau und Übergangsphase bezahlen die Gründer mit einem Kredit, den Schulbau auch. Nach der Gründungsphase fließen – zumindest auf dem Papier - 90 Prozent der Schulkosten aus staatlichen Mitteln.

Das geht dann aber nicht ohne Schulgeld.

Nein, bei uns sind das 100 Euro pro Kind plus die üblichen Zusatzkosten für Essen, Lernmittel, Klassenfahrten, Hort.

Voll im Zeitplan

100 Euro? Und was ist mit der erwünschten sozialen Durchmischung?

Bei uns gibt jeder, was er kann – manche mehr, manche eben weniger. Wir hoffen, dass das aufgeht. Außerdem gibt es schon jetzt Schulpatenschaften von Firmen und sogar von Leuten, deren Kinder lange aus der Schule sind. Unser Projekt hat viele Anhänger.

Wann soll die Schule am Rudi fertig sein?

Wir hoffen: 2024. Unser großes Ziel sind 600 Schüler und etwa 80 Lehrer. Weil das angestrebte Gebäude wohl nicht für eine zweizügige Sekundarstufe ausreicht, planen wir schon mit einem weiteren Standort.

Wie groß ist ihr Vertrauen, dass es diesmal mit beiden Schulanmeldungen klappt?

Wir sind sehr optimistisch und haben bereits die Schulverträge verschickt.

Nun heißt es Harren und Hoffen?

Ach was, wir unsere Vorbereitungen laufen auch Hochtouren. Wir liegen voll in unserem Zeitplan. Parallel suchen wir den engen Kontakt zu den zuständigen Behörden, aber auch zur Politik. Wir haben uns dazu auch mit anderen Schulinitiativen zum Netzwerk „Nessi“ zusammengeschlossen und tauschen uns mit den Dachverbänden der Freien Schulen aus. Es geht um das verbriefte Recht, freie Schulen zu gründen.

Was sagt denn die Politik?

Sachsens Bildungsminister Christian Piwarz hat immerhin schon mal ein paar Pflöcke eingehauen, auf die wir bauen. Er engagiert sich für einheitliche Verfahren im Freistaat bei der Genehmigung, für transparente Kriterien und die Gleichbehandlung staatlicher und freier Schulen.

Von Barbara Stock

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