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Kritik vom Dresdner Ausländerrat: Zu wenig Geld für Deutschkurse

Kritik vom Dresdner Ausländerrat: Zu wenig Geld für Deutschkurse

Im Keller des Ausländerrats Dresden reihen sich Tische aller Größen vor einer Tafel aneinander. Dr. Mohammed Afghani sitzt in der letzten Reihe und blättert suchend in einem Stapel Papier.

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Deutschunterricht im Ausländerrat: Shirin Dyanat unterrichtet Pavin Singhania (l.) aus Indien und Baloch Hyder (r.) aus Pakistan, die beiden sind mit Feuereifer bei der Sache.

Quelle: Carola Fritzsche

Der kleine Mann in kariertem Hemd und Jeans streicht sich über seine Halbglatze und die schwarzen Locken, die sich drumherum kräuseln. Er blickt zur Deutschlehrerin. "Was machst du gerne?", fragt sie langsam. Noch bevor Afghani antworten kann, ruft ein Tschetschene laut "Schlafen!". Die Kursteilnehmer lachen, auch Afghani schmunzelt.

Der 55-jährige Gynäkologe ist einer von 24 Asylbewerbern, die im Ausländerrat an einem Deutschkurs für Anfänger teilnehmen. "Deutsch ist eine schwere Sprache. Aber ich bin Arzt und ich will als Arzt arbeiten können. Ich bin nicht hier, um zu Hause zu sitzen und Geld vom Staat zu beziehen, dabei fühle ich mich wie ein Bettler." Afghani ist Palästinenser, der im libanesischen Exil aufwuchs. Im Libanon konnte er nicht arbeiten, musste für Bildung und Gesundheitsversorgung selbst zahlen. Seine Frau starb im Libanon an Leukämie, 84000 Dollar sollte die Behandlung kosten. "Wie kann ich in so einem Land bleiben? Was, wenn ich krank werde oder mein Sohn?" Afghani wendet das Gesicht ab. Mit seinem Sohn kam er 2012 nach Deutschland.

In den ersten zwölf Monaten haben Asylbewerber keine Arbeitserlaubnis und können keine vom Bund geförderten Sprachkurse besuchen. Um dieses erste Jahr zu überbrücken, entschloss sich der Ausländerrat Dresden, Deutschunterricht anzubieten. Mit 5000 Euro der Stadt Dresden stellte der Verein eine Honorarkraft ein und kaufte Lehrbücher. "Auf Dauer kann das aber keine Lösung sein", sagt Henriette Hanig vom Ausländerrat. "Eine Studentin unterrichtet hier Teilnehmer unterschiedlichster Sprachniveaus. Sie trägt dabei sehr viel Verantwortung und ist natürlich kein Profi, denn dafür reicht das Geld einfach nicht." Die Sozialpädagogin fordert ein offizielles, städtisches Kursangebot nach dem Leipziger Vorbild.

In Leipzig können Asylbewerber seit 2008 auch im ersten Jahr Deutschunterricht besuchen. Ein Antrag der SPD-Fraktion im Stadtrat dazu wurde 2007 in erster Lesung angenommen, seitdem sind 9700 Euro jährlich fester Bestandteil des Leipziger Haushalts. Etwa 65 Asylbewerber nutzen das Angebot jährlich, allein im ersten Quartal 2013 waren es bereits 31. Einen Gutschein des Sozialamts über 200 Unterrichtsstunden können Asylbewerber bei der Volkshochschule (VHS) einlösen. Je nach Sprachniveau nehmen sie dort an bereits bestehenden Kursen teil.

Damit habe man sich auch gegen Stigmatisierung und Isolation der Asylbewerber eingesetzt, sagt Silke Friedemann von der VHS Leipzig. "In einem städtischen Haushalt, wo es um Millionen geht, fallen diese knapp 10000 Euro doch kaum auf. So viel Geld muss einfach da sein. Die Stadt will so ihren Beitrag zur Integration leisten und ein positives Signal setzen, mit dem man den Menschen die Hand reicht", erläutert Friedemann.

In Dresden hingegen bleibt es vorerst bei den Kursen des Ausländerrates. Wer dort keinen Platz bekommt, kann sich an die Initiative Deutschkurse Asyl Migration Flucht (DAMF) wenden, die ehrenamtlich kostenlosen Sprachunterricht anbietet. Die VHS Dresden hat sich der Stadt als Partner angeboten, um ein Konzept für Sprachkurse nach dem Leipziger Modell zu erarbeiten und durchzuführen. Doch laut der Dresdner Ausländerbeauftragten Dr. Uta Kruse fehlt dazu das Geld. "Die Frage ist, was finanziert werden kann, und da werden dann Prioritäten gesetzt", sagt Kruse. Ihr Antrag auf 25000 Euro für 2013 wurde abgelehnt. Sprachkurse für Asylbewerber seien außerdem keine Pflichtaufgabe der Stadt, sagt Kruse. Sie dankt den gesellschaftlichen Initiativen, auf deren ehrenamtliche Arbeit sie weiter baut.

Dr. Afghani versteht das nicht, in Deutschland herrsche doch Fachkräftemangel. "Ohne Deutschkurs verlieren wir Zeit, die wir nutzen können, um danach schnell Arbeit zu finden", sagt der Arzt. "Ich will hier nicht reich werden, ich will kein Schloss. Ich möchte meinen Sohn zur Schule schicken und dass wir zum Arzt gehen können, wenn wir krank sind."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.05.2013

Miriam Kruse

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