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Kritik an Baumfällungen in der Dresdner Heide

Grüne kontra Forstbezirk Kritik an Baumfällungen in der Dresdner Heide

Wenn Bäume gefällt werden, gibt es Ärger. Das ist auch am Konzertplatz auf dem Weißen Hirsch so. Anfang März ließ der Staatsbetrieb Sachsenforst dort zahlreiche Bäume umsägen. „Bürgerinnen und Bürger haben sich bei mir darüber beschwert“, so Christiane Filius-Jehne, Fraktionsvorsitzende und Stadträtin für die Grünen in Loschwitz.

Wenn Bäume gefällt werden, gibt es Ärger. Das ist auch am Konzertplatz auf dem Weißen Hirsch so.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Wenn Bäume gefällt werden, gibt es Ärger. Das ist auch am Konzertplatz auf dem Weißen Hirsch so. Anfang März ließ der Staatsbetrieb Sachsenforst dort zahlreiche Bäume umsägen. „Bürgerinnen und Bürger haben sich bei mir darüber beschwert“, so Christiane Filius-Jehne, Fraktionsvorsitzende und Stadträtin für die Grünen in Loschwitz. Auch sie war „entsetzt über die Ausmaße und die Art und Weise der Fällungen“, wie es in einer Mitteilung der Grünen heißt. Mindestens 40 Bäume seien im Bereich zwischen Kurparkstraße und Mordgrundwasser mit schwerem Gerät gefällt worden, darunter viele gesunde und alte Bäume, außerdem wurden Gehölze und Sträucher entfernt“, hat die Stadträtin beobachtet. Für den umweltpolitischen Sprecher der Grünen -Landtagsfraktion Wolfram Günther Anlass, mit zwei Kleinen Anfragen bei der Staatsregierung nachzuhaken und unter anderem nach der Entwicklung der Holzeinschlagszahlen in der Dresdner Heide in den letzten 10 Jahren zu fragen.

Die Staatsregierung teilte ihm daraufhin mit, dass in der Dresdner Heide seit 2013 jährlich durchschnittlich 30.000 Festmeter Holz entnommen werden und die Fällungen in vollem Umfang den postulierten waldbaulichen Grundsätzen bei der Bewirtschaftung des Freistaates Sachsens entsprechen. Doch Filius-Jehne ist skeptisch. „Ich bezweifle, dass, wie von der Staatsregierung behauptet, alle Fällungen ausschließlich der Verkehrssicherheit und der Naturverjüngung dienen und die Holzqualität und damit Ertragsaussichten, keine Rolle gespielt haben. Dagegen sprechen die Fällungen von großen, offenbar gesunden Bäumen, wie zum Beispiel an der Fischhausstraße zu sehen war. Hier liegt die Vermutung sehr nahe, dass Erlös- und Profitabsichten durchaus eine Rolle spielen.“ Dabei sei gerade der Wald mit den großen alten Bäumen auf dem Weißen Hirsch für die Erholung von Anwohnerinnen und Anwohnern und das Ortsbild wichtig, betont die Loschwitzerin.

Dafür hat Heiko Müller, im Forstbezirk Dresden für den Staatswald zuständig, durchaus Verständnis. Und doch mussten die Bäume auf dem Weißen Hirsch fallen, meint er. „Die Entscheidung, dort die Buchen zu fällen, haben wir uns alles andere als leicht gemacht. Im Rahmen einer Masterarbeit mit der TU Dresden wurde eine Konzeption für das Gebiet erarbeitet, die gerade die Besonderheiten auf dem Weißen Hirsch mit intensivster Erholungsnutzung, den ökologisch wertvollen Baumbeständen und forstlichen Belangen zu Verjüngung der Waldbestände bewertet und berücksichtigt. Wir haben den Einschlag auch bis an einen Punkt herausgezögert, an dem wirklich gehandelt werden musste, da an einer Reihe von Bäumen in Wegenähe ganze Kronenteile oder große Äste abzubrechen drohten, da die Bäume einfach altersmäßig in die Zerfallsphase kommen.“ Zu groß sei nun die Gefahr für Waldbesucher oder gar Kinder gewesen. „Ein Buchen-Ast von nur zehn Zentimeter Durchmesser aus 20 Meter Höhe ist tödlich“, erklärt er. Bei den Tausenden von Waldbesuchern, Kindergartengruppen, und Konzertbesuchern im Jahr seien zerfallende Altbuchen wirklich ein Problem. Außerdem seien die Buchen keineswegs mit „schwerem Gerät gefällt“ worden, sondern von den Waldarbeitern und Azubis mit der ganz normalen Motorsäge. Dass das nicht ohne Lärm und Schaden an den Wegen abging, sei klar. „Das Fällen einer großen Buche mit fünf Festmeter Holz geht natürlich weder geräuschlos noch völlig ohne Schaden vor sich“, räumt er ein, versichert aber auch, dass die Waldarbeiter unter diesen Bedingungen mit den vielen Waldwegen, Besucherverkehr während der Fällarbeiten, jeder Menge Naturverjüngung und natürlich größtmöglicher Rücksichtnahme auf die verbleibenden Bäume, Maßarbeit geleistet haben.

Um die Stämme an den Abfuhrweg zu bringen, bedurfte es einer Rückemaschine, da die größeren Stämme zwei bis drei Tonnen wiegen können. Trotzdem seien kaum Schäden an den Waldwegen entstanden. Auch ein Pferd sei im Einsatz gewesen, um Waldbestand und Wege zu schonen. Aber auch das habe kräftemäßig „irgendwo seine Grenze“.

Dem GRÜNEN-Vorwurf, hier sei es nicht um Gefahrenabwehr, sondern um Gewinn aus dem Holz-Verkauf gegangen, widerspricht Müller ganz entschieden. „Finanzielle Interessen oder Zwänge Seitens der Staatsregierung haben bei diesem Holzeinschlag überhaupt keine Rolle gespielt“, versichert er. Zumal das Holz einer 200-jährigen Buche von der Sägeindustrie deutlich schlechter bewertet würde, als das einer 100-jährigen Fichte. „Das ist für uns als Förster sehr unbefriedigend“, sagt der Forstbeamte. Denn der Preis spiegele den Wert eines solchen Baumes in keiner Weise wider. „Wenn wir Geld gebraucht hätten, hätten wir irgendwo in der Heide 200 Festmeter Fichten gefällt. Das wäre mit viel weniger Aufwand verbunden und hätte sicher mehr Holzerlöse gebracht“, ergänzt er.

Wie sich die Dinge an der Fischhausstraße darstellen, kann Müller nicht sagen. „Dort haben wir gar keine Bäume gefällt. Vielleicht war es die Stadt Dresden“, vermutet er, weil dieser Teil der Heide Stadtwald ist.

Im Übrigen habe die Forstbezirksverwaltung im Revier Bühlau mehrere alte Buchenbestände aus der Bewirtschaftung genommen, in denen schon seit vielen Jahren und auch künftig kein Holz geschlagen werden soll. Diese Bäume können zerfallen und sich natürlich verjüngen. „Das sind allerdings Waldflächen, die weit weniger von Waldbesuchern frequentiert werden“, so Müller. Und an die Adresse der GRÜNEN-Stadträte gerichtet, lädt er ein: „Ich bin jederzeit bereit, wirklich interessierten Mitgliedern des Stadtrats oder ganz normalen Waldbesucher draußen vor Ort zu erläutern, was wir da machen. Ich bin mir sicher, dass die interessierten Bürger sehr überrascht wären.“

Von Bernd Lichtenberger

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