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Lokales Kreis der Dresdner Freimaurerinnen wächst
Dresden Lokales Kreis der Dresdner Freimaurerinnen wächst
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09:11 30.10.2018
Katrin Hartung (52) ist die „Meisterin vom Stuhl“ und Mitbegründerin der Dresdner Frauen-Großloge. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Freimaurer haben in Dresden ihre Spuren hinterlassen: Der erste Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, Wilhelm Pfotenhauer, gehörte zu ihnen, genau wie die Architekten Gottfried Semper und Hans Erlwein. Noch immer wirkt der ethische Bund in Dresden. Neben drei Männerlogen mit insgesamt rund 100 Mitgliedern, gibt es seit dem Frühjahr 2016 nun eine Frauen-Großloge in Dresden. Von anfangs sieben Meisterinnen ist die Frauenloge „Momentum“ mittlerweile auf 15 Mitglieder angewachsen, die sich Schwestern nennen. „Dazu kommen über 20 Frauen, die als Interessentinnen registriert sind“, sagt Katrin Hartung. Die 52-Jährige aus dem Erzgebirge ist „Meisterin vom Stuhl“. Sie ist Mitglied der ersten Stunde der Dresdner Frauenloge, die seit ihrer Gründung stetig wächst.

Arbeit an sich selbst und den eigenen Werten

Katrin Hartung öffnet eine schwere, alte Holztür mit goldenem Dekor. Der Blick gleitet in einen Raum mit hellblauen Wänden und antiken Säulen – zumindest scheint es so. Tatsächlich handelt es sich um in Handarbeit verkleidete Rohre und viel Arbeit mit Farben in den ehemaligen Büroräumen in der Dresdner Neustadt. „Das ist unser Tempel“, sagt die Meisterin vom Stuhl. Samt, Kerzen, ein Holzhammer und ein Stein mit den Freimaurer-Symbolen Winkel und Zirkel. „Sie stehen für die stetige Arbeit an sich selbst“, erklärt Hartung.

Wer den Satz „Du hast dich verändert“ von alten Bekannten an der Supermarktkasse hört, ist meist irritiert und fragt sich, wie die Botschaft gemeint sein könnte. Für Freimaurerinnen ist sie ein großes Lob. „Es geht darum, an den eigenen Schwächen zu arbeiten“, erklärt Hartung. „Wie ein Handwerk, dessen Raum die eigene Persönlichkeit ist“. Durch die Arbeit an sich selbst und den eigenen Werten, die dann nach außen getragen werden, soll die Welt ein bisschen besser werden. Dazu gehört es auch, die fünf Grundideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität im Alltag zu leben.

Im Tempel treffen sich die Freimaurerinnen regelmäßig zur Tempelarbeit. Wer dabei an Götteranbetung denkt, irrt. Der Raum diene lediglich als Abgrenzung zum Alltag. „Es gibt einen Vortrag und anschließend diskutieren die Teilnehmerinnen über das Thema“, erklärt die Meisterin vom Stuhl. Begleitet von Musik und meditativen Elementen, variieren die Themen von künstlicher Intelligenz bis hin zu gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Die Diskussionskultur der Freimaurer sei nicht mit den Debatten im Fernsehen vergleichbar. „Denn die Frauen wollen freien und rücksichtsvollen Austausch lernen“, sagt Hartung. „Der Tempel ist für uns ein Schutzraum“. Das heißt, hier zählen weder Äußerlichkeiten, noch Beruf oder Familienstand der Freimaurerinnen. Und: Nichts darf nach außen getragen werden. „Denn im Tempel soll jeder seine Meinung frei äußern dürfen“. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum der Freimaurerei oft noch immer eine gewisse Mystik unterstellt wird.

„Der Glaube an Gott ist keine Voraussetzung“

„Wir sind keine Sekte“, sagt Hartung. „Freimaurer wollen sich eine eigene Meinung bilden. Bei einer Sekte wird in der Regel eine Einheitsmeinung angestrebt“.

Katrin Hartung kam durch Zufall zur Freimaurerei. Sie begleitete ihren heutigen Mann zu einem Grillfest. „Die Menschen gingen sehr zuvorkommend und wertschätzend miteinander um“, erinnert sich Hartung an den Moment, der ihr Interesse weckte. 2012 wurde sie selbst Mitglied in einer Frauenloge in Berlin. Sie wechselte in eine Frauenloge in Potsdam. Bei einem Gästeabend der Dresdner Freimaurer lernte sie Katrin Zacher kennen, eine einstige Schülerin des Dresdner Kreuzgymnasiums, das seinerzeit durch Unterstützung der Freimaurer errichtet wurde. Zusammen und mit Hilfe männlicher Freimaurer bauten sie die Dresdner Frauenloge auf.

Die Entscheidung, Mitglied zu werden, können Interessierte nicht von heute auf morgen treffen. Wer sich als Freimaurerin in den Dienst der Humanität stellen möchte, muss über mehrere Monate die regelmäßigen Gästeabende der Loge besuchen. Erst danach kann ein Aufnahmegesuch gestellt werden. Stimmen alle Schwestern zu, beginnt für die Frau ihre Zeit als Lehrling in der Loge. Die Religion spielt dabei keine Rolle. „Der Glaube an Gott ist keine Voraussetzung“, sagt Hartung.

„Dresdens Frauenloge hat sich sehr gut entwickelt“, sagt Katrin Hartung. In Deutschland gibt es insgesamt rund 500 Freimaurerinnen – im Vergleich zu rund 14.000 männlichen Mitgliedern. Die Freimaurerei lehnt Werbung für ihre Arbeit ab. „Wer uns sucht, wird uns finden“, sagt die Meisterin vom Stuhl mit Blick auf die rund 20 interessierten Frauen, die regelmäßig die Gästeabende besuchen. In Dresden finden sich viele Spuren der Freimaurer – künftig werden auch Spuren der Freimaurerinnen zu finden sein.

Einmal pro Monat laden die Freimaurerinnen zu einem Gästeabend in die Königsbrücker Straße ein. Interessierte können sich per Mail an momentum@freimaurerinnen wenden.

Von Tomke Giedigkeit

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