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Lokales Kostenlose Koran-Verteilung in Dresden: Islamisches Zentrum kritisiert Extremisten
Dresden Lokales Kostenlose Koran-Verteilung in Dresden: Islamisches Zentrum kritisiert Extremisten
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18:44 09.09.2015
Am Samstag verteilten einige Muslime nach eigenen Angaben rund 500 Korane in der Prager Straße in Dresden. Quelle: Dominik Brüggemann
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Laut Verfassungsschutz soll das Netzwerk „Die wahre Religion" um den radikalen Prediger Ibrahim Abou Nagie hinter der Aktion stecken.

Den Salafisten, einer extremen Strömung im Islam, gehe es um Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern, so die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid.

„Wir wollen den Menschen das Buch nicht aufzwingen“, erklärte ein Anhänger gegenüber DNN-Online am Stand in der Prager Straße in Dresden. Das Glaubensbuch werde lediglich präsentiert. Jeder Passant könne selbst entscheiden, ob er sich eine kostenlose Version des Koran mitnehme. „Wir haben fast durchweg positive Erfahrungen gemacht. Die Leute kommen auf uns zu und fragen nach den Inhalten“, berichtete er von der Aktion.

Mitglieder der islamkritischen Partei Die Freiheit positionierten sich zeitgleich direkt neben den Stand der Muslime und verteilten Handzettel, die grundsätzlich gegen den Islam wetterten. Dabei kam es zwischen den Aktivisten der beiden Stände zu hitzigen Diskussionen. Die Partei, die nach Einschätzung der Bundesregierung nicht als rechtsextremistisch einzustufen sei, bezeichnet sich selbst als bürgerlich-liberal. Die Linke hatte die Regierung im vergangenen Jahr mit einer kleinen Anfrage um die Einschätzung der Partei aufgefordert. Damals lagen nicht genügend Anhaltspunkte für eine etwaige extremistische Einstufung vor, so die Antwort.

Khaldun Al Saadi vom Islamischen Zentrum Dresden e.V. bewertete die Koran-Vereteilung bereits Mitte April kritisch: „Der Koran ist, wie so viele heilige Quellen, ein komplexes und schwieriges Stück Literatur. Viele Muslime an den Ständen mit dem rot-braunen ‚Lies!'-Banner sind selbst nicht in der Lage, es zu interpretieren.“

Um den Extremisten nicht das Feld zu überlassen, plädieren das Islamische Zentrum Dresden für eine stärkere Verantwortung der lokalen Gemeinden: Die Gemeinden seien verantwortlich dafür, dass sich junge Muslime nicht in den Sumpf des halbwissenden Internets begeben.

„Die Verteilung des heiligen Buches der Muslime kann zu einem Zeichen für die Verantwortung der Moscheen gegenüber der Gesellschaft werden, wenn die muslimischen Gemeinden jetzt adäquat reagieren“, sagte Khaldun Al Saadi. Sowohl Nicht-Muslime als auch Muslime sollten sich trauen, mit offenem Visier über ihre Ängste und Sorgen zu reden.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz stellte in der Publikation „Salafistische Bestrebungen in Deutschland“ klar, dass weder der Islam als Religion noch die Glaubensgemeinschaft der Muslime beobachtet werden und sie durch das Recht auf Religionsfreiheit geschützt werden. Unter Beobachtung falle jedoch die besonders radikale Strömung des Salafismus. Seit 2011 seien ihre Anhänger, deren Zahl bundesweit auf rund 5000 geschätzt wird, verstärkt mit öffentlichen Aktionen in Erscheinung getreten.

Weitere Information erhalten sie in unserem Themenspecial.

dbr/sl/dpa

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