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Lokales Koran-Verteilung in Dresden fällt aus - Islamisches Zentrum sieht Aktion kritisch
Dresden Lokales Koran-Verteilung in Dresden fällt aus - Islamisches Zentrum sieht Aktion kritisch
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22:38 09.09.2015
Koran-Verteilung am Potsdamer Platz in Berlin. Quelle: Britta Pedersen
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Wie DNN-Online bereits am Freitag berichtet hatte, gab es allerdings im Vorfeld auch keine Anmeldung für einen Stand. Nach Recherchen von dpa wurde auch in Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe und anderen Städten nicht wie angekündigt der Koran verteilt.

„Der Koran ist, wie so viele heilige Quellen, ein komplexes und schwieriges Stück Literatur. Viele Muslime an den Ständen mit dem rot-braunen ‚Lies!'-Banner sind selbst nicht in der Lage, es zu interpretieren", bewertet Khaldun Al Saadi vom Islamischen Zentrum Dresden e.V. die Aktion.

Laut Verfassungsschutz soll das Netzwerk „Die wahre Religion" um den radikalen Prediger Ibrahim Abou Nagie hinter der Koran-Verteilung stecken. Den Salafisten gehe es um Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern, sagte die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, der Tageszeitung „B.Z.". „Ziel dieser Kampagne ist, Interessierte in Kontakt mit der salafistischen Szene zu bringen und sie im Sinne ihrer politisch-extremistischen Ideologie zu beeinflussen." In anderen Städten wie Berlin wurden Bücher verteilt, es blieb jedoch nach ersten Erkentnissen überall ruhig.

Um den Extremisten nicht das Feld zu überlassen, plädieren das Islamische Zentrum Dresden für eine stärkere Verantwortung der lokalen Gemeinden: Die Gemeinden sind verantwortlich dafür, dass sich junge Muslime nicht in den Sumpf des halbwissenden Internets begeben, um online nach einer Überdosis Fatwa-Videos über Nacht zu ‚Gelehrten' zu werden", so Al Saadi. „Die Verteilung des heiligen Buches der Muslime kann zu einem Zeichen für die Verantwortung der Moscheen gegenüber der Gesellschaft werden, wenn die muslimischen Gemeinden jetzt adäquat reagieren. Sowohl Nicht-Muslime als auch Muslime, die aufgrund der oftmals negativen Berichterstattung eingeschüchtert davon waren, aufeinander zuzugehen, sollten sich nun trauen, mit offenem Visier über ihre Ängste und Sorgen zu reden."

Die Dresdner Moscheen arbeiteten schon lange für ein besseres Miteinander. „Sicher gibt es noch genügend Verbesserungspotential. Tatsache ist aber, dass die islamischen Gemeinden in den letzten Jahren einen guten Schritt nach vorn getan haben. Sie setzen ein deutliches Zeichen gegen Extremismus und radikales Gedankengut mit Ihrem Streben nach mehr Dialog, mehr Offenheit und für ein besseres Zusammenleben", sagt Khaldun Al Saadi.

sl / dpa

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