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Lokales Konstruktive Gespräche und Beschimpfungen: Muslimorganisation zieht gemischtes Fazit nach Infostand
Dresden Lokales Konstruktive Gespräche und Beschimpfungen: Muslimorganisation zieht gemischtes Fazit nach Infostand
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20:53 09.09.2015
Quelle: Julia Vollmer
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Die Jugendorganisation gastierte in den letzten zehn Wochen mit einem Infostand auf der Prager Straße, um mit den Dresdnern aber auch mit den Pegida-Teilnehmern ins Gespräch zu kommen.

Ihre Erfahrungen reichen dabei von wüsten Anfeindungen bis hin zu zweistündigen Gesprächen mit regen Informationsaustausch. Wurden sie auf der einen Seite von Passanten angepöbelt, beleidigt und bedroht, gab es auf der anderen Seite konstruktive Gespräche an deren Ende sogar einige Pegida-Anhänger ihrer Sache abschworen, berichtet Said Ahmaad Arif, der Iman der Gemeinde.

„Die Dresdner waren im Unterschied zu den Hamburgern oder Kölner, mit denen wir auch an Infoständen gesprochen haben, mit Abstand die direktesten“, beschreibt der Iman seine Erlebnisse auf der Straße. Oft bekam er zu hören, dass sich die Aversionen oft gar nicht direkt gegen den Islam richten, sondern die Menschen eher eine allgemeine Politikverdrossenheit umtreibt und die Sorge vor einer Überfremdung. „Oft schilderten mir die Standbesucher ihre Ängste, dass ihre Stadt hier im Osten genauso von Ausländern überflutet werden wie Köln und München“, wundert sich der Organisationssprecher.„Anfang Januar beschlossen wir in unsere Gemeinde, dass es mit dem wachsenden Teilnehmerzahlen bei Pegida an der Zeit war, einen Dialog anzubieten“, berichtet Iman Said Ahmaad Arif.

Die Menschen bräuchten ein Ventil für ihre Sorge und der gemeinsame Austausch solle helfen, Vorurteile abzubauen. „Noch nie hatte der Islam so ein schlechtes Image wie gegenwärtig, allein das Wort ‚Islam’ ist für viele ein Reizwort“, so der Iman. Das religiöse Oberhaupt der Region Ost will gemeinsam mit den Mitgliedern seiner Jugendorganisation über ihre Religion aufklären. „Oft werden Verse des Koran in den Medien und im Internet aus dem Zusammenhang gerissen und so entsteht ein völlig falsches Bild“, bestätigt auch Organisationssprecher Daud Ata. Es gibt 1,4 Milliarden Muslime weltweit und die allermeisten sind friedliebend, ist er sich sicher.

Zehn Wochen lang informierte die Organisation Ahmadiyya Muslim Jamaat an ihrem Infostand auf der Prager Straße, auch rund 20.000 Flyer verteilten die Freiwilligen. Auch durch ihre Aktion sei die Zahl der Pegida-Anhänger gesunken, sind sich der Iman und seine Mitstreiter sicher. Geplant ist für die Zukunft ein Infoabend in Zusammenarbeit mit der Dresdner Stadtverwaltung, um weiter im Gespräch mit den Menschen zu bleiben.

Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine Reformbewegung innerhalb des Islam, die sich nach eigenen Angaben für Frieden, Freiheit und Loyalität einsetzt. Gegründet wurde sie 1989 in Indien. Inzwischen zählt die Bewegung 40.000 Mitglieder und nennt 47 Moscheen ihr Eigen.

Julia Vollmer

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