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Lokales Kompromiss für die Hufewiesen
Dresden Lokales Kompromiss für die Hufewiesen
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12:02 18.04.2018
Die Hufewiesen bleiben zu einem großen Teil unbebaut.  Quelle: Foto: Dietrich Flechtner
Dresden

 Die Ziele standen sich diametral gegenüber. Die einen wollten ein Wohnquartier mit bis zu 800 Wohnungen errichten. Die anderen eine Grünfläche erhalten. Jetzt gibt es einen Kompromiss: Auf einer Teilfläche von 2,4 Hektar wird gebaut. Die anderen 8,6 Hektar werden nicht angetastet. Hier wird die Stadt eine Freizeitfläche gestalten. Diesen Kompromiss stellten am Donnerstag Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen), der Investor Adler Real Estate AG, die Bürgerinitiative und Stadträte der rot-grün-roten Mehrheit im Rathaus vor.

Die Hufewiesen sind sehr wertvoll

Die Pläne für die Hufewiesen in Trachau sind mindestens seit 2011 umstritten. Die Adler Real Estate AG hatte die Flächen, für die kein Baurecht bestand, günstig erworben und wollte ein Wohnquartier entwickeln. Es formierte sich Widerstand: „Dieses Gelände ist besonders. Dieser Zusammenhalt zwischen einem ehemaligen Dorfkern mit einer Kulturlandschaft stiftet Identität und hat einen hohen ökologischen Wert“, erklärte Anja Osiander, Sprecherin der Bürgerinitiative Hufewiesen Trachau.

Ein Kompromiss habe sie lange nicht für möglich gehalten, gestand Osiander. „Doch dann habe ich mit Thomas Bergander auf dem Dach der ehemaligen Tabakfabrik gestanden und gesehen, wie es in ihm gearbeitet hat. Er hat über unser Anliegen nachgedacht“, so Osiander. Bergander, Geschäftsführer der Taurecon Real Estate Consulting GmbH, die im Auftrag der Adler Real Estate AG das Gelände entwickelt, bestätigte: „Als wir vor anderthalb Jahren mit den Gesprächen begonnen haben, waren wir sehr weit auseinander. Aber wir haben verstanden, dass die Hufewiesen sehr wertvoll sind.“

Höchstmaß an Bürgerbeteiligung

Die Diskussionen mit der Bürgerinitiative und den Mehrheitsfraktionen im Stadtrat hätten sehr viel Spaß gemacht. „Wir werden ein tolles Quartier bauen.“ Bergander sieht in dem Vorgehen ein Pilotprojekt, das Schule machen könnte. „Bürger, Parteien, Verwaltung und Investor haben gemeinsam an einem Ziel gearbeitet.“ Wirtschaftlich sei Wohnungsbau auf 1,6 Hektar und Gewerbe auf 0,8 Hektar darzustellen. „Aber von einer Renditeoptimierung um jeden Preis kann man nun wirklich nicht sprechen.“

Wieviele Wohnungen entstehen werden, könne er noch nicht sagen, erklärte Bergander. Die Adler habe den Dresdner Architekten Peter Kulka für die Architekturentwürfe und das Dresdner Büro Bielenberg für die städtebauliche Gestaltung beauftragt, kündigte Vorstand Sven-Christian Frank an. Mietwohnungen seien geplant, betonte der Adler-Vorstand, ein Viertel davon sollen Sozialwohnungen sein. Es werde ein Höchstmaß an Bürgerbeteiligung geben, viele Details seien noch offen.

Eine große Wiese und einige Häuser

„In fünf Jahren möchte ich dort ein Glas guten Rotwein trinken“, erklärte Bergander zum zeitlichen Ablauf. Der Baubürgermeister bestätigte: „Es liegt noch viel Arbeit vor uns.“ Am Mittwochabend beschäftigte sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Hufewiesen. Hatte die Stadtratsmehrheit 2017 noch eine durchgängige Grünlandschaft zum Planungsziel erklärt, so wurde jetzt ein Ergänzungsantrag von Linken, Grünen und SPD eingebracht, der genau die Vorgaben des ausgehandelten Kompromisses zum Inhalt hat.

„Das ist ein bemerkenswerter und schöner Moment, für den ein selbstbewusster Stadtrat gesorgt hat“, erklärte Martin Schulte-Wissermann, der die Piraten in der Linke-Fraktion vertritt. Hätte der Investor nicht eingelenkt, wären die Hufewiesen eben Wiesen geblieben. „Jetzt haben wir eine große Wiese und einige Häuser. Das ergänzt sich.“ Auch Pia Barkow (Die Linke) und Vincent Drews (SPD) lobten den Kompromiss. Kati Bischoffberger (Bündnis 90/Die Grünen) dankte Schmidt-Lamontain für die Moderation der Gespräche zwischen Bürgerinitiative, Investor und Politik.

CDU-Veit Böhm erklärte, es sei positiv, dass auf den Hufewiesen etwas passiere. „Es ist schade, dass eine solche Lage in der Innenstadt nur zu einem geringen Teil für die Wohnbebauung genutzt wird. Hier wäre mehr möglich gewesen.“

Eine Bürgerversammlung zu den Hufewiesen findet am 24. März, 15 Uhr, im Goldenen Lamm statt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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