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Lokales Koala aus dem Dresdner Zoo lässt sich freiwillig Blut abzapfen
Dresden Lokales Koala aus dem Dresdner Zoo lässt sich freiwillig Blut abzapfen
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08:00 11.03.2017
Tierpfleger Sepp Müller legt Koala Iraga eine Arm-Manschette an, um ihn aufs Blutabzapfen vorzubereiten. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 Wie überzeugt man einen Koala davon, sich Blut abnehmen zu lassen? Und wie stellt man es an, dass sich ein Kamel ein Halfter umlegen lässt, ohne dass es seinen Pfleger beißt oder ihm einen Tritt mit dem Huf versetzt? So viel steht fest: Mit Zwang kommen Tierärzte und Pfleger nicht weit. Was also tun, wenn Fußnägel geschnitten oder Wunden versorgt werden müssen? Um den Tieren eine Narkose zu ersparen, setzt der Zoo auf das „medizinische Training“. Belohnt wird alles, was in Richtung des gewünschten Verhaltens geht. Alles andere ignorieren die Pfleger. Eine Bestrafung gibt es nicht. Das motiviert die Tiere.

„Wir wollen zum Beispiel gern, dass sich unsere Kamele am Halfter von der Anlage herunter auf einen Transporthänger führen lassen, wenn sie an einen anderen Zoo abgegeben werden“, erklärt Wolfgang Ludwig, der Zoologische Leiter. Die Pfleger trainieren deshalb mit ihnen, freiwillig über den schmalen Graben rund um die Anlage zu laufen, vor dem die Tiere normalerweise Angst haben. Zudem müssen Hengst Samuel, seine drei Weibchen und die beiden Jungtiere lernen stillzustehen, wenn die beiden Tierärzte Eva Ziemssen und Dimitri Widmer nachschauen wollen, ob sie sich einen Dorn oder ein Steinchen in die Fußsohle eingetreten haben.

„Die Pfleger belohnen die Kamele mit guten Worten und mit Futter wie Möhrenstückchen, wenn sie etwas richtig gemacht haben“, berichtet der Zoologe. Sie beginnen mit dem „medizinischen Training“, wenn das Kamelkind etwa einen Monat alt ist. Eine bis vier Wochen dauert es, bis sie ein Tier so weit haben, dass es sich ein Halfter umlegen lässt. „Es kommt nicht darauf an, jeden Tag zu trainieren, wichtiger ist der immer gleiche Zeitpunkt, beispielsweise vor der Fütterung“, so Ludwig.

Schwieriger ist es, Affen wie beispielsweise Mandrills etwas anzutrainieren. „Bei ihnen gibt es eine straffe Hierarchie, jedes Tier schaut unablässig nach den anderen“, weiß Ludwig. Zunächst müsse ihnen daher beigebracht werden, sich freiwillig von der Gruppe zu trennen und in einen separaten Käfig zu begeben – ein Schritt, der eigentlich gegen ihre Natur ist. In freier Wildbahn ist es überlebenswichtig, immer im Schutz der Gruppe zu bleiben. „Wir haben jetzt zwei unserer neun Mandrills so weit, dass sie einen Zellstoff-Wickel ins Maul nehmen und nach einem Weilchen wieder herausbringen“, sagt der Zoologe. Die Röhrchen mit den mit Speichel vollgesaugten Wickeln darin bekomme eine Arbeitsgruppe an der TU Dresden für ein wissenschaftliches Speichel-Projekt. Damit die beiden jungen Mandrills die Wickel überhaupt ins Maul nehmen und anschließend auch wieder hergeben, verwenden die Pfleger sogenannte Knackfrösche. „Sie verursachen ein unverwechselbares Geräusch, ein Klickern, das den Affen signalisiert, dass es gleich einen Leckerbissen gibt und sie Aufmerksamkeit bekommen“, erklärt Ludwig.

Iraga und Mullaya, die beiden Koalas im Prof. Brandes-Haus, sind wie alle ihre Artgenossen äußerst sensible Geschöpfe. „Um beispielsweise möglichst schnell herauszufinden, warum sie apathisch dahocken und nicht fressen, müssen wir ihnen Blut abnehmen“, erläutert Ludwig. Würde man sie deshalb in Narkose legen, wären sie hinterher verstört. „Deshalb trainieren wir seit einiger Zeit mit dem fünfjährigen Iraga, sich freiwillig Blut abnehmen zu lassen“, sagt der Zoologe. Und siehe da, es klappt: Wenn der Koala das Klickern hört und man ihm gut zuredet, lässt er sich zunächst von seiner Astgabel im Gehege pflücken, in die Futterküche tragen, den Stauschlauch um das linke Ärmchen legen und schließlich einen Pieks versetzen und Blut abzapfen. Auch bei ihm gilt: Übung macht den Meister, und alles ist eine Sache der Gewöhnung.

Lässt sich jedes Tier trainieren? Ja, ist Ludwig überzeugt. Und er nennt eine ganze Reihe Zoo-Bewohner, die sich beispielsweise wiegen lassen oder Futter aus der Hand des Pflegers fressen: die Löwen, die Zwergotter, die Nasenbären, der Gepard, die Orang-Utans, die Faultiere und natürlich die Elefanten. „In den letzten Wochen haben wir sogar unserem Schneeleoparden beigebracht, dass er von allein in seine Transportkiste läuft“, nennt Ludwig ein weiteres Beispiel. Früher musste er dafür erst in Narkose gelegt werden.

Von Katrin Richter

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