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Lokales Wahl zum Kleingartenvorstand: Ohne Gemüse geht's nicht
Dresden Lokales Wahl zum Kleingartenvorstand: Ohne Gemüse geht's nicht
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13:21 07.12.2018
Frank Hoffmann, 1. Vorsitzender des Stadtverbandes Dresdner Gartenfreunde. Quelle: Catrin Steinbach
Dresden

Wahlkampf bei Dresdens Kleingärtnern. Am 16. März 2019 wird beim Kleingärtnertag ein neuer, zehnköpfiger Vorstand für den Stadtverband der Gartenfreunde Dresden gewählt, der die Interessen der ihm angehörenden 360 Kleingärtnervereine vertreten soll.

Für das Amt des 2. Vorsitzenden gibt es momentan zwei Bewerber. Bislang einziger Herausforderer von Frank Hoffmann, dem 1. Vorsitzenden, ist der 36-jährige Volker Croy. In einem Rundschreiben an die Dresdner Kleingartenvereine geht er mit der Arbeit des bisherigen Vorstandes hart ins Gericht.

Er vermisse „klar erkennbare Strategien“ und „Visionen für die Entwicklung unseres Verbandes“. Das Aussitzen von Problemen wie bei den vom Hochwasser betroffenen Anlagen und der Hellersiedlung schwäche „unser Kleingartenwesen in Dresden“ und lasse die betroffenen Gartenfreunde und Vorstände alleine. Auch die Forderung, Obst und Gemüse im Verhältnis von 50:50 anzubauen, hält er für überholt.

Weniger Gemüseanbau ist eine populistische Forderung

Frank Hoffmann schüttelt angesichts der Forderung, den Gemüseanbauzwang aufzuheben, den Kopf. Der Stadtverband beharre nicht darauf, dass Obst und Gemüse im Verhältnis 50:50 angebaut würden. „Die Vereine sollen zwar die hälftige Nutzung anstreben, aber wir können mit 40:60 oder sonst was leben. Wir wollen aber, dass sichtbar ist, dass sich der Kleingärtner mit dem Boden beschäftigt, also Gemüse anbaut“, erklärt Frank Hoffmann. Auch der Anbau von Kräutern zähle dazu.

Es gebe, so Hoffmann, Urteile des Bundesgerichtshofes, dass der Obst- und Gemüseanbau in einem ausgewogenen Verhältnis und in kleingärterischer Vielfalt zu erfüllen sei. Sonst handele es sich nicht um Kleingärten laut Bundeskleingartengesetz. Das garantiere einen vergleichsweise niedrigen Pachtzins und schränke die Möglichkeiten des Grundeigentümers ein, den Kleingärtnern zu kündigen, um Grund und Boden gewinnbringender zu verwerten.

Die Forderung, den Gemüseanbau zu reduzieren bzw. die Kleingärtner ganz aus der Pflicht zu nehmen, treffe „sicher den Nerv von manchen Leuten“, sei aber populistisch und gefährde den Fortbestand der Kleingärten.

Über Höhen von Obstgehölzen gebe es in der Rahmenkleingartenordnung keine Festlegungen, so der Chef des Stadtverbandes zu einem weiteren Punkt der Kritik von Croy. Es könne Ausnahmen geben, wenn Gehölze eine Gefährdung für Dritte darstellen oder der Nachbargarten beeinträchtigt sei. Die Frage sei, wie das in den einzelnen Anlagen durch deren Vorstände umgesetzt werde. Es gebe sicher auch Beispiele, wo rigide auf das zentimetergenaue Einhalten von Grenzabständen gedrungen und der Abriss gefordert werde. Das sei aber „Unsinn“. „Das haben wir immer wieder, dagegen kämpfen wir an, deswegen schulen wir.“

Hellersiedlung: Keine politische Lösung in Sicht

Was den Ersatz von Kleingärten betrifft, die aus Hochwasserschutzgründen bzw. aufgrund von Baumaßnahmen seit 2011 weggefallen sind oder noch werden, mahnt der Kleingartenchef eine differenzierte Betrachtung an. Die Stadt stelle für Kleingärten, die schon zurückgebaut wurden oder noch wegfallen werden, Kleingartenersatzland zur Verfügung. Das sei allerdings ein langwieriger Prozess.

Im Rahmen des Kleingartenentwicklungskonzeptes seien 24 Flächen geprüft worden, „vier oder fünf haben sich am Ende als geeignet herauskristallisiert und werden auch weiterhin verfolgt“, so Hoffmann. „Ich gehe davon aus, dass wir demnächst eine größere Fläche in Prohlis bekommen, dort, wo die Sternhäuser waren.“ Das Problem sei, Pächter zu finden, die bereit sind, auf einer Brache einen Garten neu anzulegen. Auch nehme der Verband nicht einfach hin, dass Gärten wegfallen sollen. Um den Erhalt von Kleingärten in der Prießnitzaue werde man kämpfen.

In Sachen Hellersiedlung sieht Frank Hoffmann keine politische Lösung. Denn dass dem Kleingartenverein die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde, habe damit zu tun, dass in den vergangenen Jahren die Veränderungen nicht so umgesetzt wurden, wie das im Maßnahmeplan festgelegt worden war, den der Verein akzeptiert habe. „Und er hat neue Mängel zugelassen.“ Hoffmann sehe als Stadtverbandsvorsitzender seine Verantwortung in der Aufklärung. Der Verband unterstütze – wenn gewollt – den Verein bei der Beseitigung der vorhandenen Mängel und sehe eine gute Chance, wenigstens Teile des Gebietes als Kleingartenanlage zu erhalten.

„Wenn ich mich über was ärgere, dann über den Vorwurf, dass es an Kommunikation und Anerkennung des Ehrenamtes mangelt“, so Frank Hoffmann. „Ich bin seit 2011 Vorsitzender des Stadtverbandes. Seitdem nehmen wir regelmäßig an Messen teil, veranstalten den Kleingartenwandertag, sind beim Tag der Sachsen, beim Landeserntedankfest beim offenen Regierungsviertel dabei, führen Gartenfachmessen durch.“ Man veranstalte einen Tag des Ehrenamtes, um Danke zu sagen, reiche für besonders aktive Vorsitzende Ehrenamtspässe der Bürgerstiftung aus, mache Vereine darauf aufmerksam, welche Möglichkeiten es gibt, ehrenamtliche Arbeit zu würdigen. Umsetzen müssten die das dann aber selbst.

Von Catrin Steinbach

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