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Lokales Kleiner Schatz für Radreisende
Dresden Lokales Kleiner Schatz für Radreisende
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07:30 06.08.2018
Johannes Meusel in seiner Fahrradbibliothek. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Sie ist die wohl kleinste Bibliothek Dresdens: die Fahrradbibliothek von Johannes Meusel. Sie befindet sich in dessen winziger Zweiraumwohnung in Dresden-Striesen. Platzangst haben darf man da nicht.

Karten, Reisehandbücher und jede Menge Erfahrung

Der 64-Jährige – selbst begeisterter Fahrradfahrer – hat seit 1992 geschätzt 4000 Radwanderkarten und Radwanderführer, Sprachführer, Fahrradstadtpläne, Fahrradzeitschriften, Reisehandbücher mit Tourenvorschlägen, CDs über Fernradwege von vielen Ländern der Erde zusammengetragen. Aber nicht nur aus privater Sammelleidenschaft.

Der Pädagoge und Vater von sechs Kindern stellt diesen Schatz nach vorheriger Terminabsprache all jenen zur Verfügung, die selbst eine Radwanderung oder gar eine mehrwöchige Radreise planen. Geld verdient er damit nicht.

Kostenlose Ausleihe

Die Ausleihe ist kostenlos, eine persönliche Beratung inklusive. Johannes Meusel, den Radreisen schon in 30 Länder der Erde führten und der demnächst Japan mit dem Drahtesel erkunden will, betreibt die Bibliothek ehrenamtlich. Er verlangt jedoch eine Art Jahresgebühr von 3 Euro (erm. 1,50 Euro), um wenigstens einen Teil der Unkosten für Porto, Telefon u. a. zu decken und den Bestand an Literatur erweitern bzw. aktualisieren zu können. Die 20 Euro Kaution für ausgeliehenes Material bekommt man zurück, wenn Karten, Stadtpläne & Co. wieder den Weg zurück in die Privatbibliothek finden.

Kontakt zu 20 Verlagen

Deren Bestand setzt sich aus Spenden von Verlagen, Landesvermessungsämtern, Fremdenverkehrsämtern und Fahrradorganisationen in aller Welt sowie käuflich erworbenem Material zusammen. Der vom Radfahren begeisterte Dresdner unterhält nach eigenen Angaben Kontakte zu rund 20 Verlagen, arbeitet diesen auch Informationen und Korrekturen zu.

„Zahlreiche Radkarten und Radführer, die man bei mir ausleihen kann, sind nicht im Buchhandel oder in öffentlichen Bibliotheken erhältlich. Und wenn das Material aus dem Land kommt, in das man reisen möchte, sind die Informationen oft genauer recherchiert“, weiß Johannes Meusel. „Im Baltikum zum Beispiel braucht man unbedingt eine Karte, die anzeigt, welche Straßen asphaltiert sind und welche nicht, sonst verzweifelt man dort auf Sand- bzw. Schotterpisten.“ Zudem könne man sich mit Hilfe des Kartenmaterials in Landessprache viel einfacher Weghinweise von Einheimischen holen. „Schlüsselworte in der jeweiligen Landessprache muss man aber da natürlich wissen.“

Bahntrassenradwege ein Geheimtipp

Begeistert ist der 65-Jährige von Radwegen auf stillgelegten Bahntrassen. „Sie sind autofrei, steigungsarm und landschaftlich attraktiv. Gerade in Ländern wie Spanien, wo es wenig Radwege gibt, sind diese Bahntrassen ein toller Tipp.“

Seit Bestehen der Fahrradbibliothek gab es rund 800 Anmeldungen. „In den zurückliegenden beiden Jahren wurden 1150 Bücher und Karten ausgeliehen. „Durchschnittlich nimmt ein Radler etwa sechs Bücher und Karten für seine Radreise mit. Der Rekord liegt jedoch bei über 40 Radkarten und Radführern für eine Reiseplanung“, erzählt Johannes Meusel. „Hinzu kommen Beratungen von Radenthusiasten aus ganz Deutschland per Telefon bzw. E-Mail und monatlich 10000 Zugriffe auf die Webseite.“

Beengte Verhältnisse

Dass die Fahrradbibliothek so beengt in seiner Privatwohnung untergebracht ist, sieht Johannes Meusel als Notlösung. „Zwischenzeitlich hatte die Sammlung schon mal ihr Domizil in verschiedenen Vereinshäusern und ein Jahr im Reisebüro von Eberhardt Travel am Hauptbahnhof. Aber das war alles nichts von Dauer.“

So würde sich Meusel über ein neues Angebot für die kostenlose Nutzung eines Raumes freuen. Zum einen, um den Bestand besser lagern, präsentieren und zugänglich machen zu können. Zum anderen, damit wieder Raum ist für Vorträge über Radreisen. Denn „seit 1993 gab es in der Fahrradbibliothek mehr als 250 Diavorträge über Radreisen von Dresdner Radwanderfreunden.“

Mitstreiter gesucht

Auch einen ehrenamtlich tätigen Mitstreiter für die Bibliothek hätte er gerne. „Aber das müsste jemand sein, der selber Radreisen macht, sich gut auskennt und den Wert von Informations- sowie Kartenmaterial und auch Berichten in Zeitungen einschätzen kann.“

Fahrradbibliothek, Johannes Meusel, nach telefonischer Absprache (Tel.: 01738459378); E-Mail: mail@fahrradbibliothek.de, www.fahrradbibliothek.de

Von Catrin Steinbach

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