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Lokales Kleiner Einblick ins Interim
Dresden Lokales Kleiner Einblick ins Interim
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08:06 12.10.2017
Im Japanischen Palais gibt es unter dem Titel „Reprise und Repetition“ eine klitzekleine Auswahl aus Marzonas Konvolut zu sehen.  Quelle: Oliver Killig
Dresden

 Es ist ein Zwischenzustand. Eine Art Depot voller Regale, dazu ein angrenzender Arbeits- und Ausstellungsraum. Im zweiten Stock des Japanischen Palais ist dieses Interim angesiedelt: das AdA, das eigentlich Archiv der Avantgarden heißt, aber schon jetzt Akronymstatus genießt.

Am Dienstagabend öffnete es zum ersten Mal seine Pforten für die Öffentlichkeit. Zuerst im Sinne eines Podiumsgespräches zwischen dem Sammler Egidio Marzona, der sein AdA nach Dresden gab, der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) Marion Ackermann, die Marzona mit seinem Archiv nach Dresden gelockt hatte (ursprünglich sollte es in Berlin einen Platz finden), und Tobia Bezzola, dem Direktor des Folkwang Museums Essen. Vor gut 100 Zuhörern widmete sich das Trio unter dem Titel „Sammeln, Ordnen, Ausstellen. Das Archiv als Antrieb?“ der unmittelbar mit dem AdA verknüpften neuen Aufgabe im eigenen Haus.

Dabei ließ sich zumindest Marzona zu einigen detaillierteren Erwartungen hinreißen, wenn das AdA in wenigen Jahren in das dann eigens dafür umgebaute Blockhaus an die Augustusbrücke umgezogen ist (die Fertigstellung ist laut Vorgabe für 2021 geplant). So äußerte Marzona seine Hoffnung, dass das neue Blockhaus auch ein Café bekommen solle. Das Archiv selbst würde er gern als „eine Art Batterie für Dresdner Institutionen“ sehen. Und genutzt werden soll es – von allen interessierten Bürgern. Nicht zuletzt setzt Marzona auf eine dichte internationale Vernetzung, vor allem in Richtung Osten. Die Avantgarde habe schließlich auch in Lodz, Prag oder St. Petersburg existiert, fügte er an.

Das eigentliche Ziel der Neugier aber waren am Dienstagabend die AdA-Räumlichkeiten unterm Palaisdach. Die ersten Eindrücke verbleiben jedoch im Ungefähren. Was sich jedoch herausschält, ist durchaus eine Zäsur für die SKD. Mit dem Archiv der Avantgarden bekommt das Prozesshafte eine klare Aufwertung in einem Haus, das naheliegenderweise meist vom Ergebnis her, sprich seinen Ausstellungen, bewertet wird – zumindest vom Publikum. Marzona aber hat nicht nur rund 1,5 Millionen Objekte nach Dresden gegeben (eine genauere Zahl ist noch nicht bekannt), die vor allem mit Konzeptkunst (einer Kunst, die ebenfalls nicht vom Resultat her zu betrachten war, sondern vom Werden, von ihrer Entstehung aus), Minimal Art oder auch Arte Povera zu tun haben. Er wird auch weiter sammeln, das Archiv noch anwachsen lassen. Das Unfertige wird so zum Programm.

Im Japanischen Palais nun gibt es eine klitzekleine Auswahl aus Marzonas Konvolut zu sehen. Dazu gehört Pierre Restanys Manifest „Die Internationale der Mittelmäßigkeit“, in dem er schon 1967 schrieb: „Die Kunst des 21. Jahrhunderts ist an Stelle der Wohnzimmer und Museen in die Fabriken und auf die Straßen gegangen: dies ist ein Abschied ohne Wiedersehen.“ Ein Satz, der in anderem und doch ähnlichem Bezug auch zu Marzona und dem Dresdner Aufbau des AdA passen könnte.

Andere Fragen bleiben jedoch auch, eine türmt sich angesichts des Ortes selbst geradezu auf: Was wird aus dem Japanischen Palais? Wer offenen Auges durch den Innenhof geht, das Foyer (das diesen Namen nicht mal im Ansatz verdient), die Treppenhäuser, dem drängt sich zur Beschreibung des baulichen Dilemmas mittlerweile mehr und mehr ein harter Begriff auf: Verfall. Während das benachbarte Blockhaus dank Marzonas Gabe also Belebung erfährt, sind die Pläne fürs Japanische Palais – welche?

Die Ausschreibung des Architekturwettbewerbs für den bereits angesprochenen Umbau des Blockhauses läuft unterdessen. Laut Ausschreibungstext steht „eine Nutzfläche von 1905 Quadratmetern für die Bereiche Archiv/Sammlung, Forschung/Wissenschaft und Ausstellung/Vermittlung“ für das AdA zur Verfügung, was nicht als übermäßig üppig bezeichnet werden kann. Die Fassade des Blockhauses steht unter Denkmalschutz, nur in wenigen Teilen darf der Architekt dort eingreifen. Im Inneren sieht das aber ganz anders aus. „Es gibt seitens der Denkmalpflege keine Anforderungen an den Innenbereich“, heißt es in der Ausschreibung. Man darf gespannt sein, wie die Bewerber mit dieser Gemengelage umgehen und sie zu interpretieren wissen.

Archiv der Avantgarden im Japanischen Palais, geöffnet bis 4.11., Do & Fr 11-17 Uhr (am Sa, 4.11., auch von 11-17 Uhr), Eintritt frei

nächste Veranstaltung: Object Talk: Stahlrohrmöbel. Designer Bernd Dicke spricht mit Rudolf Fischer (AdA), 25.10., 18.30 Uhr

Von Torsten Klaus

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