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Lokales Kleine Hecken, große Wirkung
Dresden Lokales Kleine Hecken, große Wirkung
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14:28 06.11.2018
Ein Weg führt durch ein Feld bei Schönborn. Für Kleinsäuger, Vögel und Insekten ist es hier schwierig, Unterschlupf und Nahrung zu finden. Auch der Wind hat leichtes Spiel. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Zur Stadt Dresden gehören auch ländlich geprägte Gebiete mit landwirtschaftlicher Nutzung. Dort ist das Umweltamt aktiv und versucht, wieder Artenvielfalt in monotone Agrarlandschaften zu bringen. Mit der Anpflanzung von Hecken, Baumreihen und Streuobstwiesen werden Landschaftselemente, die durch Großfelderwirtschaft verloren gingen, neu geschaffen.

Früher beackerte jeder Bauer sein Stück Land. In den vergangenen Jahrzehnten wurden dann Felder und Wiesen für die intensive Landwirtschaft mehr und mehr zusammengelegt. Man verbannte Gewässer in Rohre, rationalisierte Feldraine, Bäume und Hecken an den einstiegen Wirtschaftswegen weg. Denn große durchgängige Flächen ließen sich einfacher und kostensparender bewirtschaften.

Bertram Hermann, Eva Jähnigen, Jürgen Altmeyer weisen auf der Karte auf die schwarzen Markierungen, die zeigen, wo sich die vielen Gehölzpflanzungen befinden. Quelle: Anja Schneider

Aber auf lange Sicht haben solche kahlen und monotonen Agrarlandschaften viele Nachteile. Denn wenn Gehölzstreifen und -inseln fehlen, können kleine Säugetiere keine Deckung suchen bzw. Schutz in der Erntezeit finden, Vögeln fehlen Nistmöglichkeiten, Igel & Co. der Raum für das Winterquartier. Auch viele Insektenarten verschwinden. Zudem wird die Erosion des Bodens begünstigt.

Lebensraum für Feldhase, Neuntöter und Wildbienen

„Unser Ziel ist, ein Stück alter Kulturlandschaft zurückzuerobern“, formuliert es Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen, „und Lebensraum zu schaffen.“ Zum einen für Tiere wie Feldhase und Hermelin, den geschützten Neuntöter und die bedrohte Dorngrasmücke oder auch Wildbienen und Marienkäfer. Zum anderen für heimische Gehölze wie Hainbuche, Pfaffenhütchen und Schlehe. „Außerdem erhöhen wir den Erlebniswert der Landschaft für die einheimische Bevölkerung.“

Gehölzpflanzung entlang eines 1,5 Kilometer langen und 60 Meter breiten Ackerstreifens. Quelle: Anja Schneider

Allerdings geht das nicht per Verordnung. Denn meist gehört der Stadt der Grund und Boden nicht. So gilt es, Überzeugungsarbeit zu leisten. Und das ist eine langer, mühsamer Weg. „Wir nutzen all unsere Kontakte über Ortschaften, Naturschutzbund und andere Vereine, um die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren“, sagt Bertram Hermann. Er ist Sachbearbeiter Landschaftspflege und Biotopentwicklung im Umweltamt der Stadt.

30 große und kleine Pflanzungen seit 2009

Dass das Engagement bei den Eigentümern von Agrarland durchaus auf fruchtbaren Boden fällt, präsentierten jetzt Hermann, Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen und Jürgen Altmeyer, Abteilungsleiter im Umweltamt, im Dresdner Norden. Seit 2009 ist es gelungen, zwischen dem Seifersdorfer Tal und der Moritzburger Kleinkuppenlandschaft 30 Flächen unterschiedlicher Größe zu bepflanzen.

Links und rechts der Liegauer Straße hat die Stadt Bäume gepflanzt und Heckenstreifen angelegt. Quelle: Anja Schneider

Ein Beispiel ist die Liegauer Straße zwischen Schönborn und Liegau-Augustusbad. Dort hat die Stadt links und rechts der Fahrbahn 97 Straßenbäume und 6800 Sträucher gepflanzt. In diesem Fall gehörte das Land auf der einen Seite bereits der Stadt, auf der anderen Seite hat sie es zugekauft.

In einem anderen Fall konnte die Stadt in Langebrück mit dem Eigentümer eines 60 Meter breiten und 1,5 Kilometer langen Flurstückes und dem neuen Pächter des Ackerlandes vertraglich die Anpflanzung eines acht Meter breiten Gehölzschutzstreifens vereinbaren. Gleich hinter dem Hof hat die Stadt zudem eine Streuobstwiese angelegt und einen verlandeten kleinen Teich saniert.

Geld kommt durch Ausgleichsmaßnahmen von Bauträgern

Doch wer finanziert das alles? Verwendet werden dafür die Gelder, die die Bauherren zum Ausgleich zahlen müssen, wenn sie mit ihren Bauvorhaben den Naturhaushalt und das Landschaftsbild beeinträchtigen, erklärt Jähnigen. Wo und auf welche Weise der Ausgleich erfolge, werde vor Erteilung der Baugenehmigung festgelegt.

Fachgerechte Pflege ist wichtig

Für die Pflege der Anpflanzungen übernimmt für mindestens fünf bis sieben Jahre die Stadt die Verantwortung. Finanziert wird das auch durch besagte Ausgleichsmaßnahmen. „Wir versuchen aber, die Leute für 25 Jahre zu begeistern. Das gibt uns die Sicherheit, dass die Anpflanzungen fachgerecht gepflegt werden, bis sie fest etabliert sind“, so Bertram Hermann. Da das aber mit einem Grundbucheintrag verbunden ist, kann sich nicht jeder Eigentümer damit anfreunden. Abgeholzt werden dürfen die Anpflanzungen aber so oder so nicht mehr, wenn einmal das OK gegeben ist.

Heimische Gehölze Sachsens

Diese Gehölze stehen auf der Liste „Heimische Gehölze Sachsens“ des Umweltamtes und werden für die Bepflanzung von Hecken und Baumreihen verwendet:

Laubbaum-Arten: Feldahorn, Spitzahorn, Bergahorn, Schwarzerle, Hängebirke, Moorbirke, Gewöhnliche Hainbuche, Ein- und Zweigriffliger Weißdorn, Rotbuche, Faulbaum, Gewöhnliche Esche, Holzapfel, Schwarzpappel, Vogelkirsche, Traubenkirsche, Holzbirne, Traubeneiche, Stieleiche, Purgier-Kreuzdorn, Silberweide, Salweide, Grauweide, Bruchweide, Lorbeerweide, Purpurweide, Mandelweide, Korbweide, Schwarzer Holunder, Eberesche, Elsbeere, Winterlinde, Sommerlinde, Bergulme, Flatterulme, Feldulme.

Nadelbaum-Arten: Gewöhnlicher Wacholder, Europäische Fichte, Gewöhnliche Kiefer, Europäische Eibe.

Strauchgehölze und besonders für Hecken geeignete Baumarten: Feldahorn, Gewöhnliche Hainbuche, Blutroter Hartriegel, Gewöhnliche Hasel, Zweigriffliger Weißdorn, Europäisches Pfaffenhütchen, Faulbaum, Rote Heckenkirsche, Traubenkirsche, Schlehe, Purgier-Kreuzdorn, Hundsrosen, Schwarzer Holunder, Feldulme, Gewöhnlicher Schneeball.

Quelle: LHD/Umweltamt

Von Catrin Steinbach

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