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Lokales Klauen für Drogen: Zwei Jahre und sechs Monate Haft für 27-Jährigen
Dresden Lokales Klauen für Drogen: Zwei Jahre und sechs Monate Haft für 27-Jährigen
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18:50 25.04.2016
Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

„Auf der Straße ist es manchmal angenehmer als im Wohnheim “, erklärte Erik T. am Montag voller Überzeugung. Na ja, das ist sicher Ansichtssache, aber er meint es wohl wirklich so, denn da muss er sich an keine Regeln halten und kann tun, was er will. Der 27-Jährige weigert sich seit Jahren erfolgreich erwachsen zu werden, er hat kein Abschluss, keine Ausbildung, keinen Job – will er auch nicht: „Beruf ? Ach nee!“ Er lebt lieber in den Tag hinein. Die einzigen Konstanten in seinem Leben sind sein Drogenkonsum und regelmäßige Gefängnisaufenthalte. Aber die konnten ihn nicht sonderlich beeindrucken. Kam er raus, ging er auf Diebestour, um sich sein Crystal zu finanzieren, landete wieder im Knast und am Montag erneut vor dem Amtsrichter.

Im April 2015 war der Angeklagte mal wieder aus der Haft entlassen worden, im November klickten die Handschellen, seitdem sitzt er in U-Haft. Innerhalb von drei Monaten hatte er es auf 18 Diebstähle, zwei davon bewaffnet, gebracht – zumindest wurde er so oft erwischt. Erik T. klaute Lebensmittel für sich selbst und hochwertige Markenprodukte – vom Nobel-Shirt über Adidas-Turnschuhe bis zum Elektrofahrrad – um sie zu Geld zu machen oder gegen Drogen einzutauschen. „Ich brauche nicht viel. Solange ich meine Drogen habe und etwas Geld, ist alles in Ordnung. Ich fühl mich wohl in Dresden.“

Die Diebstähle räumte er alle ein, auch wenn er sich an nichts mehr erinnern kann – logisch, er war immer auf Droge. Einmal wurde er in eine Klinik gebracht, weil er im November nach einem Diebstahl nur mit Boxershorts bekleidet durch die Altmarkt-Galerie turnte. Bei den Detektiven in den Innenstadtgeschäften war er bekannt wie ein bunter Hund, aber er legte sich nie, im Gegensatz zu anderen Dieben, mit ihnen oder der Polizei an. „Ich habe mich oft erwischen und immer festnehmen lassen.“ Er finde deutsche Strenge und Geradlinigkeit sympathisch, sagte er und versuchte damit zu erklären, warum er schnell mal den Hitlergruß zeigt oder Parolen brüllt. Schlimm finde er das nicht.

Mit zwölf Jahren kam Erik T. mit seiner Mutter aus St. Petersburg nach Dresden, griff mit 14 zu Drogen und legte eine kriminelle Bilderbuchkarriere hin. Er war mehrmals auf Entzug und hat es nie geschafft. „Ich kam nie von den Drogen runter. Eine Therapie bringt mir nichts,“ ist er sich heute sicher. Der 27-Jährige ist da beratungsresistent, er hat irgendwie mit seinem Leben abgeschlossen und keine Zukunftspläne „Viel ändern wird sich für mich nichts. Da stellt sich nämlich die Frage, was kann ich, und ich kann nicht viel.“ Zweieinhalb Jahre kann Erik T. nun hinter Gittern darüber nachdenken, ob er nicht doch etwas kann. Vielleicht mal über den eigenen Schatten springen, den inneren Schweinehund überwinden und eine Therapie zu Ende bringen.

Von Monika Löffler

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