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Lokales Klassenfahrten: Der Trend geht zum Rundum-Sorglos-Paket
Dresden Lokales Klassenfahrten: Der Trend geht zum Rundum-Sorglos-Paket
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15:00 06.09.2017
Badespaß gibt’s auch an der Ostsee. Quelle: Christian Scholz
Dresden

Am 18. November findet die erste Schulfahrtenkonferenz in Dresden statt. Sie richtet sich vor allem an Sachsens Lehrer und wird u.a. von den Landesverbänden der Kinder- und Jugenderholungszentren (KiEZ), des Deutschen Jugendherbergswerks, der Schullandheime und der Christlichen Freizeit- und Tagungshäuser organisiert. Ihr Anliegen: den Lehrern Klassenfahrten in der Heimat schmackhaft machen. DNN fragten, wohin Dresdner Schüler gern fahren und wie lukrativ es für sie ist, bei Schulfahrten im Freistaat zu bleiben.

Wie beliebt sind Schulfahrten nach Sachsen?

Einer Studie des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa und der dwif-Consulting GmbH von 2015 zufolge führten 1,7 Millionen Übernachtungsreisen (2,8 Prozent) nach Sachsen. Immerhin 38 Prozent davon waren Kinder und Jugendliche aus dem Freistaat selbst. Zu den besonders beliebten Gegenden bei den jungen Leuten gehört die Sächsische Schweiz. Bundesweit mehr als 10 000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wurden über das Internet für die Studie befragt. Zwei Drittel der bundesweiten Kinder- und Jugendreisen hatten demnach ein Ziel im Inland.

Was für Unterkünfte bietet der Freistaat für Klassenfahrten?

Insgesamt 112 Jugendherbergen, KiEZE, Schullandheime und Christliche Freizeit- und Tagungshäuser. Darunter befinden sich fünf KiEZE (u.a. in Seifhennersdorf und Sebnitz) und 26 Jugendherbergen (eine davon in Dresden). Weil der Schulalltag schon stressig genug ist, bucht man in Jugendherbergen heutzutage nicht einfach nur Klassenfahrten, sondern Rundum-Sorglos-Pakete, die Übernachtung inclusive Bettwäsche, Verpflegung, pädagogische Programme und die Organisation des Transfers beinhalten.

Für welche Unterkünfte entscheiden sich die Schüler?

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Jugendherbergen, KiEZe und Schullandheime über alle Altersgruppen hinweg die beliebtesten Unterkünfte sind. Jüngere Kinder fahren besonders gern in ein KiEZ, Jugendliche mögen vor allem Jugendherbergen und ganz besonders Hostels.

Wohin zieht es Dresdner Schüler?

„Wir bleiben zum überwiegenden Teil in Deutschland“, berichtet Jürgen Karras, Leiter des Gymnasiums Cotta. Viele Stunden lang im Bus nach Italien herumzusitzen wie in den 1990ern, das wolle sich keiner mehr antun. „Unsere Schüler fahren häufig an die Ost- oder die Nordsee“, sagt er. Nicht selten verknüpfen die Gymnasiasten ein Fachthema mit der Reise: „Unsere Zwölfer waren jetzt in Ludwigshafen bei der BASF“, erzählt Karras. An der 46. Oberschule spielt der Preis eine große Rolle. „Wer von den Eltern kann es sich schon leisten, 200 Euro für drei Tage abzudrücken?“, fragt Schulleiter Hünecke. Die Preise würden zudem Jahr für Jahr steigen. „Vor allem mit den Kleinen bleiben wir deshalb meist in der Region“, erklärt er. Eine mehrtägige Reise nach Naumburg in Sachsen-Anhalt gehöre schon zu den Ausnahmen. Fahrten ins Ausland seien ganz selten. „Sie dauern lange und man hat weniger davon“, begründet Hünecke. Die letzten zehnten Klassen hätten ihre Abschlussfahrt nach Barcelona gemacht. Sie seien aber mit dem billigen Flixbus nach Berlin gefahren und dann in den Flieger gestiegen.

Wie sieht es an den Grundschulen aus?

„Wir bleiben prinzipiell in Sachsen“, berichtet Mathias Gläsel, Leiter der 30. Grundschule im Hechtviertel. Favoriten sind Rölligs Kinderhof in Heeselicht mit seinem Wildgehege und das Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) in Sebnitz. „Wir schauen, ob sich die Freizeitangebote mit dem Lehrplan verbinden lassen, und natürlich spielt auch der Preis für Übernachtung und Verpflegung eine Rolle“, erklärt Gläsel.

Wie gut ist die Jugendherberge in Dresden ausgelastet?

Mit einer Kapazität von 480 Betten ist das „Jugendgästehaus“ an der Maternistraße die größte Jugendherberge Sachsens. 2016 hat sie 76 000 Übernachtungen verbucht – 5000 mehr als im Jahr zuvor, teilt Sylvia Jobst vom Landesverband Sachsen des Deutschen Jugendherbergswerks mit. Die Herberge sei zu 45 Prozent ausgelastet gewesen. Sachsenweit seien es nur 29 Prozent.

Wie lange dürfen Schüler maximal auf Klassenfahrt gehen?

In der Primarstufe (Klassen 1 bis 4) stehen den Kindern bis zu fünf Unterrichtstage zur Verfügung, in den Klassenstufen 5 bis 7 bis zu sieben Tage pro Schuljahr. In der 8. bis 10. Klasse sind es dann bis zu acht Unterrichtstage und in der Sekundarstufe II (11. und 12. Klasse) bis zu zehn Tage insgesamt. Wie lange die Kinder tatsächlich unterwegs sind, hängt vom Engagement des Klassenlehrers und vom Geldbeutel der Eltern ab. Klassenfahrten sind eine freiwillige Angelegenheit – für Lehrer und Schüler. „Der Lehrer ist 24 Stunden für die Schüler verantwortlich und bekommt dafür keine extra Vergütung“, erklärt Schulleiter Karras.

Wie lange sind die Klassen nach Einschätzung der Anbieter tatsächlich unterwegs?

„Der Trend geht hin zu drei Tagen, obwohl fünftägige Klassenfahrten bessere pädagogische Effekte bringen würden“, berichtet Hardy Spitzner, Geschäftsführer des KiEZ-Landesverbandes Sachsen. Projektwochen seien eher rückläufig. Gründe für diese Entwicklung sieht Spitzner in den Kosten für die Fahrten und der angespannten Personalsituation an den Schulen. Am stärksten nachgefragt bei Klassenfahrten sind die Monate April, Mai und Juni sowie der Schuljahresbeginn für Kennenlernfahrten in der 5. Klasse.

Wer bezahlt Klassenfahrten?

In aller Regel die Eltern. Liegt ihr Einkommen unter der Bemessungsgrenze, gibt es Unterstützung vom Sozialamt. Manchmal lassen sich die Schulen auch etwas einfallen. „Wenn ein Schüler unbedingt mitfahren will und die Eltern das nicht stemmen können, gibt unser Förderverein ein zinsloses Darlehen“, berichtet Schulleiter Hünecke. Das müsse dann allerdings bis zum letzten Schultag des Jahres abgestottert werden.

Von Katrin Richter

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