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Lokales Kita-Streik in Dresden: Bürgermeister Dirk Hilbert wird zum Kindergärtner
Dresden Lokales Kita-Streik in Dresden: Bürgermeister Dirk Hilbert wird zum Kindergärtner
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20:53 09.09.2015
Bürgermeister Hilbert kümmerte sich am Donnerstag um drei vom Streik betroffene Kita-Kinder. Quelle: Stephan Lohse

Eine Gruppe von Eltern war am Vormittag zum Rathaus gezogen, um auf die Situation der Eltern und Erzieher aufmerksam und ein wenig „Rabatz zu machen“, wie Initiator Jens Strehle sagte.

Der TU-Informatiker musste am Donnerstag zum siebenten Mal eine Alternative organisieren, um seine zwei und vier Jahre alten Kinder zu betreuen, die sonst in der Kita Forststraße in der Neustadt untergebracht sind. Mal nehme er Urlaub, mal seine Frau, manchmal würden beide halbtags arbeiten und die Kinder mittags übergeben. Die von der Stadt im Streikfall offerierte Notbetreuung komme für ihn nicht in Frage. Immer wieder fremde Betreuer, das sei den Kindern nicht zuzumuten. Dann könne er sie auch gleich bei Bürgermeister Hilbert abgeben.

Der nahm die Idee tatsächlich auf. Nachdem Kinder und Eltern lautstark zu Hilberts Büro im Rathaus gezogen waren, überraschte der amtierende Oberbürgermeister die Eltern mit einem Stapel Vollmachten. Sie könnten ihren Nachwuchs an diesem Tag gerne bei ihm lassen. Er werde sich zusammen mit einem ausgebildeten Sozialpädagogen um alle Kinder kümmern, versprach der Familienvater.

Einige Eltern nahmen das Angebot dankend an, so dass Hilbert schließlich vier Kindern das Rathaus zeigte, bevor es zusammen erst zur Parkeisenbahn und dann weiter in den Zoo ging. Dort bestaunten die Kleinen erst die Riesenschildkröten, die gerade auf dem Weg ins Sommergehege waren, danach ging es zu den Giraffen und einer exklusiven Fütterung. Danach standen noch ein Mittagessen im Zoo - Nudeln mit Tomatensoße - Eisessen und der Zookasper auf dem Programm. Seine sonstigen Termine sagte Hilbert kurzfristig ab. „Man muss Prioritäten setzen“, so der Rathauschef.

Die meisten ins Rathaus gekommenen Eltern nahmen ihre Kinder hingegen wieder mit. „Ich verstehe es als ein Symbol“, so Ulrike Stansch. Zwei Stunden mit Hilbert in den Zoo zu gehen, sei keine Lösung. Die Kinder bräuchten langfristig Sicherheit und Kontinuität bei ihren gewohnten Erziehern. Daher sei das Angebot des Rathauschefs für sie keine Lösung. Wichtig sei es, ein Zeichen zu setzen. Neben der höheren tariflichen Eingruppierung sei den Eltern vor allem ein besserer Betreuungsschlüssel, weniger Teilzeitarbeit für Erzieher und weniger Bürokratie wichtig.

Zumindest ab der kommenden Woche werden die Eltern wieder Sicherheit haben. In der Nacht zu Donnerstag vereinbarten Gewerkschaften und der kommunale Arbeitgeberverband eine Schlichtung. Damit gilt ab Montag Friedenspflicht. Auch am Freitag soll noch einmal gestreikt werden, wenn auch in etwas kleinerem Rahmen. „Am Freitag finden vielerorts Streikversammlungen statt, um zu klären, wie es nun weitergeht“, sagte ein Verdi-Sprecher. Am Donnerstag waren laut Stadt 21 Einrichtungen in Dresden geschlossen, die meisten kommunalen Kitas waren zumindest teilweise geöffnet. Rund 5000 Kinder waren von dem Streiktag in dresden betroffen.

sl / wt

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