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Lokales Kirche fordert öffentliche Entschuldigung von Neonazi
Dresden Lokales Kirche fordert öffentliche Entschuldigung von Neonazi
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18:45 20.04.2018
Das Handyvideo zeigt die angeblichen Muslime in der Lutherkirche. Quelle: Screenshot/Facebook
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Dresden

Vor wenigen Tagen hatte ein ins Netz gestelltes und dort vielfach geteiltes Video aus der Martin-Luther-Kirche in Dresden für reichlich Ärger gesorgt – und noch immer erregen der Vorfall und seine Folgen die Gemüter. Der bekannte Neonazi Marco Wruck will sich jetzt beim Pfarrer der Martin-Luther-Kirche entschuldigt haben. Der Theologe widerspricht allerdings. Zudem hat die Kirche Anzeige erstattet – nachdem auf der Facebookseite einer Ex-AfD-Frau der Mitschnitt eines Telefonats aufgetaucht war.

Islamfeinde hatten mit dem Film über ein angebliches muslimisches Gebet eine Welle von Hasskommentaren losgetreten. Der Film zeigt dunkelhäutige Teilnehmer, auch Frauen mit Kopftüchern. Das Video landete im Netz, versehen mit einem Untertitel, der den Eindruck erweckt, es handele sich um Muslime. Was folgte, waren viele beleidigende Kommentare.

Auch Rechtsextreme hatten das Video geteilt, darunter der mehrfach vorbestrafte Aktivist Marco Wruck. Der Ex-Chef des NPD-Kreisverbandes Bautzen hatte unter anderem wegen des vertraulichen Chats mit dem Bautzener Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) für Schlagzeilen gesorgt. Auf seiner Facebook-Seite verkündete er jetzt, dass er sich bei Pfarrer Eckehard Möller entschuldigt habe – und dieser seine Entschuldigung auch akzeptiert habe.

Der Theologe von der Martin-Luther-Kirche bewertet das anders. Zwar habe Marco Wruck ihn angerufen. Eine Entschuldigung sei das aber nicht gewesen: „Wenn jemand um Entschuldigung bittet, dann heißt das, dass er zuvor eingesehen hat, dass er Mist gebaut hat und Reue zeigt“, erklärt der Pfarrer. Marco Wruck habe sich lediglich gerechtfertigt, betont, er könne nichts dafür, dass Christen und Muslime verwechselt worden seien.

Ohnehin wäre eine Entschuldigung nur bei der Kirche aus Sicht von Eckehard Möller zu wenig. Schließlich seien mit dem Video nicht nur Christen angegriffen, sondern auch die Muslime beleidigt worden. „Ich erwarte eine öffentliche Entschuldigung“, so der Theologe.

Eine Anzeige wegen der Verbreitung des Videos hat die Kirche bisher nicht erstattet. Mit der Urheberin der Aufnahmen möchte die Gemeinde zunächst das Gespräch suchen. Dennoch hat die evangelische Kirche in Dresden nun juristische Schritte eingeleitet. Kurz nachdem die Kirche die Verwechslung vor eineinhalb Wochen klargestellt hatte, meldete sich eine Anruferin, die sich als orthodoxe Christin ausgab und die Erklärungen der Kirche infrage stellte.

Das Gespräch war von der Anruferin jedoch ungefragt mitgeschnitten worden. Der Mitschnitt tauchte jetzt im Internet auf der Facebookseite von Madeleine Feige auf, einem Ex-Mitglied der AfD, die zudem bei der asylfeindlichen Initiative Wellenlänge engagiert war. Sie erklärt, nicht die Anruferin zu sein, diese aber gut zu kennen. Zwar enthalte das Gespräch keine brisanten Inhalte, sagt die Sprecherin der evangelischen Kirche in Dresden, Mira Körlin. Doch ein Telefongespräch mitschneiden und dann veröffentlichen – „das geht gar nicht“, so die Sprecherin.

Von Sebastian Kositz

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