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Lokales Kinder von Migranten auf wenige Schulen konzentriert
Dresden Lokales Kinder von Migranten auf wenige Schulen konzentriert
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12:01 20.04.2018
Unterricht in einer DaZ-Klasse: In Dresden sind diese auf 18 Grundschulen zentriert. Quelle: Mario Jahn
Dresden

 In Dresden gibt es 71 Grundschulen. Klassen mit dem Profil „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ-Klassen) mit Kindern von Migranten gibt es aber nur an 18 Grundschulen. Ein Missverhältnis, wie Thomas Löser findet, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. „Das müssen wir dringend überdenken. Warum werden die DaZ-Klassen auf wenige Standorte zentriert?“

Er höre als Antwort immer, so Löser, dass viele Familien mit Integrationsbedarf eben in bestimmten Vierteln wie Prohlis, Gorbitz oder Johannstadt wohnen würden. „Hier müssen wir überlegen, wie wir mit Maßnahmen der Stadtentwicklung gegensteuern können. Segregation ist in Dresden ein Thema.“ Die DaZ-Standorte müssten dringend ausgeweitet werden, fordert Löser, und sieht auch den Freistaat in der Verantwortung. Der Fraktionsvorsitzende betonte, dass es Integrationsbedarf nicht nur bei Migranten gebe, sondern auch bei in Deutschland geborenen Menschen.

Kinder in multikomplexen Problemsituationen

Die 102. Grundschule „Johanna“ in Johannstadt ist nach einer Statistik der Schulverwaltung die Dresdner Schule mit dem höchsten Migrantenanteil. 263 Schüler werden unterrichtet, 169 haben einen Migrationshintergrund – das macht einen Anteil von 64,3 Prozent. An der 117. Grundschule (Südvorstadt) beträgt der Anteil 56,9 Prozent, hier haben 161 von 283 Kindern einen Migrationshintergrund. An der 113. Grundschule (Altstadt) beträgt der Anteil 44,4 Prozent.

Der Stadtrat hat am Donnerstagabend beschlossen, Grundschulen in „besonders belasteten Sozialräumen“, wie es Linke-Bildungspolitikerin Anja Apel formulierte, mit Mitteln aus dem Programm „Aufwachsen in sozialer Verantwortung“ zu unterstützen. Dieses Programm war vor zwei Jahren für Kindertagesstätten in Problemvierteln ins Leben gerufen worden.

Das pädagogische Teams eines Hortes mit 214 Kindern, davon 138 mit Migrationshintergrund, habe sie angeschrieben und um Unterstützung gebeten, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzende Dana Frohwieser. Die Betreuungssituation sei nicht zufriedenstellend. Man benötige zusätzliches Personal, um dem Bedarf von Kindern in multikomplexen Problemsituationen gerecht zu werden.

101. Oberschule mit Migrantenanteil von 48,8 Prozent

Laut Apel habe die 117. Grundschule eine Kulturdolmetscherin in einem Projekt beschäftigen können. „Aber als das Projekt zu Ende war, war die Dolmetscherin wieder weg.“ Sie keine Schulleiterinnen, die dringend Lernpsychologen und -therapeuten einstellen müssten, aber dafür keine Mittel zur Verfügung haben.

Die CDU unterstützte den Antrag der rot-grün-roten Kooperation. „Wir unterliegen aber nicht dem Glauben, dass ein staatliches Programm ein intaktes Elternhaus kompensieren kann“, erklärte die bildungspolitische Sprecherin Heike Ahnert.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) soll nun Kriterien erarbeiten lassen, nach denen Horte und Grundschulen bestimmt werden, die in den Genuss zusätzlicher finanzieller und personeller Ressourcen kommen können. Bis Ende Mai soll Hilbert laut Beschluss eine Vorlage liefern.

Kinder mit Migrationshintergrund sind auch auf wenige Oberschulen konzentriert worden. Von 27 Dresdner Oberschulen unterrichten laut Statistik nur 13 Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien. Den höchsten Migrantenanteil hat die 101. Oberschule (Johannstadt) mit 48,8 Prozent: 224 von 439 Schülern haben einen Migrationshintergrund. An der 46. Oberschule lernen 424 Schüler, davon 207 Migranten, das entspricht 48,8 Prozent. An der 121. Oberschule beträgt der Anteil 34,1 Prozent.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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