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Lokales Kennen Dresdner Händler das ElektroG? Wir stellen sie auf die Probe
Dresden Lokales Kennen Dresdner Händler das ElektroG? Wir stellen sie auf die Probe
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09:58 25.07.2017
DNN-Mitarbeiterin Tomke Giedigkeit hat versucht, ihren kaputten Toaster in Dresdner Märkten loszuwerden – mit mittelmäßigem Erfolg. Quelle: Anja Schneider

Ein leises Zischen beendet den Traum von einem ausgiebigen Wochenendfrühstück. Nach neun Jahren hat mein treuer Begleiter den Geist aufgegeben. Eine Reparatur? Lohnt nicht, schließlich hat doch meist immer noch jemand im Bekanntenkreis einen Toaster im Keller stehen, der auf seinen Einsatz bei Tageslicht wartet.

Bleibt die Frage: Wohin mit dem alten Toaster? Ohne Auto zum Werststoffhof ist ein großer Aufwand für das bisschen Elektorschrott. Die Umwelt dankt es wenn der Toaster nicht einfach in der Tonne landet. Genau deshalb hat die EU-Kommission das „ElektroG-Gesetz“ ins Leben gerufen. Seit einem Jahr sind Märkte, die Elektrogeräte verkaufen, verpflichtet Kleingeräte kostenlos zurück zu nehmen – ganz egal wo sie gekauft wurden.

Seit dem 24. Juli 2016 können Verbraucher alte Elektrogeräte kostenfrei bei Händlern zurückgeben, wenn diese elektrische Geräte auf mindestens 400 Quadratmetern Verkaufs- oder Lagerfläche anbieten.

Föhne, Toaster und Glühbirnen können bei jedem Unternehmen ohne Kassenzettel entsorgt werden, auch wenn sie dort nicht gekauft wurden.

Das Elektrogerät darf ein Kantenmaß von 25 Zentimeter nicht überschreiten, um als Kleingerät unter das ElektroG-Gesetz zu fallen.

Bis zu einer Entsorgungsmenge von fünf Geräten ist die Rückgabe nicht an einen Neukauf gebunden.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zieht eine schlechte Bilanz: Viele Mitarbeiter sind unwissend oder verweigern die Rücknahme. Wie es in der Landeshauptstadt um die gesetzliche Rücknahmepflicht bestellt ist, werden mein Toaster und ich testen.

Möbelhaus Höffner

Den Auftakt bildet das Möbelhaus Höffner im Elbepark. Neben Sofas und Schränken werden hier auch Küchengeräte aller Art verkauft. Gleich am Eingang zeige ich zwei Mitarbeitern meinen alten Toaster und frage, ob ich ihn hier bitte entsorgen könnte. Die beiden schicken mich weiter in die Elektroabteilung, wo mich eine ältere Verkäuferin freundlich aber bestimmt nach dem Kassenbon fragt. „Ich weiß gar nicht mehr, wo ich ihn gekauft habe“, sage ich. „Dann können wir den leider nicht zurücknehmen“. Als ich den Toaster wieder mühselig in meinem Rucksack zu verstauen versuche, kommt sie mir entgegen und bietet mir an, den Toaster nun aus Kulanz des Hauses doch zurück zu nehmen, „obwohl wir das ja eigentlich nicht machen“.

MediaMarkt

Nächster Versuch: Media-Markt im Elbepark, direkt gegenüber. Die gleiche Frage, ob Sie denn bitte den Toaster für mich entsorgen könnten. Diesmal weiß der junge Verkäufer Bescheid und bittet mich mitzukommen. Aus einem Schrank zieht er einen Zollstock und misst die Kanten des Toasters. Dann ruft er seinen Kollegen an: „Ich habe 24,5 Zentimeter gemessen, nehmen wir das noch?“. Bis zu 25 Zentimeter dürfen die Kanten des Geräts lang sein. Da hab ich ja nochmal Glück gehabt, dass die penible Messung zu Gunsten meines Toasters ausgefallen ist. „Etwa zwei Umzugskartons voll Elektroschrott sammeln wir pro Woche“, sagt der Mitarbeiter. Das könnte bestimmt mehr sein, denn im Laden fehlt jeglicher Hinweis über die Möglichkeit, hier seinen Elektroschrott und auch Glühbirnen kostenlos entsorgen lassen zu können.

IKEA

Als nächstes versuche ich die Toasterrückgabe auf „Schwedisch“. Dass IKEA für Gemütlichkeit sorgen will, ist Geschäftsprinzip. Auch für die Toasterentsorgung soll ich doch bitte eine Nummer ziehen und gemütliche 30 Minuten Wartezeit einplanen. Das ist mir dann doch zu viel und ich frage weitere Mitarbeiter. Schließlich erklärt sich eine junge Verkäuferin an der Warenausgabe bereit, dort wo eigentlich die großen Möbelstücke abgeholt werden, sich meines alten Toasters anzunehmen.

Hornbach

Baumärkte verkaufen zwar nicht unbedingt Toaster, doch verschiedene Elektro-Kleingeräte. Daher ist auch der Dresdner Hornbach-Markt in Kaditz gesetzlich dazu verpflichtet, meinen Toaster kostenlos zu entsorgen. Ist hier auch erstaunlich einfach. Allerdings stehen die Sammelboxen ziemlich versteckt in einer Ecke und es fehlen auch im Hornbach jegliche Informationen über das gesetzliche Angebot.

Karstadt

Als nächstes folgt ein Ortswechsel in die Prager Straße. Beim Shoppen mal schnell zwischendurch seinen Elektroschrott loswerden, sollte eigentlich im Karstadt funktionieren. Von der Kasse in der Elektroabteilung werden ich zu einer anderen Mitarbeiterin verwiesen. Sie fragt mich nach dem Kassenzettel und hat noch nichts von dem ElektroG Gesetz gehört, das auch Karstadt seit einem Jahr zur Rücknahme von Kleinelektrogeräten verpflichtet. Wieder wird mir angeboten, dieses Mal aus Kulanz eine Ausnahme zu machen, und meinen Toaster doch zu entsorgen.

Conrad

Als letztes probiere ich meinen Toaster im Conrad-Markt nun endgültig los zu werden. Das erste Mal funktioniert dies innerhalb einer Minute ohne viel Tamtam. Die Mitarbeiterin nimmt das Gerät entgegen, lächelt kurz und das wars. Toaster weg, Fazit mittelmäßig. Mit etwas Nachdruck und einem breiten Lächeln, wird man seinen Elektroschrott in den Märkten los – allerdings sollte das im Sinne des ElektroG-Gesetzes im Namen der Umwelt doch deutlich leichter gehen, um eine Alternative zur aufwendigen Entsorgung auf dem Wertstoffhof zu geben.

Die DUH fordert von der Politik härte Strafen gegen Märkte, die sich weigern Elektroschrott zurück zu nehmen. Der offizielle Bußgeld-Katalog sieht dafür ein Ordnungsgeld von bis zu 100.000 Euro Strafe vor. Die Stadt Dresden teilt auf Anfrage mit, das bis jetzt noch keine Strafen gegen einzelne Märkte verhängt wurden. Auch auf den Wertstoffhöfen ist das Volumen des gesammelten Elektroschrotts mit rund 2 500 Tonnen im Jahr 2016 im Vergleich zu den Vorjahren nicht gesunken. Ein erster Schritt für die Unternehmen wäre, die Möglichkeit der kostenlosen Entsorgung zu kommunizieren, damit das Angebot auch angenommen werden kann.

Von Tomke Giedigkeit

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