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Lokales Keine Katzen für Asylsuchende
Dresden Lokales Keine Katzen für Asylsuchende
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11:47 23.07.2018
Estrabraq Alogaili besucht mit seiner Frau Hiba jeden Tag die Katzen im Leisniger Tierheim, die die Behörde ihnen weggenommen hat. Quelle: Archiv/Dirk Wurzel
Dresden

Der Fall sorgt derzeit landesweit für Wirbel: In Leisnig hatten die Be­hörden unlängst einer irakischen Familie ihre beiden Katzen weggenommen. Nicht, weil sie sich nicht gut um die Tiere gekümmert hätten. Im Gegenteil. Schuld da­ran sind die vom Kreis Mittelsachsen auf­gestellten Regeln: Diese untersagen ge­­nerell die Haltung von Tieren in Asylunterkünften – ganz egal ob großes Heim oder angemietete Wohnung. Von einem Katzendrama schreiben Medien, von Be­hördenirrsinn spricht die Linksfraktion im Landtag. Doch nicht nur in Mittelsachsen, auch in Dresden sind für Asylsuchende Haustiere tabu. Dabei sind anderswo die Re­geln durchaus weniger eng.

Wie in Mittelsachsen auch sind in der sächsische Landeshauptstadt laut „Unterbringungssatzung Asyl“ keine Haustiere erlaubt. Lediglich für Blinden und Be­­hindertenbegleithunde besteht eine Ausnahme. Auch in Dresden mussten deshalb in der Vergangenheit in einigen wenigen Fällen bereits Mensch und Tier ge­trennt werden, wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage bestätigt. „Die Asylunterkünfte werden regelmäßig von städtischen Mitarbeitern auf ihre zweckmäßige Nutzung und ihren ordnungsgemäßen Zu­stand überprüft“, er­klärt Domenic Heyn, Referent der Sozialbürgermeisterin Dr. Kristin Klaudia Kaufmann (Linke). Da­bei waren „sehr selten“ auch Tiere in den Wohnungen festgestellt worden.

Laut Unterbringungssatzung sind dann die Tierhalter selbst in der Pflicht, sich um eine alternative Unterbringung des Tieres zu kümmern – etwa bei Freunden, in Tierpensionen oder im Tierheim. „Sollten Kosten an­fallen, so trägt dieser der Halter.“ Eine Beschlagnahme habe es bislang noch nicht gegeben. „Wir bevorzugen mil­dere Mittel“, so Domenic Heyn. Bisher seien stets einvernehmliche Lö­sungen gefunden wor­den. In den meisten Fällen seien die Tiere dann tatsächlich bei Be­kannten untergekommen.

Doch anders als in Mittelsachsen, Dresden oder beispielsweise auch im Landkreis Bautzen, wo ebenso Haustiere in Heimen und Wohnungen strikt untersagt sind, handhaben es die Landtratsämter in Meißen und Pirna durchaus weniger eng. Aus hygienischen Gründen sind zwar auch in dem Kreisen Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge in Heimen keine Hunde, Katzen oder andere Tiere erlaubt. In von den Kreisen für Asylsuchende angemieteten Wohnungen, so heißt es unisono aus beiden Ämtern, sei das aber Sache der Vermieter.

Das Vorgehen der Behörde im Fall der Familie aus Leisnig bezeichnen die Linken im Landtag jedenfalls als „nicht hinnehmbar“. Susanne Schaper, tierschutzpolitische Sprecherin der Fraktion, verweist auf die Rechtssprechung, wonach die Haltung von Katzen als Kleintiere in einer Wohnung nicht pauschal verboten werden könne. „Statt froh darüber zu sein, dass sich die Familie liebevoll und fürsorglich um die Tiere kümmert, führt das Verhalten der Behörde dazu, dass die Tiere im Heim auf Kosten der Gesamtgesellschaft versorgt werden und unnötig leiden müssen.“ Susanne Schaper verweist aufs Tierschutzgesetz. Dort heißt es: Niemand dürfe Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen. „Die Ausländerbehörde verstößt klar dagegen“, so die Politikerin.

Von Sebastian Kositz

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