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Lokales „Bombe“ entpuppt sich als Wasserrohr
Dresden Lokales „Bombe“ entpuppt sich als Wasserrohr
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19:48 22.10.2018
Die vermeintliche Bombe entpuppte sich als Wasserrohr. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Allgemeines Aufatmen. Und viele werden sich wohl ein Grinsen nicht verkneifen können. Die Bombe, die im Ostragehege unter der Erde vermutet wurde, ist ein Wasserrohr mit Muffe. Viel Aufregung um nichts also. Dabei waren sich die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst doch ziemlich sicher. Aber manchmal irren eben auch erfahrene Fachleute.

Vier Bohrungen am Montagmittag zwecks Sondierung der genauen Lage des verdächtigen Objektes schienen erst die Vermutung zu bestätigen, dass es sich um eine Bombe handelt, erklärt Polizeisprecher Thomas Geithner Montag, 17 Uhr, vor Ort. Der Störkörper sei in einer Tiefe von 2,50 Metern geortet worden.

Doch als die Asphaltdecke entfernt war, kam eine Mischung aus Schotter, Ziegelsteinen und Lehm zum Vorschein, die bis in eine Tiefe von zwei Metern reichte. Das habe man so nicht erwartet. Unter der Schotterschicht befand sich Sand. Und nach einem halben Meter hätten die Kollegen dann 14.30 Uhr ungläubig auf ein Wasserrohr geblickt, erzählt Geithner.

Erleichterte Gesichter bei Stadtsprecher Kai Schulz (links) und Polizeisprecher Thomas Geithner. Foto: Dietrich Flechtner

„Die Leitung war auf keinem Plan verzeichnet. Wir gehen davon aus, dass sie aus DDR-Zeiten stammt“, so der Polizeisprecher. Es sei sofort Kontakt mit der Drewag aufgenommen worden. „Es ist nichts uns Bekanntes“, bestätigt Gerlind Ostmann gegenüber DNN. Auf jeden Fall sei das Rohr stillgelegt, „etwas einzeln im Boden Liegendes“. Der Schlachthof habe früher ein eigenes Trinkwassernetz gehabt. Vielleicht gehöre das Rohr dazu.

Es sei schon ein unglaublicher Zufall, dass die Lage des Rohres mit dem schwarzen Punkt auf dem Luftbild, das nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges gemacht wurde, übereinstimmt, sagt der Polizeisprecher. Vielleicht habe man die Bombe schon damals im Zusammenhang mit der Verlegung des Rohres bereits entschärft, so wieder eine Vermutung.

Hätte man das verdächtige Objekt nicht schon eher freilegen können, um Gewissheit zu haben, ob es sich um eine Bombe handelt oder nicht? „Nein“, sagt die Polizei. „Das Problem ist, dass man bei der Freilegung einer Bombe sehr schnell an einen Punkt kommt, wo es kein Zurück mehr gibt. Dann hätten wir eine ad-hoc-Situation gehabt. Und genau das wollten wir vermeiden.“

Schulen zu, Kitas geöffnet

„Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“, kommentiert Stadtsprecher Kai Schulz die Entwicklung der Dinge. „Jetzt müssen wir mit der Situation ad hoc umgehen und alle Betroffenen und Beteiligten informieren.“ Niemand muss mehr evakuiert werden. Alle können in ihren Wohnungen bleiben. Laut Schulz haben alle Kindertageseinrichtungen nun am Dienstag, 23. Oktober, normal geöffnet. Die Schulen in dem vorgesehenen Evakuierungsgebiet bleiben aber geschlossen. Denn es sei in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, alle Eltern und Lehrer von der veränderten Situation in Kenntnis zu setzen.

Die Horte allerdings sind am Dienstag ab 11.30 Uhr geöffnet. „Vorsorglich aber bitte eigene Verpflegung mitbringen“, empfiehlt der Stadtsprecher.

Der Aufbau der Notunterkünfte sei abgebrochen worden. Am Dienstag erfolge der Rückbau, so dass der Unterricht in den betreffenden Schulsporthallen dann ab 24. Oktober wieder normal stattfinden könne.

Günstige Hotelübernachtungen möglich

Die Dresdner Hotels übrigens, die den von der Evakuierung Betroffenen angeboten hatten, zu günstigen Konditionen zu übernachten, halten ihr Angebot aufrecht. „Wer gebucht hat, kann gerne Urlaub in der eigenen Stadt machen. Auch eine Stornierung ist problemlos möglich. Die Hotels bitten nur um entsprechende Benachrichtigung“, teilt der Stadtsprecher mit. Das Bürgertelefon (Tel.: 0351-4887666) bleibe für alle, die Fragen haben, Dienstag ab 6 Uhr geschaltet.
Freuen werden sich auch die Autofahrer, denn sämtliche Straßensperrungen, die im Zusammenhang mit dem Sperrgebiet vorgesehen waren, entfallen. Ebenso sind alle aufgrund der möglichen Bombenentschärfung vorbereiteten Umleitungen von Bus und Bahn passé. Einzige Ausnahme ist die Linie 4.

Linie 4 fährt trotzdem Umleitung

„Die Teilung der Linie 4 können wir in der Kürze der Zeit nicht mehr rückgängig machen. Denn die Fahr- und Dienstpläne sind angepasst und gegenüber den Fahrern kommuniziert. Dazu gibt es gesetzlich vorgeschriebene Zeiträume“, so Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe. Die geteilte Linie 4 fährt also vom 23. Oktober, 8 Uhr, bis 24. Oktober, 3,30 Uhr wie folgt: 1. Von Laubegast über die Innenstadt und Mickten nach Kaditz und zurück. 2. von Radebeul-Ost bis Weinböhla und zurück. Zwischen Altpieschen und Radebeul-Ost wird Schienenersatzverkehr eingesetzt.

„Wir sind froh, dass es sich nicht um eine Bombe handelt“, betont Kai Schulz. Alle Beteiligten würden es als Übung sehen. Es habe sich gezeigt, dass Dresden wie keine andere Kommunalverwaltung mit solchen Dingen umzugehen wisse. Die Kollegen vom Kampfmittelbeseitigungsdienst müssten das jetzt aber erstmal verarbeiten, so Polizeisprecher Geithner.

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Folgende Schulen sind geschlossen:

·        Sportgymnasium, Messering 2 a
·        10. Oberschule/Sportoberschule, Messering 2 a
·        8. Grundschule, Konkordienstraße 12 
·        9. Oberschule, Lommatzscher Straße 121 
·        26. Grundschule, Osterbergstraße 22 
·        41. Grundschule, Hauptmannstraße 15
·        144. Grundschule, Micktner Straße 10
·        Schule zur Lernförderung „A.S. Makarenko“, Schulteil auf der Konkordienstraße 12 a (Haupthaus Leisniger Straße ist geöffnet)
·        Sportinternat, Messering 2 a

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