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Lokales Keine 0-8-15-Oma-Frisur: Nicole Kaden erhält ihren Meisterbrief
Dresden Lokales Keine 0-8-15-Oma-Frisur: Nicole Kaden erhält ihren Meisterbrief
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10:08 24.11.2017
Friseurmeisterin Nicole Kaden (26) aus Dresden frisiert Isabell Strohbach.   Quelle: André Wirsig
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Dresden

 Einen Bürojob wollte Nicole Kaden nie. Action und Trubel und Leute um sich rum – das sollte ihr künftiger Beruf bieten. Nun ist sie 26 und: Friseurmeisterin. Eine von 260 Meisterabsolventinnen des Jahres 2017 im Kammerbezirk Dresden, die am Sonnabend in der Messe Dresden ihre Meisterbriefe in Empfang nehmen.

Friseurin? Action? Trubel? „Na klar“, sagt die toughe Blondine und schaut durch den kleinen Salon. „Was denken sie, was hier manchmal los ist?“. Wer die auf weitläufige Eleganz angelegten Haarschneidesalons zum Beispiel in der Dresdner Neustadt kennt, wird beim „Friseurteam K“ vielleicht drückende Enge verspüren. Doch der Meisterbetrieb im Parterre des DRK-Seniorenheims „Clara Zetkin“ auf der Fetscherstraße entfaltet rasch gemütlichen Charme, wenn Nicole Kaden und ihre Chefin, Katrin Barth ihren Alltag schildern. „Hier passen fünf Rollstühle rein“, sagt Nicole und erzählt, wie gern die Kunden des Pflegeheims hier reinschneien, selbst wenn sie keinen Termin haben. „Sie kommen, um verwöhnt zu werden, aber auch zum Plaudern und Lachen. Im Winter sicher auch, weil es hier schön kuschlig ist, und vielleicht, weil es bei uns diese kleine süße Ecke zum Naschen gibt. Viele suchen einfach den Tapetenwechsel.“ Wer Nicole Kaden und Katrin Barth zuhört, ahnt, dass die Heimbewohner auch kommen, weil die zwei jungen Frauen gut mit Leuten können, herzlich sind, Charme und Lebensfreude verbreiten.

Womit sich der Kreis zur Meisterausbildung schließt. Menschenkenntnis, Organisationstalent, handwerkliche Qualität, soziale Verantwortung – Nicole Kaden verbindet das alles in ihrem Job miteinander, sucht aber immer auch neue Herausforderungen. „Ich will nicht stehenbleiben“, formuliert sie, was sie antreibt. Nachdem sie in Laubegast Berufserfahrung gesammelt hatte, stand sie im März 2017 bei Katrin Barth in der Tür. Die hatte den Salon im Pflegeheim Anfang 2016 übernommen und suchte dringend Verstärkung. Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb. Dass Nicole schon mitten in der Meisterausbildung steckte, sich also noch die kaufmännischen Grundlagen für das Handwerk überhalf, das war eher ein Plus, sagt Katrin Barth. Denn nun können Erweiterungspläne ernsthaft in Angriff genommen werden. Ziel: Lehrlinge ausbilden, den Salon vergrößern. Zwei Meisterinnen – das sei nicht nur ein Qualitätssiegel, sondern auch perfekt, um die Arbeit zu organisieren. „Wir sind ein Top-Team“, sind sich beide einig, „für uns ist das nicht irgendein Job, sondern was, was wir mit Herzblut machen!“

Das Pflegeheim hat rund 250 Insassen, fast alle gehören zu den Kunden der beiden Frauen. Nicht alle können sich auf den Weg ins Parterre machen. Doch das ist kein Hinderungsgrund: „Mit der richtigen Schneidetechnik geht ein guter Haarschnitt auch im Bett“, sagt Nicole Kaden und erzählt mit leuchtenden Augen von der Dankbarkeit, die ihr jedes Mal entgegenschlägt, wenn sie mit ihrer Arbeit fertig ist. „Wir liefern keine 0-8-15-Oma-Frisur“, sagt sie, „sondern beraten Leute gern über einen neuen Look. Viele nehmen das furchtbar gern an“.

Natürlich hat Nicole Kaden auch andere, jüngere Kunden. Viele, die Dresden verlassen haben, kommen heute aus Hamburg oder München hierher, um sich von ihr frisieren zu lassen. Die junge Frau fühlt sich auf dem richtigen Weg. Am Sonnabend nimmt sie bei der großen Meisterfeier der Dresdner Handwerkskammer ihr Zertifikat entgegen – als eine der neun Besten des Jahrgangs.

http://www.hwk-dresden.de/

Von Barbara Stock

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