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Lokales Kein Hitzefrei bei Schulbauarbeiten in Dresden
Dresden Lokales Kein Hitzefrei bei Schulbauarbeiten in Dresden
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16:36 09.08.2018
Jens Kießling und Elisabeth Leuthold (Fa. GLF Garten- und Landschaftsbau) haben bei den Mauerarbeiten auf dem Gelände der 153. Grundschule an der Fröbelstraße in der prallen Sonne zu tun. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Das Außenthermometer des klimatisierten Busses zeigt 38 Grad. In der Sonne dürften es locker 50 Grad und mehr sein. In dieser Glut planieren Bauarbeiter an Dresdner Schulen dampfenden Asphalt, legen Pflastersteine oder betonieren Fundamente. Die Frage nach Hitzefrei quittieren sie nur mit einem müden Lächeln. In der Pause gönenn sie sich mal ein Eis, mehr ist nicht drin. An den Schulen in Dresden laufen die Bauarbeiten vor allem dort auf Hochtouren, wo am 13. August der Unterricht beginnen soll.

An vielen Schulen wird derzeit gebaut in Dresden. Hier ist zu sehen, wie sie einmal aussehen sollen.

„Wir werden an diesen Schulen rechtzeitig fertig sein“, zeigte sich Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) am Mittwoch bei einer Pressetour über Schulbaustellen der Stadt optimistisch. An 28 Schulstandorten laufen in den Sommerferien Instandsetzungsmaßnahmen (Auswahl siehe Kasten), einige laufen planmäßig bis Herbst 2018 oder Frühjahr 2019. Außerdem sind Bauleute an neun weiteren Standorten an Neubauten und Sanierungsvorhaben aktiv, davon sollen sechs bis zum Schuljahresbeginn weitgehend abgeschlossen sein.

Keine Freude an Rathausneubau

Zwölf Millionen Euro gibt die Stadt für Instandhaltungen in den Sommerferien aus. Für Sanierung und Neubau werden in diesem Jahre zwischen 120 und 150 Millionen Euro ausgegeben, erklärte Vorjohann. Für den Schuljahresstart sei die Stadt mit den Schulgebäuden gut gerüstet. In allen dafür vorgesehenen Objekten könne der Unterricht aufgenommen werden, auch wenn hier und da noch Arbeiten erledigt werden müssten.

In den letzten vier Jahren sei das Bauvolumen verdoppelt worden. Bis Ende 2022 sollen 560 Millionen Euro in die Schulen gesteckt werden, 250 Millionen davon im Doppelhaushalt 2019/20.

Das Programm komme jedoch zu spät und die jahrelange Untätigkeit bei den dringend notwendigen Bildungsinvestitionen räche sich nun, schimpfte die SPD-Stadtratsfraktion am Mittwoch. „Wir laufen einem unendlichen Sanierungsstau nach“, erklärte Fraktionschef Dana Frohwieser. „Auch wenn wir weiterhin mehr als 100 Millionen Euro im Jahr investieren – und mehr bekommen wir doch gar nicht verbaut – und so sehr es mir in der Seele weh tut, das Kindern, Lehrkräften und Eltern zu sagen: einige Schulen werden weiter warten müssen“, fügte sie hinzu. Die Verwaltung müsse bürokratische Hindernisse aus dem Weg räumen und dafür sorgen, dass wenigstens das eingeplante Geld verbaut werde, forderte sie mit Blick auf die im Haushalt stehenden Gelder für den Schulstandort Boxberger Straße sowie die 88. Grundschule am Plantagenweg und die 76. Oberschule an der Merbitzer Straße.

Vorjohann verteidigte die geringeren Schulinvestitionen in der Vergangenheit, als er noch Finanzbürgermeister war, auch damit, dass die politischen Prioritäten anders gesetzt worden seien und beispielsweise viel Geld in zwei kulturelle Großprojekte geflossen seien. Gemeint sind damit Kulturpalast und Kulturkraftwerk.

Überraschung für Schüler

Mittlerweile wird mächtig geklotzt auf Dresdner Schulbaustellen. Vorjohann denkt sogar, es ließe sich noch mehr Geld verbauen. Andererseits gibt es schon jetzt angesichts der Baukonjunktur immer wieder Probleme bei Ausschreibungen, können Bauleistungen nicht vergeben werden, weil sich keine Firmen dafür finden. Vorjohann, der kein Freund der städtischen Neubaupläne für Verwaltungsgebäude ist, fürchtet mit seinen Schulbauten irgendwann unter die Räder zu kommen, wenn die Konjunktur schwächeln sollte und das Geld knapp wird.

Das Nahziel ist der 13. August. Die Firmen arbeiten teilweise schon im Zweischichtsystem und auch am Sonnabend. „Viele schreiben gar keine Rechnungen, weil auch die Büroleute auf den Baustellen unterwegs sind“, meint Vorjohann. An Hitzefrei ist daher für die Bauarbeiter auch bei 38 Grad nicht zu denken.

Nach den Bauarbeiten wird es das möglicherweise auch für manche Schüler nicht mehr geben: „Die Belüftungsanlage erlaubt uns eine Nachtabkühlung, dass tagsüber stets angenehme Temperaturen herrschen werden“, erklärte Ralph Hengst vom Architekturbüro Raum und Bau GmbH, dass am Tschirnhaus-Gymnasium tätig ist. Hengst: „Hitzefrei wird wohl nicht mehr vorkommen.“

Auslagerung mit Vorzügen

Die Kunst-Lehrerinnen Sabine Vetter und Wiebke Krause vom Gymnasium Plauen ziehen in den Interimsstandort am Terrassenufer ein. Quelle: Dietrich Flechtner

Am Terrassenufer entsteht ein großer Auslagerungsstandort, der auch ein komplettes Gymnasium aufnehmen kann. 2,2 Millionen Euro lässt sich die Stadt die Bauinvestitionen kosten.

Dazu gehört eine aufgeständerte Gründung. Dort kann bei Hochwasser die Elbe dazwischen laufen, das Erdgeschoss wird nicht nass. Die Ergänzung zum Bestandsgebäude Typ Dresden besteht aus 108 Modulen, die für zehn Jahre zu rund 800 000 Euro Miete pro Jahr genutzt werden sollen. Im Außenbereich, der erst im Oktober fertig wird, verlegen Bauarbeiter gerade Pflastersteine und Asphalt.

Im Inneren räumen Lehrer vom Gymnasium Plauen die Umzugskartons aus. Die Schule wird am 13. August am Terrassenufer starten. Vielleicht wollen wir gar nicht mehr zurück, flachst Wiebke Krause. Die Kunstlehrerin ist sich mit Kollegin Sabine Vetter einig, dass es für den Kunstunterricht ideal ist, wenn die großen Museen der Stadt direkt vor der Schultür liegen. Auch bis zur Elbe ist es nicht weit. „Das ist schon Luxus für Schulen in der Innenstadt“, meint Lehrerin Vetter.

Doch es wird nichts nützen. Als nächstes wartet schon das Gymnasium Cotta auf den Auslagerungsstandort.

Neue Turnhalle auf Betonpfählen

Für eine neue Turnhalle an der 30. Oberschule am Unteren Kreuzweg entstehen derzeit die Fundamente. Quelle: Dietrich Flechtner

Die 30. Oberschule am Unteren Kreuzweg erhält eine neue Turnhalle. 5,5 Millionen Euro investiert die Stadt dafür, 1,74 Millionen kommen davon aus Fördermitteln.

Für die Gründung waren mehr als 30 Betonpfähle notwendig, die 14 Meter tief in den Boden reichen. Die Turnhalle wird praktisch ein „Plattenbau“. Auf die Fundamente werden vorgefertigte Elemente aufgesetzt.

Noch liegt der Bau im Zeitplan. Für Verzögerungen sorgten jedoch bereits Probleme bei der Vergabe der Erdarbeiten, weil es keine passenden Angebote von Baufirmen gab.

Die neue Zweifeld-Halle, die auch Vereinen zur Nutzung zur Verfügung stehen wird, entsteht an der Glacisstraße. Sie ersetzt die vorhandene Einfeld-Halle an der Hospitalstraße. Die alte DDR-Tonne ist nicht sanierungsfähig, die Blechdächer sind nicht dauerhaft dicht zu bekommen. An Wärmedämmung ist auch nicht zu denken.

In der neuen Halle können auch Stühle aufgestellt werden, die Veranstaltungen mit bis zu 600 Zuschauern ermöglichen. Die Nutzung soll ab Schuljahr 2019/20 möglich sein, Ende Oktober soll mit Sportfreiflächen und Schulhof alles abgeschlossen werden.

Neue Adresse ohne Umzug

Bei der 15. Grundschule in der Äußeren Neustadt werden die beiden bereits existierenden Gebäude saniert. Zudem werden Erweiterungsbauten errichtet. Quelle: Dietrich Flechtner

Die 15. Grundschule hat bald eine neue Adresse. Dazu muss sie nicht einmal dauerhaft umziehen, sondern nur jetzt während der Bauarbeiten.

Bislang firmiert die Schule in der Neustadt unter der Anschrift Görlitzer Straße 8-10. Für reichlich zehn Millionen Euro werden derzeit die beiden historischen Gebäude, die bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückreichen, vollständig saniert. Etwa 1,5 Millionen Euro kommen davon aus dem Förderprogramm für das Sanierungsgebiet „Äußere Neustadt“, das sich aus Geldern von Bund, Land und Stadt speist. In jeder Etage wird künftig ein Übergang von Haus zu Haus möglich sein, ein Aufzug für Barrierefreiheit sorgen.

Mit Erweiterungsbauten auf der Seite der Seifhennersdorfer Straße entsteht nach den Worten von Projektleiterin Ingund Werner von der Stadttocher Stesad auch ein neuer Haupteingang. Damit würde dann auch die neue Adresse einhergehen. Trotzdem können die Schüler, die derzeit in Haus B und C der nahegelegenen Dreikönigschule unterrichtet werden, wieder in ihr angestammtes Gebäude ziehen. Ende Dezember 2019 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Erstmals Schulbau für blinde Kinder

Blindenschrift dient zur Orientierung für die Schüler. Quelle: Dietrich Flechtner

Es ist eine Premiere für Dresden: Erstmals wird es eine Grundschule geben, in der blinde Kinder unterrichtet werden können. Bislang mussten diese in Chemnitz zur Schule gehen.

Die 153. Grundschule an der Fröbelstraße spezialisiert sich auf die Inklusion sehbehinderter Kinder. Das Schuljahr wird mit einem seit Geburt blinden Kind und einem stark sehbehinderten Kind unter den 40 Schülern starten. „Das ist eine große Herausforderung“, erzählt Schulleiterin Rica Buschner, die sich darauf mit ihren vier Kollegen seit langem vorbereitet. Die sehbehinderten Kinder haben persönliche Betreuer und auch das Lehrerteam erhält spezielle Beratung.

Das Schulgebäude wurde seit den 1950er Jahren nicht mehr als Schule genutzt, zuletzt war es Theaterfundus der Semperoper. 12,65 Millionen Euro kosten Sanierung und Ausstattung. Im Außenbereich wird nicht alles fertig bis zum Schuljahresstart. In der Schule ist alles auf Kinder mit Sehbehinderung ausgerichtet: An den Türschildern findet sich Blindenschrift, in den Fluren gibt es Handläufe. Taktile Elemente wie Noppen auf den Fliesen zeigen blinden Menschen an, wo Türen sind oder Treppenabsätze beginnen.

Erweiterung am alten Löffler-Gymnasium

Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann am Ehrenfried -Walther-von-Tschirnhaus-Gymnasium auf der Bernhardstraße. Quelle: Dietrich Flechtner

Das Gebäude des früheren Fritz-Löffler-Gymnasiums war der erste Schulneubau nach dem Zweiten Weltkrieg in Dresden. 2007 wurde die Schule aufgelöst, jetzt kehrt wieder Schulleben an die Bernhardstraße zurück. Mitte August startet das Ehrenfried-Walther-von-Tschirnhaus-Gymnasium zunächst in einem Erweiterungsbau neben dem alten Löffler-Haus.

Bislang ist die Schule am Leutewitzer Ring angesiedelt. Rund 600 Schüler können ab Mitte August ein neues, lichtdurchflutetes Gebäude nutzen. Schulgebäude und Pausenflächen kosten die Stadt etwa 35 Millionen Euro Eigenmittel. Für 9,18 Millionen kommen eine Sporthalle und Sportfreiflächen hinzu, dafür gibt es sechs Millionen Euro Fördermittel aus dem Brücken-Programm des Freistaats.

Auch hier wird zum Schulstart am 13. August nicht alles fertig sein. Der Bau der Sporthalle soll ohnehin erst bis August 2019 abgeschlossen werden, dann wird zudem der Altbau saniert sein, an dem auch künftig der Name „Fritz Löffler“ sehen soll. Schon jetzt sind die Übergänge ins historische Gebäude im Neubau vorgesehen, aber noch hinter Gipskartonplatten versteckt.

Von Ingolf Pleil

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